Stand: 04.03.2020 09:20 Uhr

Werder Bremen mit Wut im Bauch nach Frankfurt

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In der Bundesliga-Hinrunde erreichte Werder um Leonardo Bittencourt (r.) ein 2:2 in Frankfurt.

Als Werder Bremen am 6. Oktober des vergangenen Jahres zum Bundesliga-Hinrundenduell bei Eintracht Frankfurt gastierte, war die Fußball-Welt beim viermaligen deutschen Meister noch einigermaßen in Ordnung. Die mit Europapokal-Ambitionen in die Saison gestarteten Hanseaten standen auf Rang elf und erkämpften sich bei den Hessen durch ein Last-Minute-Tor von Milot Rashica ein 2:2. Es folgten drei weitere Bremer Unentschieden, bevor sich die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt durch elf Pleiten in 13 Begegnungen in die schwerste Krise der vergangenen Dekade manövrierte.

Ein Befreiungsschlag ist dringend vonnöten und sollte eigentlich am vergangenen Sonntag gegen eben jene Frankfurter gelingen. Doch die Partie wurde verlegt, weil zuvor das ursprünglich für Donnerstag angesetzte Europa-League-Spiel der Eintracht in Salzburg um einen Tag hatte verschoben werden müssen. Und so sehen sich beide Clubs nun heute (20.45 Uhr) im Viertelfinale des DFB-Pokals zum zweiten Mal in dieser Serie wieder.

Kohfeldt: "Wollen es allen zeigen"

"Wir wollen es allen zeigen, das ist klar", sagte Kohfeldt, der sich noch einmal über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Verlegung des Bundesliga-Duells mit den Hessen beklagte: "Die Hauptmotivation ziehen wir aus dieser nachteiligen Entscheidung."

Tatenlos noch tiefer in Abstiegssumpf gerutscht

Die Zwangspause war aus psychologischer Sicht fraglos nicht förderlich für die Hanseaten, mussten sie doch am Wochenende tatenlos mitansehen, wie die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt punktete. So ist der Tabellen-15. 1. FSV Mainz 05 dem Vorletzten nach dem 2:0 gegen Paderborn schon weit enteilt. Acht Zähler beträgt nun der Bremer Rückstand auf die Rheinhessen. Düsseldorf, das auf dem Relegationsrang steht, ist zwar lediglich vier Punkte entfernt. Doch in Anbetracht von zuletzt fünf Pleiten in Serie und noch keinem selbst erzielten Treffer im Fußball-Jahr 2020 dürfte es Außenstehenden ziemlich schwerfallen, derzeit die Phantasie dafür aufzubringen, wie die Norddeutschen noch ihren Kopf aus der Schlinge ziehen wollen.

Kohfeldt hofft auf "positives Ergebnis"

Geht es nach Kohfeldt, soll ein Erfolgserlebnis im von den Bremern so geliebten Pokal neues Selbstvertrauen geben. "Wir können das zweite Mal nacheinander in das Halbfinale einziehen und haben in diesem Wettbewerb ein klares Ziel. Außerdem kann man durch ein positives Ergebnis den Schwung ins Wochenende mitnehmen", sagte der 37-Jährige. Das war schon einmal der Werder-Plan. Er ging allerdings nicht auf. Denn dem überraschenden 3:2-Erfolg gegen Meisterschaftskandidat Borussia Dortmund im Achtelfinale ließen die Norddeutschen eine 0:2-Pleite in der Liga gegen Bundesliga-Novize Union Berlin folgen. Duplizität der Ereignisse: Auch diesemal steht für den Tabellenvorletzten nach dem DFB-Pokalspiel ein Duell mit einer Mannschaft aus der Hauptstadt an: Am Sonnabend (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) gastiert Werder bei der Hertha.

Verteidiger Vogt wieder einsatzbereit

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Mögliche Aufstellung Werder Bremen

Die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen. Bildergalerie

Die Bremer werden direkt aus Frankfurt an die Spree reisen. "Das hat sowohl logistische als auch sportliche Gründe. Wir sparen uns so eine lange Busfahrt, die der Regeneration nicht zuträglich gewesen wäre", erklärte Kohfeldt. Mit an Bord sein wird auch Kevin Vogt. Der Innenverteidiger hat seine Oberschenkelverletzung auskuriert und steht den Hanseaten wieder zur Verfügung. Auch der als Defensiv-Stabilisator eigentlich unverzichtbare Philipp Bargfrede ist nach langer Verletzungspause wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen. "Es ist aber noch nicht so, dass er die ganze Woche spielen kann", sagte sein Coach. Angreifer Fin Bartels (Adduktorenbeschwerden) sei derweil "noch kein Kandidat", gab der Übungsleiter zu Protokoll. Dem 37-Jährigen bietet sich im Vergleich zu den Vormonaten, in denen er ob des prall gefüllten Lazaretts häufig nicht einmal 18 gesunde Akteure aus dem Profikader an den Spieltagen zur Verfügung stehen hatte, derzeit geradezu eine luxuriöse Situation. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in sportlich dunklen Bremer Tagen.

Proteste: Baumann ruft Fans und DFB zum Dialog auf

Die Geschehnisse am vergangenen Spieltag (Schmährufe, Beleidigungen und Banner gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp) haben derweil Werder-Sportchef Frank Baumann dazu bewegt, Fans und den Deutschen Fußball-Bund zum Dialog aufzurufen.

"Es bringt niemandem etwas, die Situation weiter eskalieren zu lassen. Wir müssen den Dialog suchen und führen", sagte der Ex-Profi. In einer Stellungnahme sprach sich Werder für eine außerplanmäßigen Sitzung der AG Fankultur aus, wie sie von der bundesweiten Fan-Vereinigung "Unsere Kurve" ins Spiel gebracht wurde. Baumann glaubt nicht, dass Werder-Anhänger im Spiel bei Frankfurt für einen Eklat sorgen. "Unsere Fans haben auch Kritikpunkte, gegen die sie protestieren. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir solche Hassplakate in unserer Kurve sehen, sondern sich der Protest in einem gewissen Rahmen bewegt", sagte der Sportchef. Werder-Anhänger demonstrieren zum Beispiel seit Saisonbeginn bei jedem Heimspiel gegen den Sponsorennamen des Weserstadions.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 04.03.2020 | 18:25 Uhr