Stand: 04.06.2020 11:19 Uhr

Werder verspielt ein Ass im Abstiegskampf

von Ines Bellinger, NDR.de
Werder-Trainer Florian Kohfeldt und Frankfurts Coach Adi Hütter (l.). © imago images / Poolfoto
Nicht anfassen, nur reden: Eintracht-Trainer Adi Hütter (l.) kritisierte das Benehmen auf der Bank seines Kollegen Florian Kohfeldt.

Punkten, wenn die anderen nicht punkten können. Das hatte Trainer Florian Kohfeldt den Profis von Werder Bremen vor dem Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt eingeimpft. Doch ein Ass, das die Bremer im Abstiegskampf noch im Ärmel hatten, wurde beim 0:3 verspielt. Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Partien brachen bei der Niederlage am Mittwochabend die altbekannten Probleme wieder auf: Die Grün-Weißen machen vor allem bei Standards haarsträubende Fehler in der Defensive und haben im Vorwärtsgang niemanden, "der sich einfach mal den Ball nimmt und das Tor macht", wie Kohfeldt offen einräumte. Und so brachte der vermeintliche Vorteil nichts weiter ein als Ernüchterung beim Abstiegskandidaten - und Ärger mit den Gästen.

Hütter und sein Ärger mit der Werder-Bank

Eines kann man den Bremern nämlich nicht vorwerfen: mangelnden Willen und Engagement, sowohl auf als auch neben dem Platz. Schon bei den ersten Spielen nach der Corona-Pause machten Ersatzspieler und Personal auf der Tribüne einen derartigen Lärm, dass man meinen konnte, es hätte sich doch eine ganze Schar Zuschauer irgendwie Zugang zum Stadion verschafft.

Auch gegen Frankfurt peitschten Kohfeldt und seine Kollegen ihr Team nach vorn - auf eine Weise, die Eintracht-Trainer Adi Hütter so nervte, dass er sich während des Spiels lautstark über Rufe und Gesten in Richtung der Frankfurter Bank - vor allem von Bremens Torwarttrainer Christian Vander - beklagte. Während Kohfeldt nach dem Schlusspfiff den Vorfall herunterspielen wollte, nahm Hütter kein Blatt vor den Mund. "Ich mag das einfach nicht, wenn der Torwarttrainer sich bemüßig fühlt, den Cheftrainer zu attackieren", sagte er dem NDR. "Emotionen hin, Emotionen her. Wenn das mein Torwarttrainer macht, dann schicke ich ihn auf die Tribüne." Kohfeldt nahm er von seiner Schelte ausdrücklich aus.

Kohfeldt vercoacht sich in der Offensive

So emotional Kohfeldt während eines Spiels mitunter auch sein mag, in seinen Analysen ist er - auch schon kurz nach dem Schlusspfiff - ausgesprochen reflektiert und rhetorisch geschickt. Und so fing er auch gar nicht erst an, den Auftritt seiner Mannschaft, der zumindest vor der Pause als bissig und mit guten spielerischen Ansätzen zu bewerten war, schönzureden. "Alle drei Tore wären individuell zu verteidigen gewesen", räumte Kohfeldt ein und monierte zugleich überhastete Angriffsaktionen.

Dass sein Team vor dem gegnerischen Tor so harmlos daherkam, muss sich der Trainer selber ankreiden. Er stellte den weit unter Form spielenden Davie Selke und den nach langer Auszeit um Anschluss ringenden Fin Bartels in der Offensive auf und schonte zunächst die angeschlagenen Leonardo Bittencourt und Milot Rashica. Beide hätten nicht ein ganzes Spiel durchgehalten, argumentierte Kohfeldt. Vielleicht wäre es aber die bessere Option gewesen, die beiden stärkeren Spieler beginnen zu lassen.

Heimspiel gegen Wolfsburg - kein Trumpf

Werder bleibt mit zwei Punkten Rückstand auf Düsseldorf und drei Zählern auf Mainz auf dem vorletzten Platz hängen. Gegen Mainz spielt Werder noch, aber das Torverhältnis der Bremer ist das schlechteste der Liga (-32). Die Fortuna, die derzeit den Relegationsplatz belegt, ist aus eigener Kraft nicht mehr zu überholen. "Natürlich ist das ein Rückschlag, aber wir haben noch fünf Spiele", sagte Werder-Kapitän Niklas Moisander. "Nächsten Sonntag haben wir ein wichtiges Heimspiel gegen Wolfsburg, das wir gewinnen müssen."

Das Nordduell gegen den Richtung Europa strebenden VfL wird am Sonntag zur ungewohnten Mittagszeit angepfiffen (13.30 Uhr / im Livecenter bei NDR.de). Doch das ist nicht der Grund, warum man bei Werder mit Sorge auf den 30. Spieltag blickt. Wieder ein Heimspiel! Das war in Bremen mal ein Trumpf. Inzwischen ist es fast schon eine Drohung - und mit den derzeit fehlenden Fans hat das gar nichts zu tun. Auch wenn Kohfeldt einen Heim-Komplex seiner Mannschaft vehement bestreitet: Er ist nicht zu leugnen. Der letzte Sieg an der Weser liegt inzwischen neun Monate zurück.

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 03.06.2020 | 18:00 Uhr

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