Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung der Werder Bremen GmbH & Co KG © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt

Werder in Finanznot, aber Filbry verspricht: Keine Panikverkäufe

Stand: 27.03.2021 13:03 Uhr

Geschäftsführer Klaus Filbry sieht Werder Bremens Lizenz für die kommende Saison trotz ausbleibender Transfererlöse nicht in Gefahr. Theodor Gebre Selassie geht wohl von Bord.

Im Interview mit dem Portal "Deichstube" sprach Filbry über den bevorstehenden schwierigen Transfersommer im Fußball - nicht nur für den Bundesligisten von der Weser. "Alle Vereine hatten keine Zuschauereinnahmen und haben weniger TV-Geld bekommen. Große Spielerverkäufe wird es deshalb nur sehr begrenzt geben", sagte der 54-Jährige. Für Werder sind Transfereinnahmen extrem wichtig. Dennoch betonte Filbry: "Wir haben drei Transferperioden Zeit: den Sommer, den Winter und die Phase nach der nächsten Saison. Wir möchten verkaufen, aber es wird keine Panikverkäufe geben."

"Werden die Lizenz ohne Auflagen bekommen"

Die angespannte finanzielle Gesamtsituation der Grün-Weißen werde in den nächsten Monaten nach Filbrys Aussagen noch keine unmittelbaren Konsequenzen haben: "Wir werden die Lizenz ohne Auflagen bekommen, aber natürlich müssen wir unsere Zahlungsfähigkeit bis Ende Juni 2022 nachweisen. Fest steht: Vor allem durch die Geisterspiele fehlen uns saisonübergreifend 35 bis 40 Millionen Euro."

Die aktuelle Saison war im Dezember durch einen Kredit von einem lokalen Bankenkonsortium über 20 Millionen Euro abgesichert worden. Werder muss die Kreditsumme mit Zinsen in den kommenden sechs Jahren zurückzahlen. In der Planung für das nächste Geschäftsjahr jongliert der Club aber erneut mit vielen Unbekannten: "Wann haben wir wieder Zuschauereinnahmen, kommt der Transfermarkt wieder in Gang? Um eine gewisse Beinfreiheit für diese Unwägbarkeiten in der nächsten Saison zu haben, beschäftigen wir uns mit einer Mittelstandsanleihe", sagte Filbry.

Gehaltsverzicht wird nicht mehr öffentlich diskutiert

Ob die Spieler auch weiterhin auf Geld verzichten müssen, darüber wollte Filbry nicht sprechen: "Wir haben zwei Mal einen Gehaltsverzicht mit der Mannschaft umgesetzt, sie hat ihren Beitrag geleistet. Wir haben vereinbart, dass wir über weitere Inhalte nicht mehr öffentlich sprechen werden, weil sie vertraulich sind." Von einem immer noch möglichen Abstieg wollte Filbry nichts wissen. Aber jeder Werder-Spieler habe einen Vertrag, der auch für die Zweite Liga gelte: "Unsere Verträge mit den Spielern sind so gestaltet, dass wir in der Zweiten Liga nur noch 40 bis 50 Prozent der Gehälter zahlen müssten." Damit könnten die geringeren TV-Einnahmen größtenteils kompensiert werden.

Gebre Selassie: "Eine Entscheidung ist gefallen"

Ein Spieler, dessen Abschied im Sommer bevorsteht, wird Werder kein Geld mehr einbringen. Theodor Gebre Selassie steht vor der Rückkehr in seine tschechische Heimat. Der Vertrag des altgedienten Werder-Spielers läuft im Sommer aus. "Eine Entscheidung ist gefallen", sagte der 34 Jahre alte Verteidiger, der seit 2012 für die Grün-Weißen spielt. "Aber ich möchte sie noch für mich behalten." Der Fokus solle auf dem Klassenerhalt liegen, nicht auf seiner Zukunft. Gebre Selassie hatte schon im vergangenen Sommer angekündigt, dass diese Saison wahrscheinlich seine letzte für Werder sein wird. Einer seiner Söhne wird in diesem Sommer eingeschult, die Familie soll schon länger geplant haben, dann wieder in Tschechien zu sein.

Mehr Bundesligaspiele als Schaaf

In der ewigen Liste der Fußballer mit den meisten Bundesligaspielen im Werder-Trikot hat "Theo" als 16. gerade Club-Legende Thomas Schaaf überholt. Gebre Selassie hat inzwischen 263 Partien auf dem Buckel - eine mehr als sein Ex-Trainer und Förderer. "Ich bin ihm sehr denkbar dafür, dass er mir damals die Chance gegeben hat", sagte Gebre Selassie. "Ohne ihn wäre ich nicht nach Bremen gekommen."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.03.2021 | 11:25 Uhr

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