Stand: 29.01.2020 18:08 Uhr

Werder Bremen und das "Jojo"-Rätsel

Johannes Eggestein vom Fußball-Bundesligisten Werder Bremen © picture alliance / sampics Foto: Christina Pahnke
Derzeit bei Werder außen vor: Johannes Eggestein.

Johannes Eggestein gilt als einer der talentiertesten Spieler im Kader des Bundesligisten Werder Bremen. Doch wie viele seiner Teamkameraden findet der Offensivmann in dieser Serie nicht zu seiner Form. Der 21-Jährige ist nur noch Ersatz, obwohl sein Coach lobende Worte für ihn findet.

Ein bisschen laufen, etwas dehnen und vor allem: warten. So sah der Arbeitstag von Johannes Eggestein am vergangenen Sonntag aus. Der Kapitän der deutschen U21 zählte im Duell der Fußball-Bundesliga zwischen Werder Bremen und der TSG Hoffenheim (0:3) abermals nicht zu Startelf der Hanseaten. Bis acht Minuten vor Ultimo durfte der Offensivmann noch darauf hoffen, zumindest als Einwechselspieler zum Einsatz zu kommen. Doch selbst als "Joker" ist "Jojo", wie er gerufen wird, derzeit beim Abstiegskandidaten nicht gefragt. Statt des 21-Jährigen schickte Coach Florian Kohfeldt den 20 Jahre älteren Sturm-Methusalem Claudio Pizarro auf den Rasen. Das Auswechselkontingent der Bremer war damit erschöpft und Eggestein stapfte frustriert zur Bank zurück.

Zum zweiten Mal in Folge ohne Einsatzminute

Bereits zum zweiten Mal in Folge war einer der fraglos begabtesten Werder-Profis zum Zuschauen verdammt gewesen.

Ein Umstand, der in Anbetracht der in dieser Serie bis dato überwiegend schwachen Offensivleistungen des viermaligen deutschen Meisters Fragen aufwarf. Zumal in Niclas Füllkrug ein erfahrener Bremer Stürmer langzeitverletzt ausfällt. Und vor allem, weil es über die Qualitäten des jüngeren Bruders des ebenfalls bei den Norddeutschen spielenden Maximilian Eggestein eigentlich keine Zweifel gibt. "Johannes ist ein sehr intelligenter Spieler, mit einem ausgeprägten Torinstinkt. In unseren Planungen für die Zukunft trauen wir ihm eine große Rolle zu", hatte Kohfeldt im April des vergangenen Jahres nach der Vertragsverlängerung des damals von vielen Clubs umworbenen Eggestein erklärt. In dieser Woche hat sich der Fußballlehrer nun erneut zu dem Stürmer geäußert, nachdem er ein Gespräch mit ihm geführt hatte. Und was Kohfeldt, sagte, dürfte dem Youngster nicht allzu viel Hoffnung auf baldige Besserung seiner Situation machen.

Kohfeldt: "Alles Basisfaktoren sind besser geworden"

"Es hört sich vielleicht komisch an, aber alle Basisfaktoren sind besser geworden- Er ist taktisch besser geworden, in der Athletik auch. Und er schließt im Training besser ab", lobte der Coach zunächst den 21-Jährigen. Dann jedoch kam das entscheidende "Aber": "Aber immer wenn er in die Spiele hineinkommt, fehlt dieser Schuss Intuition, die Freiheit." Eine Aussage, die sich auch an Zahlen festmachen lässt. Eggestein gelang in dieser Saison erst ein Treffer - am ersten Spieltag beim 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf. "Dieser Tick Unbekümmertheit, den du als Offensivspieler brauchst, der fehlt", bemängelte Kohfeldt, der seinem Youngster aber bescheinigte, "total fleißig" zu sein. Womöglich fehlt Eggestein lediglich ein Erfolgserlebnis, um wieder zu alter Form zu finden. Vielleicht wäre alles leichter für ihn, wenn er sich an seinen Mannschaftskameraden aufrichten könnte. Doch diese haben genug mit sich selbst zu kämpfen, wie ihr schwacher Auftritt gegen Hoffenheim erneut zeigte.

Kommt noch ein neuer Stürmer?

Nun soll neues Personal her. Doch die Zeit wird knapp - am Freitag schließt das zweite Transferfenster dieser Serie. Und die finanziellen Mittel der Bremer sind begrenzt, wie Kohfeldt noch einmal verdeutlichte: "Dass wir grundsätzlich die Augen offenhalten, haben wir alle bestätigt. Und das ist auch weiterhin so. Aber es ist leider kein Wunschkonzert." Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Werder-Verantwortlichen besagte Augen nach neuen Offensivspielern offenhalten. Sollten sie fündig werden, könnte dies für Eggestein im schlimmsten Fall bedeuten, dass sein ohnehin derzeit schon trostloser Arbeits-Alltag noch trister wird. Dann nämlich droht dem deutschen U21-Kapitän sogar ein Platz auf der Tribüne.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 29.01.2020 | 18:25 Uhr

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