Stand: 14.12.2019 17:21 Uhr

Frustfutter für Kohfeldt: Werder-Debakel in München

von Ines Bellinger, NDR.de
Werder-Trainer Florian Kohfeldt schiebt weiter Frust nach dem 1:6 in München.

Wenn Werder so weiterspielt, wird sich Florian Kohfeldt zu Weihnachten wohl einer Fressorgie hingeben. Der Bremer Trainer hatte kürzlich eingestanden, ein Frustfresser zu sein: "Ich bin leider so ein Typ, der mehr isst, wenn er Stress hat. Das ist echt blöd." Die 1:6 (1:2)-Pleite bei Bayern München kann sich Kohfeldt nun vielleicht mit ein paar bayerischen Schmankerln schönessen. Ein fußballerischer Leckerbissen war es jedenfalls nicht, was seine Profis am Sonnabend im Bundesliga-Klassiker in München ablieferten. Nach der 21. (!) Pflichtspielniederlage in Serie gegen den Rekordmeister bleiben die Grün-Weißen mit 14 Punkten tief im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga stecken. Vor Weihnachten bietet sich nur noch am kommenden Dienstag gegen Mainz und am 21. Dezember in Köln die Gelegenheit, Abstand zur Abstiegszone zu gewinnen und den Appetit des frustrierten Trainers zu zügeln.

"Wir müssen jetzt einfach Punkte holen", sagte Werders Maximilian Eggestein nach dem Spiel dem NDR. "Heute haben wir richtig auf die Fresse gekriegt, das müssen wir schnell abhaken."

Nach Bargfrede fällt auch Moisander aus

Zu der unangenehmen Aufgabe, in einer derart angespannten Situation nach München reisen zu müssen, kamen auch noch zusätzliche personelle Probleme. Philipp Bargfrede meldete sich mit Oberschenkelproblemen im Abschlusstraining ab. Bei Abwehrchef Niklas Moisander zwickte die Wade. Ideengeber Leonardo Bittencourt war nach einem Infekt noch nicht wieder bei Kräften.

15.Spieltag, 14.12.2019 15:30 Uhr

Bay. München

6

Werder Bremen

1

Tore:

  • 0:1 Rashica (24.)
  • 1:1 Philippe Coutinho (45.)
  • 2:1 Lewandowski (45. +4)
  • 3:1 Philippe Coutinho (63.)
  • 4:1 Lewandowski (72.)
  • 5:1 Müller (75.)
  • 6:1 Philippe Coutinho (78.)

Bay. München: Neuer - Pavard, Boateng (46. Perisic), Alaba, Davies - Kimmich - Thiago, Goretzka (70. Müller) - Gnabry, Lewandowski, Philippe Coutinho (82. Singh)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie (45.+2 Friedl), Veljkovic, Groß - Lang, N. Sahin, Augustinsson - M. Eggestein, Klaassen - Osako (67. Bittencourt), Rashica (86. Bartels)
Zuschauer: 75000 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Kein Wunder, dass Kohfeldt defensiv die Option Fünferkette wählte - mit Christian Groß und Michael Lang als Ergänzung für die drei verbliebenen Stammkräfte Milos Veljkovic, Theodor Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson. Die Abräumer-Position von Bargfrede nahm Nuri Sahin ein. Vor allem Lang schien auf der linken Abwehrseite mit dem schnellen Alphonso Davies überfordert. Zumindest beschwor Lang die ersten brenzligen Situationen im Bremer Strafraum herauf, als er für Robert Lewandowski auflegte (9.) und Davies ziehen ließ (10.). Allein seinem wiedererstarkten Torhüter Jiri Pavlenka hatten es die Bremer zu verdanken, dass sie die erste Viertelstunde ohne Gegentor überstanden.

Dabei hätten sie gegen die zuletzt in der Bundesliga zweimal geschlagenen Münchner schon früh in Führung gehen können. Milot Rashica sprintete bei einem Konter Jerome Boateng davon. Als der pfeilschnelle Stürmer zu guter Letzt aber noch einen Haken schlagen wollte, blieb er im Rasen hängen und landete auf dem Hosenboden (8.). Eine leichtfertig vertane Möglichkeit.

Rashica erzielt die überraschende Führung

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Zwischenhoch ohne Folgen: Maximilian Eggestein (l.) gratuliert Milot Rahica zum 1:0.

Doch Werders "Rakete" bekam die Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Wieder lief er bei einem Konter seinem Gegenspieler Boateng davon, wieder schlug er einen Haken. Doch im Gegensatz zum ersten Versuch glückte die Körpertäuschung aus vollem Lauf, und Rashica zog unvermittelt aus 20 Metern ab. Der Ball schlug über Manuel Neuer zur völlig überraschenden Bremer Führung im Bayern-Kasten ein (24.). Rashicas siebtes Saisontor war ein zwar strammer, aber nicht unhaltbar erscheinender Schuss.

Coutinho und Lewandowski drehen das Spiel

Nachdem Rashica dem hüftsteifen Boateng einmal mehr enteilt war, aber schlecht zielte (37.), und Pavlenka mit einem weiteren Reflex Lewandowski fast zum Verzweifeln gebracht hatte (39.), nahm das Spiel dann doch noch den erwarteten Verlauf. Joshua Kimmich hebelte mit einem Lupfer auf Serge Gnabry die Bremer Abwehr aus. Gnabry legte an Pavlenka vorbei quer, und Philippe Coutinho hatte keine Mühe, zum 1:1 zu vollenden (45.). Beim Versuch, diesen Treffer zu verhindern, verletzte sich Gebre Selassie. Für ihn rückte der frühere Münchner Marco Friedl in die Fünferkette. Und die musste in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch das 1:2 hinnehmen. Coutinho fand mit seinem Heber Lewandowski, der Pavlenka aus Nahdistanz dieses Mal überwand (45.+4).

Nach der Pause geht Werder unter

Nach Wiederanpfiff starteten die Bremer zunächst noch zwei, drei zaghafte Versuche in Richtung Bayern-Tor, danach mussten sie sich der spielerischen Übermacht des Rekordmeisters endgültig beugen. Es grenzte geradezu an Frechheit, wie der von Kimmich freigespielte Coutinho den Ball fast kerzengerade zum 3:1 über den halbherzig herausgeeilten Pavlenka hob (63.). Aber das war noch nicht alles. Der eingewechselte Thomas Müller legte Lewandowski noch das 18. Saisontor auf (72.), ehe Müller die völlig überforderte Werder-Abwehr selbst zum 5:1 überwand (75.) und der überragende Coutinho im Zusammenspiel mit dem Innenpfosten das 6:1 erzielte (78.). Das einzig Positive, das Werder an diesem Tag aus München mitnehmen konnte, war die Tatsache, dass Routinier Fin Bartels in den letzten fünf Minuten sein Comeback nach neun Monaten Verletzungspause feiern durfte.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 15.12.2019 | 22:50 Uhr