Stand: 28.06.2020 17:27 Uhr

Werder Bremen: Das Beste kommt zum Schluss

Dank des Patzers von Düsseldorf und der besten eigenen Saisonleistung hat sich Werder Bremen in die Relegation gegen den 1. FC Heidenheim gerettet. Gegen Köln lief dabei erstmals in dieser Serie der Parade-Sturm zusammen auf.

Mit langsamen Schritten ging Marco Bode die Stufen des Weserstadions herunter. Dann blieb der Aufsichtsratschef von Bundesligist Werder Bremen stehen und starrte für eine ganze Weile ohne eine sichtbare Emotion zu zeigen auf den Rasen. Es schien beinahe so, als könne der frühere Fußball-Nationalspieler es noch gar nicht realisieren, dass die Hanseaten sich durch den 6:1-Sieg gegen den 1. FC Köln und die gleichzeitige 0:3-Pleite Fortuna Düsseldorfs bei Union Berlin doch noch in die Relegation gegen den 1. FC Heidenheim gerettet haben. Erst als ein paar Werder-Profis Bode entdeckt hatten und ihm zujubelten, ballte der 50-Jährige zögerlich die Faust und drückte so seine Freude und Erleichterung über den zumindest vorerst verhinderten Abstieg aus.

Werder-Fans feiern Köln-Spieler

"Die letzte halbe Stunde war ich eher in Berlin", sagte Bode und lobte die bereits zuvor geretteten "Eisernen" für ihre tolle Leistung gegen Düsseldorf, das bei einem Sieg Rang 16 behauptet hätte: "Sie haben das richtig gut gemacht." Viel Beifall gab es auch für Kölns Profis trotz einer indiskutablen Leistung. Und zwar von den einigen Hundert Werder-Fans, die sich vor dem Weserstadion versammelt hatten. Jeder Betreuer und Spieler des "Effzeh" wurde beim Besteigen des Mannschaftsbusses geradezu frenetisch von ihnen gefeiert. Ein seltsames Bild an einem denkwürdigen Nachmittag, der für die Bremer auch anders hätte enden können, wenn sie auf einen motivierteren Kontrahenten getroffen wären. "Das war eine Ohrfeige, wir haben uns hier etwas ganz anderes vorgenommen. Das war von Minute eins an zu wenig", übte Mittelfeldakteur Marco Höger harsche Selbstkritik.

Kohfeldts Personal-Puzzle geht auf

So blutleer und lustlos der Kölner Auftritt war, so leidenschaftlich und fußballerisch ansprechend war die Werder-Vorstellung. "Diese Mannschaft kann mit großen Drucksituationen umgehen", freute sich Coach Florian Kohfeldt. Und Sportchef Frank Baumann stellte zufrieden fest, dass die Bremer "sehr, sehr eindrucksvoll" ihren Teil zum Erreichen der Relegation beigetragen haben. Fürwahr. Der erst zweite Heimsieg in dieser Saison war auch ein Beweis dafür, dass im Kader der Hanseaten mehr Potenzial schlummert, als es viele Resultate der vergangenen 34 Spieltage vermuten lassen. Doch wegen großen Verletzungspechs konnte Kohfeldt eigentlich nie aus dem Vollen schöpfen. Umso schöner für den 37-Jährigen, dass er zumindest im Saisonfinale wieder die Qual der Wahl hatte. Ein Blick auf die Ersatzbank stellte dies eindrucksvoll unter Beweis. Dort saßen unter anderem Winter-Zugang Davie Selke, Sturm-Legende Claudio Pizarro, der schwedische Nationalspieler Ludwig Augustinsson und Leonardo Bittencourt.

Füllkrug, Osako und Rashica als Trio Infernale

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Theodor Gebre Selassie (Werder Bremen) jubelt. © Marvin Ibo Güngör Foto: picture alliance / Marvin Ibo Güngör/GES/Pool via

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Etwas überraschend in der Startelf stand hingegen erstmals nach seiner monatelangen Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses Niclas Füllkrug. Kohfeldt bewies mit der Nominierung Mut zu "Lücke". Denn so lautet der Spitzname des 27-Jährigen, der nicht nur zum 3:0 traf, sondern mit Yuya Osako (zwei Tore) und Milot Rashica (ein Treffer) ein kongeniales Angriffstrio bildete. "Wir haben heute das erste Mal mit unserem potenziellen Stamm-Sturm gespielt. Das ist viel Qualität, die uns in vielen Spielen gefehlt hat", sagte Baumann. Das Trio Infernale könnte nun zum großen Trumpf in der Relegation werden. Und wird wohl danach Geschichte sein.

Denn ein Abschied von Rashica, dem Füllkrug eine "Weltklasse-Performance" attestierte, ist auch bei einem Klassenerhalt wahrscheinlich. An dem 24-Jährigen sollen diverse Clubs Interesse zeigen. Dem Kosovo-Albaner winkt der nächste Karriere-Schritt - und den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Hanseaten ein hoher Transfererlös.

Vogt: "Nur Werder Bremen gehört in Erste Liga"

Noch ist die Zukunft von Rashica ungeklärt. So auch die von Werder nach dem "ersten kleinen Wunder", wie Defensivspezialist Kevin Vogt das Erreichen der Relegation titulierte. "Wir haben noch zwei entscheidende Spiele. Wir müssen absolut klar und fokussiert bleiben", forderte Kohfeldt schon wenige Minuten nach der Köln-Partie von seinen Spielern. Später verriet der frühere Torwart dann noch, dass seine Frau Juliane das Ergebnis des Duells mit den "Geißböcken" exakt vorausgesagt hatte. "Hat sie gut gemacht", sagte der Coach mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ob die Gemahlin auch schon einen Tipp für die Relegation abgegeben hat, war nicht in Erfahrung zu bringen. Fakt ist derweil: Werder hat sein sportliches Schicksal wieder in der eigenen Hand. "Wir werden es dem Gegner hoffentlich zeigen, dass nur Werder Bremen in die Erste Liga gehört", sagte Vogt, der für die erste Partie am kommenden Donnerstag gelbgesperrt ist.

Trotz Corona: "Enthemmte Stimmung" bei Werder-Fans

Die Hanseaten haben zunächst Heimrecht. Und in Anbetracht der Bilder vom Sonnabend, als sich viele Hundert Fans trotz der Coronavirus-Krise vor dem Weserstadion versammelten, richtete Kohfeldt einen Appell an die Bremer Anhängerschaft: "Egal, wer es am Ende wird in der Relegation, bitte bleibt zu Hause. Wir sind immer noch in einer Pandemie." Am Sonnabend hatte die Polizei noch von "keinerlei größeren Zwischenfällen" berichtet. In der Nacht zu Sonntag haben die Ordnungshüter dann laut eigener Angaben aber  "alle Hände voll zu tun" gehabt. "Die warmen Temperaturen, die Lockerungen in der Corona-Verordnung und nicht zuletzt das Erreichen des Relegationsplatzes des SV Werder Bremen, sorgten in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag für eine enthemmte Stimmung", hieß es.

Per Twitter hatte Werder seine Fans zuvor gebeten, größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte vor dem Restart der Bundesliga angekündigt, die Einhaltung der Coronaregeln genau zu beobachten.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 28.06.2020 | 22:30 Uhr

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