Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg © imago images/regios24 Foto: Darius Simka

Goeßling: "Sieg im DFB-Pokal wäre für mich ein schöner Abschluss"

Stand: 27.05.2021 15:18 Uhr

Eine Saison ohne Titel? Gab es für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg zuletzt vor neun Jahren. Heute (16 Uhr/live im Ersten und bei NDR.de) können sich die "Wölfinnen" gegen Eintracht Frankfurt zum achten Mal den DFB-Pokal sichern.

Bei jedem Triumph dabei war Lena Goeßling. Für die 35-Jährige heißt es allerdings Abschied nehmen, ihr Vertrag beim VfL wird nicht verlängert. Im Interview mit NDR.de spricht sie über die Hoffnung auf den Titel, ihre schwierige Zeit in der Corona-Krise und das mögliche Karriereende.

Frau Goeßling, Ihre Verbindung mit dem VfL Wolfsburg steht seit nunmehr zehn Jahren für Titel, Titel, Titel. Haben Sie den Überblick behalten, wie viele Trophäen Sie gewonnen haben?

Lena Goeßling: Die Champions-League-Titel sind einfach, das waren zwei. (überlegt) Dazu sechs Meisterschaften - und siebenmal den Pokal. Richtig?

Das stimmt. Und wie viele kommen noch dazu?

Goeßling: Mein Antrieb ist es schon immer gewesen, Titel zu gewinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Bayern den Titel noch nehmen lassen. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich am letzten Spieltag um mein Leben laufen und kämpfen. Für Frankfurt geht es gegen München am letzten Spieltag zudem um nichts mehr. Aber mein Wunsch ist riesig, dass wir den DFB-Pokal gewinnen.

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In der Liga haben Sie zweimal gegen die Eintracht gewonnen. Wieso klappt es ein drittes Mal?

Goeßling: Wir haben mehr Erfahrung und schon viele wichtige Spiele gemeistert. Auch wenn es knapp und ereignisreich war. Aber das Spiel am Sonntag wird kein Selbstgänger. In der Liga sind die Frankfurterinnen zuletzt nach einem 0:2-Rückstand noch mal zurückgekommen (Anm.d.Red.: Endstand 3:2 für den VfL). Aber wir sind der Favorit und nehmen die Rolle auch im Pokalfinale an. Der Titel wäre für mich ein schöner Abschluss.

Sie sprechen es an: Nach dem Pokalfinale und dem letzten Ligaspiel gegen Werder Bremen ist für Sie in Wolfsburg als Spielerin Schluss. Wo setzen Sie Ihre Karriere fort?

Goeßling: Als ich erfahren habe, dass mein Vertrag nicht verlängert wird, war meine erste Reaktion, dass ich unbedingt noch zwei Jahre weiterspielen möchte. Aber mittlerweile bin ich da gar nicht mehr so sicher. Ich weiß nur, dass ich erst mal Abstand von der Situation in Wolfsburg bekommen möchte. Ob ich noch mal zu einem anderen Verein wechsle oder etwas ganz anderes mache, habe ich wirklich noch nicht entschieden.

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Der Verein hat Ihnen das Angebot gemacht, nach dem Karriere-Ende in anderer Funktion für den VfL zu arbeiten. Können sich die Wolfsburg-Fans also freuen, dass Sie auf jeden Fall irgendwann zurückkehren?

Goeßling: Ich habe dem Verein wirklich viel zu verdanken. Aber ich habe auch immer mit Herz und Leidenschaft für den VfL gespielt. Der Abschied fällt mir wirklich schwer. Nicht nur, weil ich gern weiter für Wolfsburg gespielt hätte, sondern auch, weil ich hier viele Freunde gefunden habe. Nach dem Spiel gegen Bremen wird sicher die eine oder andere Träne fließen. Ich werde niemals so ganz gehen. Aber ob ich noch mal beim VfL arbeiten werde, weiß ich nicht.

Wie lange haben Sie gebraucht, sich damit zu arrangieren, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Goeßling: Das waren schon zwei Monate. Es gibt auch immer noch Tage, an denen ich traurig bin. Aber ich habe mir irgendwann gesagt, dass das nichts bringt - und dann habe ich auch den Sprung geschafft. Ich genieße einfach die letzten Tage beim VfL und mit meiner Mannschaft, die mir in der Zeit auch viel Kraft gegeben hat.

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So eine Situation lässt sich sicher mitten in der Corona-Pandemie und den Hygienevorschriften als Profisportlerin - also weitestgehend ohne Freunde und Familie - besonders schwer überstehen.

Goeßling: Das stimmt. Vielmehr als Facetime war nicht drin. Auch wenn ich nur 90 Minuten von meiner Heimat entfernt lebe, war ich viel allein. Es ist leicht gesagt, dass die Profisportler das Privileg hatten, ihren Beruf ausüben zu dürfen. Wir können uns auch jetzt wegen der Hygieneregeln nicht einfach mal vor ein Restaurant setzen und einen Kaffee trinken. Und wir verdienen nicht wie die Männer Millionen. Aber man sieht daran, dass wir keinen einzigen Corona-Fall hatten, wie gut sich die Mannschaft in der Pandemie verhalten hat.

Wie könnte es für Sie denn beruflich weitergehen, wenn Sie Ihre Karriere wirklich beenden? Sie haben ja eine Ausbildung absolviert.

Goeßling: Ich bin gelernte Einzelhandelskauffrau und war auch bei der Bundeswehr in der Sportfördergruppe. Aber ich würde mit dem Sport schon gern verbunden bleiben. Den Frauenfußball weiter nach vorn bringen, das würde mich reizen. Und es gibt auch die eine oder andere Idee. Dazu kann ich allerdings noch nichts sagen. Ich bin jetzt 35, wenn da ein gutes Jobangebot kommt, muss ich sehr genau abwägen, ob es sinnvoll ist weiterzuspielen. Durch Corona ist die Lage aber deutlich erschwert. Ich konnte nicht einfach mal raus, um wichtige Gespräche zu führen.

Zuletzt standen Sie gerade bei wichtigen Partien nicht in der Startelf. Wissen Sie schon, ob Sie am Sonntag in Köln von Beginn an auflaufen?

Goeßling: Ich hatte in letzter Zeit wirklich nicht mehr so viel Einsatzzeit. Ob ich gegen Frankfurt wieder spielen werden, weiß ich nicht. Die Aufstellungen für das Wochenende erfahren wir immer erst kurzfristig.

Sollte es zum Abschluss mit dem Gewinn des Pokals klappen, hätte dieser sicher einen besonderen Status. Welcher Ihrer bisherigen 15 war der schönste?

Goeßling: Da kann ich keinen einzelnen nennen. Als wir 2013 zum ersten Mal die Champions League gewonnen haben, war das schon toll. Der 4:3-Sieg 2014 stand dem Gefühl aber in nichts nach, da sind sind wir im Finale gegen Tyresö FF nach 0:2 und 2:3 noch sensationell zurückgekommen. Ich werde aber auch nie vergessen, wie wir im selben Jahr vor über 12.000 Zuschauern am Elsterweg die Meisterschaft gefeiert haben. Das war auch gegen Frankfurt.

Das Interview führte Florian Neuhauss

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.05.2021 | 15:25 Uhr

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