Stand: 02.06.2020 12:42 Uhr

Fußballer Helmke: Warten auf das nächste Abenteuer

von Hanno Bode, NDR.de
Hendrik Helmke (l.) im Trikot von Tromsø IL. Mit dem norwegischen Club spielte er in der Europa League.

Fußball-Profi Hendrik Helmke spielte in Finnland, Norwegen, Malaysia, Ägypten und dem Iran. Derzeit hält sich der 32-Jährige in Brasilien fit. Die Corona-Krise verhindert aktuell ein neues Abenteuer des aus Winsen (Luhe) stammenden Mittelfeldakteurs, der in der Jugend mit Martin Harnik und Max Kruse zusammenspielte.

Eigentlich hatte sich Hendrik Helmke in Brasilien lediglich von einer anstrengenden Saison in der finnischen Veikkausliiga erholen wollen, die mit dem Abstieg seines bisher letzten Clubs Kokkolan Pallo-Veikot Ende vergangenen Oktobers enttäuschend für ihn ausgegangen war. Ein bisschen die Seele baumeln lassen im Geburtsland seiner Mutter, und dann mit frischen Kräften ein neues Fußball-Abenteuer in Angriff nehmen - so war der ursprüngliche Plan des 32-Jährigen. Es kam alles anders für den aus dem niedersächsischen Winsen (Luhe) stammenden Profi. "Ich hatte ein paar Anfragen aus Asien, aber da ging es dann gerade mit der Corona-Krise los und sie haben mir erzählt, dass sie nun erst einmal abwarten wollen. Ich hänge derzeit so ein bisschen in der Luft", erklärt Helmke im Gespräch mit NDR.de.

Der Mittelfeldakteur, der in der A-Jugend gemeinsam mit den späteren Nationalspielern Martin Harnik und Max Kruse beim Hamburger Dorfverein SC Vier- und Marschlande kickte, hält sich nun bereits seit Monaten mit Individualtraining in der Küstenstadt Salvador (Bahia) fit. "Ich wohne allein, habe aber viele Verwandte hier", erzählt er.

Sorge um Lage in Brasilien

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Helmke hält sich derzeit in Brasilien, dem Geburtsland seiner Mutter, auf.

Helmke ist ein Abenteurer oder "Entdecker", wie ihn der "Spiegel" einst titulierte, im Wartestand. Momentan ruht in nahezu allen Ligen der Welt wegen der Coronavirus-Pandemie der Ball. Es könnte noch Monate dauern, bis der 32-Jährige einen neuen Club findet - es wäre dann sein zwölfter im Herrenbereich. Doch eine andere Sorge treibt ihn derzeit viel mehr um: die Situation in Brasilien. "Viele Leute können wegen der Armut einfach nicht zu Hause bleiben. Daher wird man das Virus hier nie in den Griff bekommen", malt Helmke ein düsteres Zukunftsbild für das bevölkerungsreichste Land Südamerikas, in dem die Zahlen der an Covid-19 erkrankten und verstorbenen Menschen rasant steigen. Seinen Traum, "einmal in Brasilien Fußball zu spielen", wird sich der Edeltechniker wohl auch deswegen in naher Zukunft nicht erfüllen können.

Zurück nach Deutschland, wo seine Eltern und sein Bruder Alessandro (ein früherer spanischer Drittliga-Spieler) wohnen, zieht es Helmke vermutlich auch nicht. "Ich spiele lieber im Ausland in der ersten als in Deutschland in der dritten Liga", sagt er und gibt offen zu: "In meinem Alter muss ich auch auf das Finanzielle achten."

Aus Lübeck in die weite Welt

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Helmke spielte von 2008 bis 2010 für den VfB Lübeck.

Vielleicht hätte Helmke auch in Deutschland den Durchbruch geschafft, wenn ihm nicht ein im Profifußball entscheidender Faktor gefehlt hätte: das Glück. So zerschlägt sich für ihn 2010 nach Engagements beim VfL Maschen, dem Lüneburger SK und dem VfB Lübeck ein Wechsel zum Traditionsclub Rot-Weiss Essen, weil der Meister von 1955 Insolvenz anmeldet. Andere Optionen wie Rot Weiss Ahlen oder Carl Zeiss Jena platzen ebenfalls, sodass Helmke ein halbes Jahr vereinslos ist. Als sich dann die Möglichkeit ergibt nach Finnland zu wechseln, schlägt der Mittelfeldmann zu. IFK Mariehamn heißt 2011 sein erster von inzwischen vier Clubs in der Veikkausliiga. Finnland wird in den darauffolgenden Jahren zum Ankerpunkt für den Deutsch-Brasilianer.

Mit seinen Leistungen in der dortigen Beletage macht er sich für sportlich bessere und finanziell potentere Vereine aus anderen Ländern interessant. Er spielt bei Sabah FA in Malaysia auf der wunderschönen Insel Borneo, ist dort Kapitän. "Wir stiegen ab. Und weil man als Ausländer erst drei Jahre in Malaysia gespielt haben musste, bevor es möglich war, innerhalb der Liga zu wechseln, musste ich gehen", erklärt Helmke.

Leben in der norwegischen Dunkelheit

Auch ein Engagement beim norwegischen Verein Tromsø IL, dem damals nördlichsten Erstligisten der Welt, macht ihn später trotz Europa-League-Einsätzen nicht glücklich. Denn in der knapp 350 Kilometer vom Polarkreis entfernten Stadt herrscht von Ende November bis Mitte Januar praktisch totale Dunkelheit: "Ich habe vielleicht eine Stunde pro Tag Tageslicht gesehen. Es war sehr hart. Ich habe es nicht ausgehalten, es war furchtbar", erzählt der 32-Jährige. Er kehrt nach Finnland zum FF Jaro zurück. Erneut überzeugt er in seiner zweiten fußballerischen Heimat. Helmke wird in der Saison 2014 - sie endet in Finnland im Dezember - zum Mittelfeldspieler der Serie gewählt. Der populäre und finanzstarke iranische Verein Esteghlal Teheran unterbreitet ihm daraufhin "ein gutes Angebot", das der 32-Jährige trotz eines "mulmigen Gefühls" annimmt.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 01.06.2020 | 13:25 Uhr