Jean-Manuel Mbom im Outfit der deutschen U-21-Nationalmannschaft. © imago images / foto2press

Von der Dritten Liga in die U21: Werders Mbom startet durch

Stand: 17.11.2020 20:23 Uhr

Jean-Manuel Mbom ist die Entdeckung der Saison bei Werder Bremen. Der 20-Jährige eroberte einen Stammplatz und ist nun auch U21-Nationalspieler.

von Ines Bellinger

Dass er so schnell so weit kommen würde, daran hat der Jung-Profi wohl selbst nicht geglaubt. Und so ging er auch nicht an sein Telefon, als das Display eine unbekannte Nummer anzeigte. Erst als U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz eine Nachricht hinterließ, rief Mbom zurück und erfuhr von der Einladung zu zwei EM-Qualifikationsspielen. Am vergangenen Donnerstag gegen Slowenien (1:1) feierte er in der zweiten Hälfte sein Auswahl-Debüt. Am Dienstag beim 2:1-Sieg gegen Wales in Braunschweig durfte Mbom in der Schlussphase ebenfalls aufs Feld und sich am Ende über die Qualifikation für die EM im kommenden Jahr in Slowenien und Ungarn freuen.

Die Karriere des 20-Jährigen nimmt gerade richtig Fahrt auf, dabei haben die Nachwuchs-Scouts den dynamischen und zweikampfstarken Mittelfeldspieler schon sehr lange auf dem Radar.

Mit Mbom hat Werder noch nicht verloren

Bremens Jean-Manuel Mbom (l.) © imago images / Nordphoto
Jean-Manuel Mbom (l.) bei seinem Bundesliga-Debüt auf Schalke.

Mbom wurde in Göttingen als Sohn eines Kameruners und einer Deutschen geboren. Mit 13 kam er zu Werder Bremen, wo er als außerordentliches Talent auffiel und als U17-Spieler vom Deutschen Fußball-Bund mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber geehrt wurde. Mit 18 gab Werder ihm seinen ersten (inzwischen verlängerten) Profivertrag, doch weil er lediglich im Regionalliga-Team zum Zuge kam, schickten ihn die Bremer 2019 für ein Jahr als Leihspieler zum KFC Uerdingen. Nach seiner Rückkehr im Sommer kam ihm der glückliche Umstand zu Hilfe, dass die klammen Kassen an der Weser keine große Einkaufstour auf dem Transfermarkt erlaubten. Beim 1:4 zum Saisonstart gegen Hertha musste er noch die Bank drücken. Seit dem zweiten Spieltag (3:1 auf Schalke) stand Mbom jeweils in der Startelf - und Werder hat seither in der Bundesliga nicht mehr verloren.

Dritte Liga = robuste Liga

"Verrückt, so ist der Fußball", sagt Mbom nach seinem steilen Aufstieg aus der Dritten Liga ins Auswahl-Trikot in einem Interview auf dfb.de. "Die Dritte Liga unterscheidet sich sehr von der Regionalliga, in der ich davor für die zweite Mannschaft von Werder gespielt habe. Eine sehr robuste Liga, aus der ich sehr viel für mich mitnehmen konnte - auf und neben dem Platz."

Auf dem Weg zum "Kartenkönig"?

Robust - das ist auch die treffende Beschreibung für den Spielstil des Werder-Talents. Angstfrei und mit großer körperlicher Präsenz räumt Mbom auf den Außenverteidigerpositionen die Gegner ab, als hätte er nie etwas anderes getan. Vier Gelbe Karten sammelte er in sechs Spielen ein und wird in dieser Wertung in der Bundesliga nur vom Mainzer Danny Latza (5) übertroffen. Mbom ist eigentlich zentraler Mittelfeldspieler. Dort sind auch seine Vorbilder zu Hause: Yaya Touré, Kevin de Bruyne, Thiago. Und wie sich zeigt, hat Werder in der Kreativabteilung große Defizite. "Aber ich kann mich anpassen - ich denke, das ist auch eine meiner Qualitäten", sagt er.

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Wie es ist, wenn man unter dem Brennglas einer Bundesliga-Partie einen Bock schießt, hat Mbom mittlerweile auch schon erlebt. Beim 1:1 in Frankfurt verschuldete er den Ausgleich. Doch Florian Kohfeldt nahm den Youngster danach in Schutz: "Manu hat mein volles Vertrauen", sagte der Trainer. "Der fällt auf gar keinen Fall in ein Loch." Gegen Köln spielte Mbom erneut von Beginn an.

Bruder Benjamin spielt für Eintracht Braunschweig

Und nun also Länderspiele, ein "Kindheitstraum", wie er sagt. Dieses Erlebnis hätte nur noch toppen können, wenn die Partie gegen Wales in Braunschweig vor Zuschauern hätte stattfinden können. Denn Mboms jüngerer Bruder Benjamin spielt in der U17 von Eintracht Braunschweig und wäre zu gern ins Stadion gekommen. "Das war schon bei den Bundesligaspielen sehr schade, dazu hätte ich meine Familie und insbesondere meinen Bruder gerne mal eingeladen. Aber die sitzen immer vor dem Fernseher und drücken die Daumen, auch jetzt während der Länderspielphase", sagt Mbom, der aber auch klug genug ist, zu reflektieren, in welcher gesellschaftlichen Ausnahme-Situation er seinem Beruf nachgehen darf: "Ich bin froh, Fußballprofi sein zu dürfen - denn wir haben das große Privileg, dass wir in dieser besonderen Zeit weiter auf dem Platz stehen dürfen. Diese Situation möchte ich möglichst verantwortungsvoll annehmen."

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Sport aktuell | 17.11.2020 | 20:25 Uhr

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