Marco Bode, Aufsichtsratschef von Fußball-Bundesligist Werder Bremen © imago images / Poolfoto

Werder-Boss Bode: Keine größeren Investitionen im Winter

Stand: 09.01.2021 06:45 Uhr

Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode hat vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen große Transfers erneut ausgeschlossen. Im NDR 2-Bundesligashow-Podcast räumte er zudem Fehler ein und sprach über Investoren-Modelle.

von Ines Bellinger, Moritz Cassalette und Martin Roschitz

Die Partie im Rheinland heute (15.30 Uhr / Livecenter bei NDR.de) hätte zur Abschiedsvorstellung von Milot Rahica werden können. Doch nach dem in letzter Minute gescheiterten Transfer im Sommer ist Bayer offenbar nicht daran interessiert, den Kosovaren nachzuverpflichten. Zumal Rashica wegen einer Sehnenverletzung im Oberschenkel seit Ende November ausfällt.

Clemens Fritz, Leiter Profifußball, bestätigte, dass nicht nur für Rashica kein Angebot auf dem Tisch liegt, sondern für überhaupt keinen Werder-Spieler. Ohne Verkäufe werden die Bremer allerdings nicht nachrüsten können. Im NDR 2-Bundesligashow-Podcast bestätigte Marco Bode, dass Werders "eiserne Reserve" während des aktuellen Transferfensters nicht angetastet wird: "Die Corona-Krise hält an, insofern kann ich keine Hoffnungen machen, dass wir größere Investitionen in diesem Winter tätigen", sagte der Bremer Aufsichtsratschef, der den Sinn von Winter-Einkäufen generell infrage stellte: "Transfers im Winter werden häufig stilisiert zu der letzten Chance - da ist meine Erfahrung eine andere."

Marco Bode, Aufsichtsratschef von Fußball-Bundesligist Werder Bremen © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt

AUDIO: NDR 2-Bundesligashow-Podcast: Marco Bode, Ole Werner und Tasmania (56 Min)

Bei Transfers falsche Entscheidungen getroffen

Siehe vergangene Saison, als Werder hektisch Davie Selke zurückholte, der bislang weit unter den Erwartungen geblieben ist, Werder aber noch teuer zu stehen kommen könnte. Im Falle des Klassenerhalts greift im Sommer eine Kaufverpflichtung über kolportierte zehn Millionen Euro an Hertha BSC. Dass Werder trotz weiterer teurer, aber wenig ertragreicher Transfers (Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt) den Vertrag mit Sport-Geschäftsführer Frank Baumann verlängert hat, verteidigte Bode. Immerhin, so der Ex-Profi, sei das Arbeitspapier nur um ein Jahr verlängert worden, was einem möglicherweise neuen Aufsichtsrat Handlungsspielraum gebe. "Es ist sicherlich so, dass die eine oder andere Entscheidung, die wir getroffen haben, im Rückblick falsch war", räumte Bode mit Blick auf vergangene Transfers ein. "Ob sie zum Zeitpunkt, als wir sie getroffen haben, schon erkennbar falsch war, das wage ich zu bezweifeln."

"Selten Hurra-Fußball gespielt"

Bode glaubt daran, "dass wir mit dieser Mannschaft und mit dieser Konstellation unser diesjähriges Ziel erreichen können. Und das heißt, anders als im letzten Jahr, Konsolidierung, auch wirtschaftlich." Während er den Auftritt der Bremer bei der 0:2-Heimniederlage gegen Union Berlin tadelte ("Wir waren nicht annähernd bei hundert Prozent. Ich hoffe, dass wir schnell die Konsequenzen daraus ziehen."), relativierte er die Generalkritik an den Werderanern: "Tatsächlich haben wir selten Hurra-Fußball gespielt. Aber es ist auch nicht so, dass wir uns schämen müssen für die Art, wie wir Fußball spielen."

"Es ist sicherlich so, dass die eine oder andere Entscheidung, die wir getroffen haben, im Rückblick falsch war. Ob sie zum Zeitpunkt, als wir sie getroffen haben, schon erkennbar falsch war, das wage ich zu bezweifeln." Marco Bode

Bilanz bisher so desaströs wie in der Vorsaison

Gerade vor dem schweren Auswärtsspiel in Leverkusen verheißt ein Blick in die Statistik jedoch nichts Gutes. Ebenso wie in der desaströsen Vorsaison steht Werder nach 14 Spieltagen mit nur 14 Punkten da und hat sogar sechs Tore weniger geschossen.

Werders Trumpf in der neuerlich angespannten Situation, das wiederholt Bode gebetsmühlenartig, sollen der vielbeschworene Zusammenhalt in der großen Werder-Familie und "eine gewisse Unaufgeregtheit auch in der Krise" sein. Auch wenn in Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer, Ex-Manager Willi Lemke und Ex-Aufsichtsrat Jörg Wontorra den Betriebsfrieden zuletzt torpedierten und anprangerten, dass es keine Innovationen gebe. Er habe sich mit allen Kritikern ausgetauscht, sagte Bode: Der enge Kreis halte nach wie vor zusammen. Er und seine Crew - "aus meiner Sicht stark und kompetent zusammengestellt" - wollten sich erneut der Wahl stellen, sobald eine Mitgliederversammlung möglich ist.

"Tatsächlich haben wir selten Hurra-Fußball gespielt. Aber es ist auch nicht so, dass wir uns schämen müssen für die Art, wie wir Fußball spielen." Marco Bode

Investoren? - "Wenn man nach Hamburg schaut ..."

Geht es mit Bode & Co. weiter, wird an den Bremer Grundfesten wohl nicht gerüttelt werden. Bode hält sowohl Baumann als auch Trainer Florian Kohfeldt für die richtigen Macher am richtigen Ort. Und auch beim Thema Investoren agiert die jetzige Führungsriege eher defensiv: "Wir lehnen ein Engagement eines strategischen Partners oder eines strategischen Investors nicht grundsätzlich ab", sagte Bode, ein solcher Schritt sei aber kein Allheilmittel: "Dort, wo Investoren in Fußballclubs investiert haben, auch in Deutschland, ist es nicht in jedem Fall gut ausgegangen. Wenn man nach Hamburg schaut, sieht man, dass man trotz des Engagements von Kühne auch absteigen kann und in Schwierigkeiten geraten kann. Ich will gar nicht von 1860 München sprechen."

Als Vorbilder für Werders Zukunft sieht Bode eher ähnlich strukturierte Vereine: "Man sieht an Clubs wie Freiburg, Gladbach, Frankfurt, die nicht so weit weg sind von uns, dass man auch auf traditionelle Weise erfolgreich sein kann, und das muss unser Ziel sein."

Mögliche Aufstellungen

Leverkusen: Hradecky - L. Bender, Tah, Tapsoba, Sinkgraven - Baumgartlinger - Wirtz, Amiri - Bailey, Diaby - Schick
Bremen: Pavlenka - Veljkovic, Toprak, Friedl - Gebre Selassie, Eggestein, Augustinsson - Mbom, Möhwald - Sargent, Selke

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 07.01.2021 | 05:00 Uhr

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