Stand: 06.07.2020 06:15 Uhr

Werder Bremen: Einmal noch die Zähne zusammenbeißen

Nichts wie weg - so schnell wie möglich. Die Fußballer von Werder Bremen suchten nach dem Abpfiff des Relegationshinspiels gegen den 1. FC Heidenheim nicht nur wegen des strömenden Regens im Eiltempo den Weg in die Kabine. Der schwache Auftritt beim torlosen Remis, den Coach Florian Kohfeldt später gar als "katastrophal" titulierte, hatte ihnen schwer zugesetzt. Während sich die Gäste noch auf dem Platz im Kreis versammelten und sich schon auf das zweite Duell heute (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) einstimmten, waren längst alle Kicker der Hausherren im Bauch des Weserstadions verschwunden. Es bedurfte in diesen Momenten schon viel Phantasie, um dieser niedergeschlagenen Mannschaft noch den Klassenerhalt zuzutrauen.

Kohfeldt: "Haben eine Menge zu gewinnen"

Drei Tage später schien in Bremen zwar immer noch nicht wieder die Sonne. Die Stimmungslage beim viermaligen deutschen Meister hatte sich aber deutlich aufgehellt. "Wir waren schon tot. Deshalb haben wir eine Menge zu gewinnen", erinnerte Kohfeldt daran, dass Werder lange auf einem direkten Abstiegsplatz gestanden und sich erst am letzten Bundesliga-Spieltag in die Relegation gerettet hatte. "Ich spüre die Bereitschaft und ein bisschen Freude, weil die Mannschaft es jetzt ins Ziel bringen will. Klar ist auch Anspannung da", sagte der Trainer.

Offensive muss sich steigern

Warum die Hanseaten nach ihrem 6:1-Kantersieg gegen den 1. FC Köln zum Bundesliga-Abschluss im ersten Vergleich mit Heidenheim so verkrampften, es bleibt ein großes Rätsel.

Programm-Tipp

Der NDR sendet im TV und bei NDR.de circa zehn bis 15 Minuten nach Spielende ein Extra mit ersten Reaktionen aus Heidenheim und Bremen.

Gerade das gegen den "Effzeh" noch so überragend agierende Offensiv-Trio Yuya Osako/Milot Rashica/Niclas Füllkrug enttäuschte gegen den Zweitliga-Dritten auf ganzer Linie. Dass sich der nach 65 Minuten ausgewechselte Füllkrug nach der Partie auf dem Weg in die Katakomben noch ein Wortgefecht mit seinem Trainer lieferte, das damit endete, dass Kohfeldt ihn am Schlaffitchen packte, es passte ins Bild der frustrierten Bremer. Was nach einem handfesten Zoff aussah, sei jedoch nur ein Meinungsaustausch gewesen, versuchte der Werder-Coach zu beschwichtigen: "Wenn wir uns streiten, sieht das anders aus."

Hoffnungsträger Füllkrug zunächst Bankdrücker?

Ob der monatelang wegen eines Kreuzbandrisses fehlende Stürmer auch im Rückspiel von Beginn an auf dem Platz stehen wird, ließ Kohfeldt offen. Er hat offenbar Sorge, dass die Belastung für den 27-Jährigen nach dessen langer Zwangspause zu hoch sein könnte. "Er hat gestern ganz normal mittrainiert. Ich muss jetzt überlegen, wann ich ihn einsetze", sagte der Coach am Sonntag. Alternativen für Füllkrug wären Joshua Sargent oder der zuletzt zweimal nicht berücksichtigte Davie Selke. Oder überrascht Kohfeldt mit der Startelf-Nominierung von Sturm-Methusalem Claudio Pizarro?

Moisander gesperrt - Vogt kehrt ins Team zurück

Der Trainer ließ sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen. Auch wollte sich Kohfeldt noch nicht darauf festlegen, wer für den rotgesperrten Kapitän Niklas Moisander in die Innenverteidigung rückt.

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Mögliche Aufstellung Werder Bremen

Die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen. Bildergalerie

Ömer Toprak, Sebastian Langkamp und Marco Friedl seien "drei Möglichkeiten", den Finnen zu ersetzen, erklärte der 37-Jährige. Auch Kevin Vogt könnte nach abgesessener Gelb-Sperre theoretisch als Abwehrchef agieren. Doch mit der Hoffenheim-Leihgabe plant der Übungsleiter offenbar im defensiven Mittelfeld. Vogt dürfte dort Werder-Urgestein Philipp Bargfrede ersetzen, bei dem die Kraft nach diversen verletzungsbedingten Pausen noch nicht für 90 Minuten reicht, wie Kohfeldt jüngst sagte.

Baumann: "Sind immer wieder aufgestanden"

Der Kontrakt von Bargfrede (seit 2004 im Verein) läuft übrigens aus. Eine Verlängerung erscheint mit Blick auf seine Verletzungshistorie eher unwahrscheinlich. Ein Abstieg würde den vereinstreuen Mittelfeldmann fraglos besonders schmerzen. Doch geht es nach Sportchef Frank Baumann, werden die Bremer den Sturz in die Zweitklassigkeit trotz ihres schwachen Auftritts am vergangenen Donnerstag noch verhindern: "Wir sind in den letzten Wochen immer wieder gefallen, aber dann auch wieder aufgestanden. Das ist das Wichtigste und wir wissen, was auf dem Spiel steht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 06.07.2020 | 20:00 Uhr

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