Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen © imago images/Nordphoto Foto: Kokenge

Werder-Weg: Kohfeldt zwischen Enttäuschung und Begeisterung

Stand: 08.10.2020 11:22 Uhr

Die finanzielle Lage hat Werder Bremen auch personell zugesetzt: Der Kader hat an Qualität verloren. Coach Florian Kohfeldt spricht trotzdem von Begeisterung.

Was soll er auch hadern. Nicht zuletzt wegen seines nimmermüden Einsatzes und Optimismus hat Werder in der vergangenen Saison über die Relegation den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt geschafft. Jetzt aufzugeben, kommt für den Fußball-Lehrer nicht infrage. Und auch wenn die Situation durch Abgänge auf der einen und fehlende Zugänge auf der anderen Seite noch schwieriger geworden ist, bleibt sich Kohfeldt treu.

"Ich gehe diesen Weg komplett mit, mit totaler Begeisterung. Denn alle, die wir hier sind, Marco Bode, Frank Baumann und ich, handeln immer unter einer Prämisse: Das Beste für Werder zu tun." Florian Kohfeldt

Das Gespräch mit den anwesenden Medienvertretern nach dem 4:1-Testspielerfolg gegen Zweitligist FC St. Pauli nutzte der 38-Jährige, um an das Umfeld des Clubs und vor allem die Fans zu appellieren. "Man muss einfach verstehen, dass Werder Bremen in einer hochdramatischen finanziellen Lage ist", verdeutlichte er. Der Sparkurs sei unumgänglich, der Club müsse sich konsolidieren.

Neuzugänge spielen bisher keine große Rolle

Auf 30 Millionen Euro bezifferten die Bremer jüngst die Verluste durch die Folgen der Corona-Pandemie. Und offenbar drohen in dieser Saison, in der wohl noch deutlich länger als zunächst erwartet auf volle Stadien verzichtet werden muss, noch größere Ausfälle. Die Einnahmen aus dem schmerzhaften Abgang von Mittelfeldstratege Davy Klaassen (für elf Millionen Euro zu Ajax Amsterdam) reichten gerade einmal, um die Kosten für die Kaufverpflichtungen bei Leonardo Bittencourt und Ömer Toprak aus der vergangenen Saison zu decken.

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Dementsprechend waren alle Neuzugänge Schnäppchen. Felix Agu und Patrick Erras kamen aus der Zweiten Liga und spielen bisher bei Kohfeldt noch keine Rolle. Auch Tahith Chong muss sich erst noch an die Bundesliga gewöhnen. Kurioserweise war der hochveranlagte von Manchester United ausgeliehene Offensivmann eigentlich als Ersatz für Milot Rashica vorgesehen. Aber ausgerechnet der Kosovare, der mit seinem Transfer viel Geld in die leere Kasse bringen sollte, blieb am Ende an der Weser.

Und wie schwierig die Situation mit dem 24-Jährigen, der seit Wochen und Monaten auf einen Wechsel gedrängt hatte, werden könnte, zeigt die Tatsache, dass die Bremer ihm erst einmal eine Woche frei gegeben haben.

Konsolidierungsjahr "ist das Beste für Werder"

Kohfeldt, der eigentlich statt Personalabbau vor allem eine Verstärkung des zentralen Mittelfelds gefordert hatte, stellte fest: "Man muss klar sagen, dass wir unsere Transferziele aus sportlicher Sicht nicht erreicht haben."

Trotzdem betonte der Trainer wie vor ihm auch schon Aufsichtsratschef Marco Bode, dass die Mannschaft nach wie vor Potenzial habe. Trotz der sechs Punkte aus den ersten drei Spielen, zumal gegen die Abstiegskandidaten Schalke 04 und Arminia Bielefeld, dürfe aber niemand zu hohe Erwartungen haben. Er könne "die wirtschaftlichen Entscheidungen" nachvollziehen. "In diesem Jahr ist dieser Weg das Beste für Werder." Solange sie sich nicht in die Zweite Liga sparen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 07.10.2020 | 23:03 Uhr

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