Wolfsburgs Kapitän Josuha Guilavogui (l.) und Trainer Oliver Glasner sind nach der Niederlage gegen Leverkusen enttäuscht. © imago images / Sven Simon

"Froh, dass er weg ist" - Guilavogui tritt gegen Glasner nach

Stand: 08.06.2021 13:51 Uhr

Nach Oliver Glasners Abschied beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg sorgt "Wölfe"-Kapitän Josuha Guilavogui für Wirbel. "Ich bin froh, dass er weg ist", erklärte der Franzose in Wolfsburger Medien.

Monatelang saß Guilavogui als VfL-Kapitän auf der Ersatzbank - und ertrug diese "Degradierung" öffentlich ohne Murren. Nun aber sah der 30-Jährige offenbar die Zeit gekommen, aus seiner Sicht reinen Tisch zu machen. In den "Wolfsburger Nachrichten" und in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" übt der Franzose heftige Kritik an Glasner.

Zerrüttetes Verhältnis "aus persönlichen Gründen"

Schon im vergangenen Sommer habe er gemerkt, "dass es eine schwere Saison für mich wird und dass sich etwas verändert hat in der Beziehung zwischen dem Trainer und mir", beschrieb Guilavogui das zerrüttete Verhältnis zum Österreicher: "Ich hatte das Gefühl, der Trainer wird künftig jede kleine Verletzung nutzen, um mich auf der Bank zu lassen. Und genau so kam es dann leider auch." 

"Es ging dabei nicht nur um Fußball. Daher bin ich so traurig. Ich habe bis heute den Mund gehalten, um den Erfolg des Teams nicht zu gefährden." VfL-Kapitän Josuha Guilavogui

Guilavogui, der seit 2014 bei den "Wölfen" unter Vertrag ist und seitdem 169 Bundesligapartien absolviert hat, war hinter Maximilian Arnold und Xaver Schlager nur noch zweite Wahl auf der Doppelsechs. Für den Franzosen nicht nachvollziehbar: "Ich hatte nie das Gefühl, dass ich aus sportlichen Gründen draußen saß, sondern auch aus persönlichen." Zwar kam Guilavogui 20 Mal zum Einsatz, aber - auch verletzungsbedingt - meist nur von der Bank.

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Nicht der einzige VfL-Profi, der Probleme mit Glasner hatte

Dennoch bekannte sich Glasner zumindest öffentlich klar zu Guilavogui: "Er ist und bleibt unser Kapitän", hatte der 46-Jährige über den Dauerreservisten gesagt, "er ist sehr wichtig in der Kabine und sehr wichtig auf dem Platz, wenn er spielt. Ich bin froh, so einen Kapitän zu haben." Guilavoguis Beurteilung des Verhältnisses fällt gänzlich anders aus: Glasner sei "fachlich sicherlich kein schlechter Trainer und hatte mit uns ja auch Erfolg. Dennoch bin ich froh, dass er weg ist, weil es für mich persönlich die schlimmste Beziehung war, die ich jemals zu einem Trainer in meiner Laufbahn hatte."

"Als Fußballer war ich kaputt, und auch als Mensch war ich schwer getroffen." VfL-Kapitän Guilavogui

Offenbar war Guilavogui aber nicht der einzige Spieler, der mit dem VfL-Coach Probleme hatte. Laut "kicker" war auch Wout Weghorst mehrfach mit Glasner aneinander geraten. Der niederländische Torjäger war jedoch auf dem Platz unverzichtbar für den Club, Guilavogui hingegen spielte kaum noch. Am letzten Spieltag - beim 2:3 gegen Mainz - wollte Glasner seinen Kapitän von Beginn an auflaufen lassen, doch der Franzose lehnte ab: "Er wollte mir ein Geschenk machen, aber ich hätte danach nicht mehr in den Spiegel blicken können, wenn ich es angenommen hätte", sagte der 30-Jährige. "Es ist zu viel passiert. Ich fand das Angebot respektlos und habe es abgelehnt."

Schmadtke: "Ziehe meinen Hut vor Guilavogui"

Lob erhielt Guilavogui nun von VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke - dessen Nicht-Verhältnis zu Glasner hinlänglich bekannt ist. "Es war schwer für ihn", erklärte der 57-Jährige. "Er hat getan, was er als Kapitän zu tun hat. Vorangehend, als integratives Element in der Mannschaft, leistungsstark, wenn er gespielt hat. Und das alles, obwohl seine persönliche Situation nicht perfekt war. Ich ziehe den Hut vor ihm."

Guilavogui, der beim VfL noch einen Vertrag bis 2023 besitzt, hofft nun auf eine neue Chance bei Glasner-Nachfolger Mark van Bommel. "Ich möchte gern bleiben. Mein Sohn ist in Wolfsburg geboren, meine Tochter spricht fast perfekt Deutsch. Für uns als Familie wäre ein Wechsel schon ein großer Schritt."

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