Stand: 21.04.2019 13:00 Uhr

VfL im Rausch: "Das lila-weiße Licht angemacht"

von Hanno Bode, NDR.de

Selbst ans Steuer setzen durfte sich von den Fußballern des VfL Osnabrück am frühen Samstagabend vermutlich kaum einer noch. Schließlich war der frühzeitige Zweitliga-Aufstieg durch den 2:0-Sieg gegen Aalen in der Kabine mit dem einen oder anderen Gerstensaft begossen worden. Statt nun aber Taxis oder dem Anlass entsprechend den örtlichen Limousinen-Service an die Bremer Brücke zu rufen, nahmen viele Kicker den Linienbus oder gingen zu Fuß zum Rathaus, wo mit einigen hundert Fans spontan der große Triumph gefeiert wurde. Ihre verschwitzten und inzwischen auch von allerlei Bierduschen durchnässten Trikots und Hosen hatten viele VfL-Akteure da noch an - man muss die Feste eben feiern wie sie fallen. Und das taten die Osnabrücker Himmelstürmer eben genauso wie sie auf dem Rasen stets ihre Arbeit verrichtet hatten: bodenständig und ohne viel Schnickschnack.

Blacha: "Wir waren bestimmt kein Favorit"

Statt Schampus wurde Pils aus der Pulle geschlürft, als sich Ersatzkeeper Philipp Kühn das Megafon schnappte und das Lied anstimmte, das bereits im Stadion unzählige Mal vom Anhang und dem Team geträllert worden war: "Wir steigen auf, wir steigen auf - und wir haben das lila-weiße Licht angemacht..." Der auf der Melodie des Steigerliedes gedichtete Song dürfte für eine ganze Weile der Lieblings-Hit vieler VfL-Fans bleiben. Verantwortlich für den Ohrwurm ist ein Team, das nach einer verkorksten vergangenen Serie inklusive langen Zitterns um den Klassenerhalt in dieser Runde die "perfekte Welle" erwischte, um es mit einem erfolgreichen Titel der Band Juli zu beschreiben. "Wenn mir das am Anfang der Saison einer gesagt hätte, dann hätte ich mich vielleicht kneifen lassen. Wir waren bestimmt kein Favorit", sagte Mittelfeldmann David Blacha dem NDR Hörfunk: "Natürlich haben wir daran geglaubt und davon geträumt. Aber vier Spieltage vor Schluss aufzusteigen - das ist mal eine Hausmarke."

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Perfekter Mix aus Routiniers und Youngsters

Der 28-Jährige gehört zu den Spielern im VfL-Kader, die schon einen Bruch in ihrer sportlichen Vita haben und nun an der Bremer Brücke wieder zu alter Stärke gefunden haben. Einst bei Borussia Dortmund ausgebildet, kam Blacha Für Sandhausen zu Zweitliga-Einsätzen, bevor seine Leistungen auf den folgenden Stationen Hansa Rostock und Wehen Wiesbaden stagnierten. Vor einem Jahr wechselte er an die Bremer Brücke. Auch Maurice Trapp (früher Union Berlin) oder Konstantin Engel (FC Ingolstadt) sammelten bereits höherklassige Erfahrungen, konnten sich aber oben, wo die Luft bekanntermaßen immer dünner wird, nicht dauerhaft etablieren. Andere Osnabrücker wie Etienne Amenyido, Felix Agu oder Anas Ouahim stehen noch am Anfang ihrer Karrieren. Sie spielten sich im VfL-Trikot ins Rampenlicht. Hinzu kommt die Garde der Routiniers um Kapitän Marc Heider, Tim Danneberg und Alexander Dercho, der verletzungsbedingt allerdings seit Monaten ausfällt.

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Trainer Daniel Thioune, ein Mann mit dem häufig zitierten "Stallgeruch", hat es geschafft, all diese verschiedenen Charaktere zu einer verschworenen Gemeinschaft zu formen. Der frühere VfL-Profi und vormalige Nachwuchskoordinator des Clubs ist der Baumeister des Erfolgs. Ein sehr bescheidener, wie sich unmittelbar nach dem Aufstieg erneut zeigte. Seinen eigenen Anteil am Triumph spielte der aus dem benachbarten Georgsmarienhütte stammende Coach nämlich herunter. "Das Geheimnis ist, es ist eine Mannschaft. Es war vom ersten Tag diese Bereitschaft da, sich auf bekloppte Ideen einzulassen, die wir im Trainerteam hatten. Ob auf oder neben dem Platz. Und diese unglaubliche Bereitschaft hat die Mannschaft jedes Wochenende gezeigt, hat sich aufgeopfert und in jedem Spiel maximale Intensität gehabt", sagte der 44-Jährige dem NDR.

Vertrauen der VfL-Chefetage zahlt sich aus

Dass Thioune bei vielen anderen Proficlubs wahrscheinlich gar nicht mehr die Gelegenheit bekommen hätte, das Team auch in dieser Serie zu betreuen, es passt wunderbar in diese verrückte Osnabrücker Aufstiegsgeschichte. Denn der Übungsleiter hatte zunächst als Interimscoach (vier Pleiten in fünf Spielen) und danach auch als Cheftrainer kaum Argumente für eine langfristige Beschäftigung gesammelt. Doch trotz des Beinahe-Abstiegs hielten die Verantwortlichen um Präsident Manfred Hülsmann an ihm fest. Thioune zahlte das Vertrauen mit viel harter Arbeit und einem Erfolg zurück, der so von oberster Stelle nicht eingeplant war.

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Zumindest noch nicht jetzt. "Ich habe schon zu Weihnachten gedacht, da kann was passieren. Dann habe ich an meinen Plan gedacht, dass wir erst in einem Jahr aufsteigen wollen und gedacht, oh scheiße, jetzt wird es eng", erklärte Hülsmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". So richtig realisieren wird der Clubboss den Sensationsaufstieg vielleicht erst in ein paar Tagen. Und auch der eine oder andere VfL-Profi dürfte noch etwas brauchen, um sich ein klares Bild von all dem zu machen, was da geschehen ist. Denn die Nacht nach dem Triumph war lang. Sehr lang. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden in diversen Osnabrücker Kneipen. Gerüchteweise soll sich so manch freudetrunkener Spieler erst auf den Heimweg gemacht haben, als kein Linienbus mehr fuhr...

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.04.2019 | 14:00 Uhr

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