Stand: 17.09.2021 12:26 Uhr

Nordderby: Jansen und Reck über Anekdoten, Brisanz und den Favoriten

Die Bildcombo zeigt Marcell Jansen (l.) und Oliver Reck
Marcell Jansen (l.) und Oliver Reck standen selbst bei einigen Nordderbys auf dem Platz.

108. Mal haben Werder Bremen und der Hamburger SV gegeneinander gespielt. Nun gibt es am Sonnabend (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) die Premiere in der Zweiten Liga. Wie wichtig ist das Derby? Wie geht es aus? Der NDR hat mit Oliver Reck und Marcell Jansen gesprochen.

Reck bestritt zwischen 1985 und 1998 insgesamt 345 Partien für Werder und ist nun Trainer beim Regionalligisten SV Jeddeloh II. Jansen stand von 2008 bis 2015 beim HSV unter Vertrag und wurde im Juli zum zweiten Mal zum Vereinspräsidenten des Traditionsclubs gewählt. Im Interview äußern sie sich...

... über das erste Duell in der Zweiten Liga:

Oliver Reck: "So ein Spiel sieht man eigentlich gerne in der Ersten Liga. Es ist schade, dass es in der Zweiten Liga ist, trotzdem freue ich mich auf das hochinteressante Spiel. Zum Glück gibt es Zuschauer, denn letztlich spielen wir für die Zuschauer Fußball, die Atmosphäre hat einfach in den letzten eineinhalb Jahren gefehlt."

Marcell Jansen: "Zur Zweiten Liga mit den vielen Traditionsmannschaften und der unglaublichen Fankultur gehören auch die Nordderbys. Das Spiel jetzt in Bremen ist ein absolutes Highlight und sicherlich kein normales Spiel."

... eine spezielle Derby-Anekdote

Reck: "Wir hatten 1988 eine sehr gute Mannschaft und sind ja auch Meister geworden. Mirko Votava hatte sich verletzt, und wir mussten zum Auswärtsspiel zum HSV. Wir kannten natürlich auch die Jungs aus unserer zweiten Mannschaft, unter anderem einen jungen Spieler namens Dieter Eilts, der noch gar keine richtige Chance bekommen hatte, bei uns mitzuspielen.

Wir haben Trainer Otto Rehhagel empfohlen, ihn mitzunehmen, einzusetzen und gegen Thomas von Heesen spielen zu lassen, der damals der Spielmacher des HSV war. Und Eilts hat dann von Heesen komplett aus dem Spiel rausgenommen und ein tolles Spiel gemacht, das war sein Sprungbrett. Man sieht: In einem Derby können auch Stars geboren werden.

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Jansen: "Es gibt keine besondere Anekdote. Ich kann mich an viele hitzige Derbys erinnern: An ein Schneegestöber, als wir nach kurzer Zeit in Unterzahl gespielt haben, weil Jerome Boateng vom Platz geflogen ist und wir das Spiel trotzdem gewonnen haben. Damals haben für beide Vereine noch andere Zeiten geherrscht: auf gutem Niveau in der Bundesliga. Leider verbindet uns, dass wir nun eine Liga weiter unten sind." 

... die besondere Brisanz der Nordderbys:

Reck: "Die Spieler untereinander kennen sich, verstehen sich, teilweise gibt es auch Freundschaften zu Spielern vom HSV. So wechselte ja Didi Beiersdorfer nach Bremen, wurde später dann Sportdirektor beim HSV. Auch wenn man im Moment Gegner ist, kennt man sich doch sehr, sehr gut und das kann man auch nicht abstreifen. Aber in so einem Spiel möchte man für seinen Club alles Mögliche rausquetschen und alles dafür tun, dass man gewinnt."

Jansen: "Ein Derby ist kein normales Spiel, weil es auch eine andere Stimmung hat, eine andere Brisanz. Das haben die Partien damals auch immer gezeigt. Es ist schade, dass man in Corona-Zeiten kein volles Stadion hat - bei solchen Spielen, die den Fußball prägen. Wenn Traditionsvereine aufeinandertreffen, haben wir ein anderes Flair. Da wird viel mehr drüber gesprochen."

... den Ausgang des Spiels:

Reck: "Werder hat durch seinen Auswärtssieg viel Motivation getankt. Der HSV hat mit seinem späten Heimsieg gegen Sandhausen wieder in die Spur zurückgefunden. Ich tippe auf ein knallhartes 2:2."

Jansen: "Ich sehe uns gut gerüstet. Wenn ich auf diese Saison gucke, sind beide Mannschaften gut drauf. Wir haben leider zu wenig Punkte. Gegen Darmstadt und Heidenheim haben wir Zähler liegengelassen, die wir uns nun zurückholen müssen. Ich tippe auf einen Auswärtssieg: Drei Tore fallen bestimmt, also 2:1 für den HSV."

Die Interviews führten Sven Kaulbars und Patrick Halatsch.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 19.09.2021 | 22:50 Uhr

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