Stand: 27.06.2020 06:52 Uhr

Werder - Köln: Schicksalsspiel gegen den Abstieg

Die Bremer Spieler Milot Rashica, Yuya Osako und Maximilian Eggestein (v.l.) feuern sich an. © Witters Foto: Tom Groothuis
Die Bremer sind entschlossen, aber die Chance auf den Klassenerhalt ist gering.

Die 1.900. Bundesliga-Partie von Werder Bremen wird zum Schicksalsspiel, denn es könnte das vorerst letzte für die Grün-Weißen in der Beletage des deutschen Fußballs sein. Selbst ein Heimsieg beim Saisonfinale gegen den 1. FC Köln heute (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) reicht nur für den Sprung in die Relegation, wenn Fortuna Düsseldorf zeitgleich bei Union Berlin verliert. Erreicht die Fortuna einen Punkt, müsste Werder mit vier Toren Differenz gewinnen. Holt Düsseldorf in Berlin einen Dreier, spielt es keine Rolle, welches Ergebnis die Bremer erzielen. Dann müssten sie nach einer historisch schlechten Saison definitiv zum zweiten Mal nach 1980 den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Fragezeichen hinter Rashica

"Es gilt nur: Messer zwischen die Zähne und raus da", sagte Florian Kohfeldt.

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Nach dem Nackenschlag in der Vorwoche in Mainz, als er völlig desillusioniert und aller Hoffnungen beraubt wirkte, zeigte sich der Werder-Trainer in der Pressekonferenz am Freitag wieder kämpferisch. Er will sein Team offensiv, aber nicht kopflos einstellen, um die Mini-Chance zu nutzen: "Wir versuchen, das Spiel mit einer gewissen Balance anzugehen, denn Köln wird sich definitiv nicht überrollen lassen."

Verteidiger Sebastian Langkamp wird den letzten Spieltag wegen einer Zerrung im Oberschenkel verpassen. Die zuletzt angeschlagenen Kevin Vogt und Theodor Gebre Selassie meldeten sich einsatzbereit. Bei Milot Rashica, mit sieben Toren Werders bester Schütze in dieser Saison, komme es nach seiner Knöchelverletzung im Training darauf an, ob er den Schmerz tolerieren kann. "Er muss in der Lage sein, seine Leistung zu bringen", sagte Kohfeldt.

"Mir geht die Düse 1:10. Ich bin schon ganz schön angespannt. Mein Leitspruch ist ja: Durch Aufgeben hat noch keiner gewonnen. Und daran halte ich mich natürlich auch in der jetzigen Situation." Bürgermeister Andreas Bovenschulte

Füllkrug von Beginn an?

Das Trainerteam wird sich während des Spiels über den Zwischenstand in Berlin informieren lassen und je nach Spielsituation diesen Impuls auch an die Werder-Profis weitergeben. Kohfeldt liebäugelt noch mit einem Startelf-Einsatz für Stürmer Niclas Füllkrug, der aber lange verletzt war und wohl nur Luft für eine Stunde hat. "Es wäre aber auch eine wichtige Überlegung, Niclas von der Bank zu bringen, wenn sich gewisse Dynamiken entwickeln", sagte Kohfeldt.

Ujah und Kroos in Werder-Mission unterwegs?

Der Werder-Coach glaubt fest daran, dass die Bremer die dringend benötigte Schützenhilfe von Union Berlin bekommen. "Ich bin mir absolut sicher, dass sie alles tun werden, um das Spiel für sich zu gewinnen", sagte Kohfeldt. In Anthony Ujah und Felix Kroos stehen zudem zwei Ex-Bremer in den Reihen der Kicker von der Alten Försterei. Kohfeldt sagte, er habe keinen Kontakt zu ihnen gehabt in dieser Woche, schickte aber vielsagende Grüße an die Spree: "Tony kennt sich ja aus mit wichtigen Toren für Werder in letzter Sekunde."

Ujah hatte vor vier Jahren am letzten Bundesliga-Spieltag in der 88. Minute das entscheidende 1:0 gegen Eintracht Frankfurt aufgelegt, mit dem Werder sich selbst rettete und die Hessen in die Relegation beförderte.

"Ich appelliere an die Fans: Bitte bleibt zu Hause! Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Situation, die - bei allem Respekt - immer noch schwieriger ist als der Abstiegskampf von Werder Bremen." Florian Kohfeldt

Pizarro als wichtige Option

Diesmal richten sich die Blicke der Werderaner auf einen anderen Hoffnungsträger. Claudio Pizarro will seine lange Karriere nicht mit einem Abstieg beenden. Für einen Einsatz von Beginn an reicht die körperliche Verfassung des 41-Jährigen nicht mehr. Aber: "Claudio wird eine wichtige Option, wenn wir möglicherweise in den letzten Minuten noch ein Tor brauchen", sagte Kohfeldt. Verabschiedet wird die Club-Legende noch nicht. "Ein leeres Stadion ist nicht der geeignete Ort, um so einen verdienten Spieler zu verabschieden", sagte Sportdirektor Frank Baumann.

Dass der Peruaner noch zwei weitere Spiele im Werder-Trikot bekommt, dafür will nicht nur Kohfeldt alles in die Waagschale werfen: "Ich werde bis zur aller-aller-allerletzten Sekunde kämpfen", sagte der Coach. "Und ich kann mich darauf verlassen, dass jeder in der Mannschaft diesen Charakter auch hat."

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