Stand: 25.04.2019 10:21 Uhr

Werder und die Sehnsucht nach Flutlicht-Abenden

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Der großartige Pokal-Abend endete bitter für Werder Bremen: Ein umstrittener Elfmeter für den FC Bayern besiegelte letztlich die 2:3-Niederlage im Halbfinale. Trotzdem hatten die Hanseaten allen Grund, stolz auf ihre Leistung zu sein. Nun soll mit aller Energie noch Rang sieben in der Bundesliga und damit die Europacup-Qualifikation erreicht werden.

Es war ein Abend, der an Werder Bremens ganz große Zeiten erinnerte: Flutlicht im Weser-Stadion, sensationelle Stimmung, ein grandioses Spiel mit dramatischen Wendungen und nach vielen Jahren endlich wieder eine Bremer Mannschaft, die fast ebenbürtig war mit Dauer-Meister Bayern München. Am Ende stand aber vor allem die Frage: Musste Kingsley Coman beim Kontakt von Theodor Gebre Selassie wirklich zu Boden gehen? Schiedsrichter Daniel Siebert zögerte keine Sekunde und gab den Elfmeter, den Robert Lewandowski zum 3:2-Endstand verwandelte. Werder-Kapitän Max Kruse entfuhr bei Ansicht der TV-Bilder nur ein "lächerlich, echt, ey." Selbst die Bayern taten sich schwer damit, Sieberts Entscheidung mit voller Überzeugung als richtig zu bewerten.

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Bitter für Bremen: Elfmeter-Entscheidung "nicht korrekt"

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Werder-Coach Kohfeldt lobt das "geile Spiel" seines Teams

Umso bemerkenswerter war die Reaktion von Werder-Coach Florian Kohfeldt: "Natürlich ist der Pfiff brutal. Aber ganz deutlich: Bayern hat sich das verdient. Das jetzt hier zu reduzieren auf einen Bayern-Bonus, das ist Quatsch." Er wollte lieber über das "geile Spiel" seiner Mannschaft reden und den Fokus auf den Bundesliga-Endspurt richten. Werder will unbedingt noch Rang sieben und damit die Europa-League-Qualifikation erreichen. Was angesichts des Restprogramms allerdings eine schwierige Aufgabe wird. "Wir wollen diese Abende häufiger haben. Und wir werden morgen anfangen, dafür zu arbeiten, dass wir am Sonnabend in Düsseldorf gewinnen. Damit das Flutlicht hier häufiger angeht", betonte Kohfeldt.

Außenstürmer Rashica ein Glücksgriff für Werder

Werder ist auf den Geschmack gekommen. Nach Jahren des sportlichen Niedergangs ist der viermalige deutsche Meister wieder nah dran an der Bundesliga-Spitze, hat im 36 Jahre alten Kohfeldt einen außergewöhnlich talentierten Trainer und auch wieder ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt. Kruse zurück nach Bremen zu holen, war ebenso ein Volltreffer wie die Verpflichtung von Milot Rashica. Der 22 Jahre Außenstürmer zeigte gegen die Bayern nicht zum ersten Mal in dieser Saison einen Galaauftritt und dürfte bald das Interesse sehr zahlungskräftiger Clubs wecken.

Kruse wird in Düsseldorf wohl pausieren

Gemeinsam mit Kruse ist Rashica der Motor der Bremer Offensive, bringt Tempo und Finesse ins Spiel. Doch das Duo wird am Sonnabend in Düsseldorf wohl nicht gemeinsam auflaufen. Kruse, der schon vor dem Pokalspiel angeschlagen war, ist verletzt. "Sein Oberschenkel sieht wirklich schlimm aus", sagte Kohfeldt: "Er wäre in keinem anderen Spiel als diesem Halbfinale aufgelaufen. Es kann sein, dass er in Düsseldorf nicht dabei sein wird."

Der Bremer Coach wird kein Risiko eingehen. Denn nach der Partie bei der Fortuna trifft Werder noch auf Dortmund, Hoffenheim und RB Leipzig. Kein Europacup-Kandidat hat ein härteres Restprogramm. Werder muss ein wenig über sich hinauswachsen, um Kohfeldts Wunsch nach weiteren Flutlicht-Abenden zu erfüllen.  

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NDR//Aktuell | 25.04.2019 | 14:00 Uhr

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