Stand: 15.04.2019 22:35 Uhr

Wer? Wintzheimer! Nobody rettet HSV einen Punkt

von Hanno Bode, NDR.de
Manuel Wintzheimer (r.) bejubelt sein erstes Zweitliga-Tor: Es führte zum Punktgewinn für den HSV in Köln.

Nein, nachtragend ist Manuel Wintzheimer offenbar nicht. Da lässt Coach Hannes Wolf den 20 Jahre alten Angreifer monatelang auf der Tribüne oder der Bank versauern - und plötzlich macht ausgerechnet er dem Trainer des Zweitligisten Hamburger SV das schönste Geschenk zu dessen 38. Geburtstag. Der Sommerzugang vom FC Bayern München erzielte am Montagabend im Topspiel beim Spitzenreiter 1. FC Köln den späten Ausgleich zum 1:1 (0:1)-Endstand. Dass Wintzheimer nur im Kader stand, weil Pierre-Michel Lasogga, Aaron Hunt und Hee-chan Hwang verletzt ausfielen und das (vielleicht zu früh) hochgelobte Talent Fiete Arp in einer sehr, sehr tiefen Formkrise ist - es ist eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Weniger schwülstig war der Umstand, dass Dominick Drexler den Tabellenführer in Front gebracht hatte (26.). Es war bereits der neunte Saisontreffer für den Mittelfeldmann.

"Klar, ist es ein besonderer Moment"

"Das Wichtigste ist, dass wir einen Punkt geholt haben, ich habe das Tor für die Mannschaft geschossen", sagte Wintzheimer bescheiden im Interview mit dem NDR Hörfunk. Dass er auch eine gewisse Genugtuung verspürte, wollte der Youngster aber auch nicht verhehlen: "Klar, ist es ein besonderer Moment. Aber als junger Spieler muss man immer Gas geben, dranbleiben - und dann wird man auch mal für solche Tage belohnt."

Hamburg bemüht, aber zu harmlos

Referee Robert Hartmann pfiff den Zweitliga-Schlager mit dreiminütiger Verspätung an. Nicht, weil noch nicht alle Zuschauer ihren Platz im Kölner Fußball-Tempel eingenommen hatten, sondern weil sich einige Pyromanen unter den 5.000 nach Müngersdorf mitgereisten HSV-Fans befanden. Ihr gefährliches Verstoßen gegen die Stadion-Hausordnung wird die bekanntermaßen hochverschuldeten Hamburger wieder ein paar Euro kosten, die der Traditionsclub doch eigentlich in andere Dinge investieren müsste. Beispielsweise in einen Benimmkurs für besagte Pyro-Befürworter oder für die Verstärkung des Kaders. Zwar präsentierten sich die Norddeutschen im Vergleich zur Partie in der Vorwoche gegen den 1. FC Magdeburg (1:2) im ersten Abschnitt in puncto Laufbereitschaft, Zweikampfhärte und taktische Disziplin formverbessert. Spielerisch war es bis zur Pause jedoch erneut ziemlich bieder, was der Aufstiegskandidat anbot.

Das gründete gewiss zu einem erheblichen Teil auf den Ausfällen der verletzten Hunt, Lasogga und Hwang sowie des gesperrten Lewis Holtby. Andererseits tat sich der HSV auch mit den fehlenden Offensivkräften in dieser Serie häufig genug schon sehr schwer, nachhaltig Durchschlagskraft zu entwickeln. Die "Abteilung Attacke" bleibt das größte von einigen Problemen, die Coach Wolf und Sportvorstand Ralf Becker im Aufstiegsfall lösen müssen.

Drexler nutzt seine dritte Chance zur Führung

29.Spieltag, 15.04.2019 20:30 Uhr

1. FC Köln

1

Hamburger SV

1

Tore:

  • 1:0 Drexler (26.)
  • 1:1 Wintzheimer (85.)

1. FC Köln: T. Horn - Mere, Höger, Czichos - Geis - Clemens (43. Risse), Drexler, Hector, F. Kainz - Cordoba (81. Modeste), Terodde (74. L. Sobiech)
Hamburger SV: Pollersbeck - G. Sakai (81. Wintzheimer), Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos - G. Jung (64. Vagnoman), Janjicic - Narey, Mangala, Jatta - B. Özcan
Zuschauer: 50000 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Der "Effzeh" ist diesbezüglich besser aufgestellt. Beispielsweise mit Top-Torjäger Simon Terodde, der bereits nach 44 Sekunden das 1:0 auf den Schlappen hatte. Hamburgs Verteidiger Léo Lacroix, der erstmals seit dem 14. Spieltag in der Anfangsformation stand - rettete. Teroddes kongenialer Sturmpartner Jhon Córdoba war im ersten Durchgang bei der Gäste-Abwehr zwar in guten Händen. Doch es gab ja noch Drexler. Der frühere Kieler war erneut Dreh- und Angelpunkt bei den Rheinländern. Nachdem er seine ersten beiden Gelegenheiten noch vergeben hatte (18., 24.), nutzte der 28-Jährige seine dritte Möglichkeit zum Führungstreffer. Nach einem Eckstoß von Johannes Geis und einer Kopfballverlängerung durch Marco Höger stand Drexler am langen Pfosten genau richtig und überwand den machtlosen Keeper Julian Pollersbeck.

Jatta verpasst zweimal den Ausgleich

Anders als gegen Magdeburg, als das erste Gegentor den HSV nahezu gelähmt hatte, zeigte das Wolf-Team diesmal eine sehr gute Reaktion. Noch vor der Halbzeit besaß Gideon Jung nach feiner Hereingabe von Bakery Jatta die Chance zum Ausgleich. Dass der lange verletzte Defensiv-Allrounder den Ball aus zentraler Position nicht einmal traf, war andererseits auch wieder sinnbildlich für die Hamburger Harmlosigkeit beim Abschluss (34.). Ein Manko, das auch ihren Auftritt im zweiten Abschnitt kennzeichnete. Und das war in diesem Fall besonders bitter. Denn die Norddeutschen spielten bis zum gegnerischen 16-Meterraum gut, zogen teilweise sogar ein Powerplay auf. Doch in der "Box" versagten ihnen zunächst die Nerven. Tragischer Held aus Hamburger Sicht war dabei Jatta. Der 20 Jahre alte Linksaußen war auffälligste Offensivkraft der Gäste, vergab aber eben auch zweimal aus wenigen Metern den Ausgleich (53., 69.).

Lange verschmähtes Talent trifft

Besser machte es fünf Minuten vor Ultimo Wintzheimer. Nach einem Eckstoß, den Köln nicht klären konnte, kam der Ball über Umwege zum kurz zuvor für Gotoku Sakai eingewechselten Youngster (81.). Mit seinem humorlosen Abschluss deutete der 20-Jährige das große Potenzial an, das ihm von vielen Experten bescheinigt wird. Möglicherweise war dieser Abend in Köln für den bei Bayern München ausgebildeten Angreifer ja die Wende zum Guten. Denn bis dato hatten ihn sowohl Ex-Coach Christian Titz als auch Wolf in der U21 "versauern" lassen. Es war erst der zweite Zweitliga-Einsatz für Wintzheimer. Sein Tor könnte für den HSV noch von ganz hohem Wert sein. Denn so bleibt es für die Hanseaten bei drei Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz drei. "Die Power und das Selbstbewusstsein aus dem Spiel brauchen wir jetzt auch in den nächsten Wochen. Der Punkt ist erst richtig was wert, wenn wir am Wochenende nachlegen", sagte Sportvorstand Becker im NDR Interview.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 15.04.2019 | 20:00 Uhr