Stand: 14.06.2020 09:56 Uhr

Werder schöpft Hoffnung - Kohfeldt: "Halten Druck stand"

von Andreas Bellinger. NDR.de
Werder-Trainer Florian Kohfeldt (r.) freut sich mit Torschütze Niclas Füllkrug über dessen Treffer in Paderborn. © imago images / Poolfoto
Freude pur bei Werder-Coach Florian Kohfeldt (r.) und Niclas Füllkrug, der Bremens erstes Joker-Tor in dieser Saison erzielte.

Werder Bremen hat die womöglich letzte Chance beim Schopfe gepackt und mit dem ersten Fünfer-Pack seit drei Jahren seine erschreckende Torflaute beendet. Ein Quäntchen Hoffnung, den direkten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga in den ausstehenden drei Spielen noch abwenden zu können, ist nach dem 5:1 beim SC Paderborn zurück. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Noch immer sind die Grün-Weißen Tabellenvorletzter und in höchster Gefahr. Düsseldorf auf dem Relegationsplatz 16 ist nach dem 0:1 gegen Borussia Dortmund allerdings nur noch ein Tor besser. Und während Werder Selbstvertrauen tankte, mussten die Fortunen in letzter Minute einen extrem harten Nackenschlag verkraften.

Klaassen überragend

"Die fünf Tore tun uns gut", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt, der sich über "ein gutes Auswärtsspiel, das wir kämpferisch und spielerisch gut angenommen haben", freute. Zuletzt waren den Bremern so viele Tore am 1. April 2017 beim 5:2 in Freiburg gelungen. Dabei hatte die Partie in Ostwestfalen mit einer neuerlichen Enttäuschung begonnen, als Milot Rashica einen Handelfmeter verschoss. "Dass wir trotzdem sofort das 1:0 geschossen und den Druck unvermindert aufrechterhalten haben, war schon sehr gut", erklärte Kohfeldt dem Portal "Deichstube". Werder holte den von Keeper Leopold Zingerle abgewehrten Ball zurück, und besorgte gerade einmal 45 Sekunden später die Führung durch den überragenden Davy Klaassen (20.), der in der 39. Minute Treffer Nummer zwei folgen ließ.

Viele Bremer wie runderneuert

"Die zwei Tore fühlen sich gut an, aber der Sieg fühlt sich noch schöner an", sagte der Niederländer, der beispielhaft für ein deutlich verbessertes Bremer Team stand. Offenbar ist endlich angekommen, dass Kampf, Einsatz und Willensstärke immer noch die entscheidenden Attribute im Abstiegskampf sind. Die Art und Weise, wie die Bremer nach Wochen der sportlichen Lethargie aufspielten, ließ aufhorchen. Yuya Osako (34.), der nach 17 torlosen Spielen wieder traf, Maximilian Eggestein (59.), dem erstmals in dieser Saison ein Treffer gelang, und Sturmtalent Josh Sargent wirkten wie runderneut und ließen Kohfeldt auf bessere Tage hoffen. "Aber", so der 37-Jährige nach kurzer Atempause, "das haben wir schon oft getan."

Trumpfkarte Füllkrug?

Doch rechtzeitig zum Saison-Halali hält der Coach möglicherweise wieder eine Trumpfkarte in der Hand.

In der 76. Minute lief Niclas Füllkrug aufs Feld und markierte mit seinem ersten Torschuss (90.+2) auf Vorlage des ebenfalls eingewechselten Marco Friedl den Endstand. "Pure Freude" 273 Tage nach seinem Kreuzbandriss im September des vorigen Jahres und zwei folgenden Operationen. Auch Claudio Pizarro, der in Paderborn auf der Tribüne saß, könnte noch eine Alternative im Sturm sein - anders als der enttäuschende Davie Selke, der seit seiner Rückkehr an die Weser weiter ohne Bundesliga-Tor ist. "Ein toller Tag; unfassbar schön", sagte Füllkrug dem NDR. So habe er sich das vorgestellt, "dass ich noch treffe in dieser Saison. Bei der deutlichen Führung konnte ich aber auch ganz befreit aufspielen". Sein Treffer war das erste Bremer Joker-Tor in dieser Saison.

Schießbude ist jetzt Paderborn

Es gab viel Erfreuliches zu sehen bei zeitweise prasselndem Regen. Nicht nur, dass die Bremer nach zuletzt drei Toren in fünf Spielen Treffsicherheit bewiesen und den Titel der Liga-Schießbude an die Gastgeber abgaben. Auch die statistischen Daten der Partie belegten den Aufschwung. Werder (104,33 Kilometer) lief 6,33 Kilometer mehr als der Gegner, hatte vier Prozent mehr Ballbesitz und war dem Gastgeber in den Zweikämpfen (50:50) ebenbürtig. Allerdings war Paderborn kein Top-Gegner und hätte unter Umständen mehr als das eine Tor durch Abdelhamid Sabiri (66.) erzielen können.

Kohfeldt: "Brauchen weiter Siege"

"Wir haben noch nichts gewonnen, stehen noch immer auf einem direkten Abstiegsplatz", warnte daher Kohfeldt und blickte angespannt auf den nächsten Gegner. Schon am Dienstag stehen die Bremer daheim gegen den FC Bayern (20.30 Uhr/im Livecenter bei NDR.de) vor einer Herkulesaufgabe. "Das wird jetzt auch nicht das leichteste Spiel", so der Werder-Coach, der dennoch punkten und den Münchnern die vorzeitige Meisterfeier verderben will. "Auf jeden Fall brauchen wir noch Siege", sagte Kohfeldt in der Sportschau. Gegen die Bayern, Mainz und am letzten Spieltag gegen Köln im Weserstadion, wo bislang lediglich ein Heimsieg gelungen ist. Sechs Punkte sind nach Werder-Rechnung Pflicht, damit wenigstens die Relegation erreicht werden kann. Kohfeldt: "Wir haben bewiesen, dass wir Druck tolerieren können und trotzdem Leistung bringen."

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Sportclub | 14.06.2020 | 22:50 Uhr

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