Bremens Trainer Florian Kohfeldt © picture alliance/dpa | Carmen Jaspersen Foto: Carmen Jaspersen

Werder rückt von Kohfeldt ab - Entscheidung bis spätestens Dienstag

Stand: 25.04.2021 18:00 Uhr

Sieben auf einen Streich - das ist die jüngste Niederlagen-Bilanz von Bundesliga-Abstiegskandidat Werder Bremen. Zeit für den Club, die Reißleine zu ziehen? Eine Entscheidung über die Zukunft von Trainer Florian Kohfeldt solle "bis spätestens Dienstag" fallen, sagte Sport-Geschäftsführer Frank Baumann am Sonntag.

von Martin Schneider

"Wir haben eine sehr dramatische Situation. Der Trend spricht aktuell gegen uns und wir müssen überlegen, welche Möglichkeiten gibt es, dass wir die Wende schaffen", so der 45-Jährige im Gespräch mit Radio Bremen. Baumann, mitverantwortlich für die Zusammenstellung des Kaders, hatte sich bislang stets klar für Kohfeldt ausgesprochen. Nun muss der lange Zeit so geschätzte Coach aber doch mit seiner Ablösung rechnen.

Dass Kohfeldt eine Mannschaft aus schwierigen Situationen befreien könne, habe er in der Vergangenheit bereits zwei Mal bewiesen, sagte Baumann. "Aber die Frage ist, ob er auch für die aktuelle Situation der Richtige ist." Es werde weitere Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen geben, ehe eine Entscheidung fällt, kündigte er an.

"Wir möchten nichts ausschließen. Es steht absolut im Vordergrund, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Das ist mit Florian Kohfeldt vorstellbar. Aber wir möchten uns noch die Zeit nehmen und schauen, ob wir auch auf dieser Position einen neuen Impuls setzen müssen." Frank Baumann

Werder hat nach einer eklatanten Niederlagenserie als Tabellen-14. aktuell nur noch einen Punkt Vorsprung auf den 1. FC Köln auf dem Relegationsplatz 16. Zudem hat der Tabellenvorletzte Hertha BSC bei vier Punkten Rückstand auf die Grün-Weißen noch drei Nachholspiele zu bestreiten. Kohfeldt selbst sagte am Sonnabend nach dem 1:3 bei Union Berlin: "Es geht nur um Werder Bremen. Ich kann für mich ausschließen, dass ich weglaufe. Ich werde kämpfen."

"Das sind gestandene Bundesligaprofis"

"Ich trage die Verantwortung und deshalb setze ich mir diesen Hut als Erster auf", schob der 38-Jährige hinterher und nahm seine Spieler in die Pflicht: "Die 15 Minuten nach der Halbzeit waren desolat. Das sind gestandene Bundesligaprofis auf dem Platz. Da darfst du solche Fehler nicht machen." Auch Niklas Moisander und Maximilian Eggestein sprachen nach dem Hattrick von Union-Stürmer Joel Pohjanpalo von einem "Blackout" beziehungsweise Toren, die "viel zu einfach fallen". Neben defensiver Instabilität haben die Grün-Weißen "offensiv gar nicht stattgefunden", wie Kohfeldt zudem bemängelte.

VIDEO: Baumann: "Wir möchten nichts ausschließen" (1 Min)

Wie sich die Worte gleichen

Alles Worte, die man aus dem Mund der Bremer kennt. Und die sich gleichen, Woche für Woche, Niederlage für Niederlage. Beim 0:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 konstatierte Theodor Gebre Selassie, man habe "einfach Probleme, Tore zu erzielen". Gegen Borussia Dortmund (1:4) habe man "den Kopf verloren" (Kohfeldt), gegen die Rasenballsportler aus Leipzig (1:4) zu "schlecht und nachlässig verteidigt" (Kohfeldt). Das 0:1 in Stuttgart bezeichnete Eggestein als "unnötigste Niederlage", bei der man "viel investiert" und "unglücklich verloren" habe. Zwei "unglückliche Gegentore" (Kohfeldt) kassierte man auch gegen den VfL Wolfsburg, gegen Bayern München konnte Moisander beim 1:3 nur einräumen: "Wir haben unser Bestes versucht, aber es war nicht genug."

Defensiv nicht auf der Höhe, offensiv ohne Zug

Worte, aus denen Verzweiflung sowie Ernüchterung über die eigene Leistungsfähigkeit sprechen. Der Kader der Bremer ist an den entscheidenden Stellen zu schwach besetzt. Die verletzungs- und gegentoranfällige Verteidigung hat nicht nur gegen spielstarke und temporeiche Top-Teams der Liga Probleme, sondern fängt sich auch gegen Mannschaften auf Augenhöhe oft mindestens einen Gegentreffer. Das letzte Spiel in der Bundesliga, bei dem die Bremer mal nicht den Ball aus dem eigenen Netz holen mussten, datiert aus dem Februar, beim torlosen Remis gegen Freiburg.

In akuter Abstiegsgefahr schweben die Fußballer von der Weser aber auch deshalb, weil die Offensivabteilung selten diesen Namen verdient. Das Spiel der Bremer ist vollkommen abhängig von Milot Rashica. Doch der Kosovare kann es nicht alleine richten. Davie Selke ist ein Schatten seiner selbst, Joshua Sargent in seinen Leistungen zu schwankend. Und Niclas Füllkrug bekommt nicht die Bälle, die ein Stoßstürmer wie er benötigt.

Füllkrug: "Alles sehr dramatisch"

Apropos Füllkrug. Der gab nach der Niederlage gegen die Köpenicker auch Einblick in sein Seelenleben. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich bin völlig entspannt. Ich sehe das alles sehr dramatisch. Wir sind verpflichtet zu punkten, sonst sieht das ganz schlecht aus", sagte der zerknirscht wirkende 28-Jährige. Auf die Hanseaten warten mit Bayer Leverkusen (8. Mai), dem FC Augsburg (auswärts, 15. Mai) und Borussia Mönchengladbach (22. Mai) dabei keine leichten Aufgaben. Vorher steht am 30. April noch das Pokal-Halbfinale gegen Leipzig als willkommene Ablenkung an.

"Wir haben noch drei Spiele, wir haben noch genug Möglichkeiten, Punkte zu holen und wir haben es in der eigenen Hand", räsonierte Kohfeldt. Kapitän Moisander pflichtete bei: "Wir sind bereit für den Abstiegskampf. Das haben wir letztes Jahr schon gezeigt und das schaffen wir auch dieses Jahr." Erneut große Worte, die auf Taten warten. Ob mit oder ohne Kohfeldt.

Weitere Informationen
Ein Ball und das Logo der Deutschen Fußball Liga (DFL) © imago/MIS

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 25.04.2021 | 22:50 Uhr

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