Stand: 12.04.2020 18:50 Uhr

"Wölfinnen": Zwischen Hoffen und Helfen

Irgendwann ging es nicht mehr, und Alexandra Popp schritt zur Tat. Sie wusste genau, was sie jetzt wollte - und wo sie es finden würde. Im Internet. "Ich habe mir ein Netz bestellt, damit ich zu Hause etwas mit dem Ball machen konnte", sagte die Kapitänin des VfL Wolfsburg. Immer nur Laufen, das konnte es einfach nicht sein, fand die Fußball-Nationalspielerin. Wobei: Ganz so unangenehm habe sich das für sie zu Beginn nicht angefühlt, als die Bundesliga der Frauen wegen des Coronavirus eine Pause einlegte. "Die erste Zeit war gar nicht so schwierig. Ich war sogar ein wenig froh, mal ein bisschen Pause zu haben. Ab der zweiten, dritten Woche war es aber wirklich schlimm", räumt die 29-Jährige im Gespräch mit dem NDR Sportclub ein.

"Ich laufe ohnehin nicht gerne ohne den Ball. Da war der Motivationsschub, vor allem morgens, fast gar nicht mehr da gewesen." Und dann kam ihr der Gedanke, ein Tornetz zu bestellen, um die Rahmenbedingungen für das Fußballspiel im Garten ein bisschen zu verbessern.

Fortsetzung der Saison wäre "kleines Event"

Richtige Tore hat sie schon länger nicht mehr gesehen. Am 16. März hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Spielbetrieb in den Frauen-Bundesligen und im Pokal ausgesetzt, zunächst bis zum 19. April, nach einer Verlängerung der Maßnahme bis zum 30. April. Ob es dann tatsächlich weitergeht? "Ich hoffe es. Natürlich nicht auf Biegen und Brechen, das ist klar. Ich glaube, für die Gesellschaft wäre es etwas. Dass man mal ein kleines Event hat - nicht im Stadion, aber im Fernsehen", sagt sie. Es würde etwas Abwechslung verschaffen von der konstanten Nachrichtenlage. Popp: "Gefühlt ist es so: Man schaltet den Fernseher an, und man hört nur noch etwas von Corona und wird völlig wahnsinnig. Von daher wäre so ein kleines bisschen Alltag wichtig."

Popp geht für ihre älteren Nachbarn einkaufen

Die "Wölfinnen" belegen sechs Spieltage vor dem Ende der Saison mit acht Punkten Vorsprung auf Bayern München in der Bundesliga den ersten Tabellenplatz, in der Champions League und im DFB-Pokal stehen sie im Viertelfinale. Kein Wunder, dass Popp ein Abbruch der Saison gar nicht gefallen würde. "Wir haben seit langem nicht so eine Saison gespielt wie jetzt. Es wäre sehr hart, denn wir sind nah dran, das Triple zu holen", sagt die VfL-Spielerin, der aber bewusst ist, dass derzeit andere Dinge wichtiger sind.

Und so halten die VfL-Frauen über Videoschalten Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern eines Seniorenheims, Popp geht für ihre älteren Nachbarn einkaufen. Sie selbst verspüre in wirtschaftlicher Hinsicht "keine extremen Ängste. Man macht sich schon Gedanken, wie es weitergeht. Aber bei anderen Branchen, wie etwa bei den Restaurants, ist die Lage anders. Da ist es gerade ganz schwierig."

Kellermann: "Geisterspiele sind alternativlos"

Immerhin: Die VfL-Frauen wissen einen potenten Sponsor hinter sich, sind nicht in ihrer Existenz bedroht. Dennoch hofft auch der Sportliche Leiter Ralf Kellermann darauf, dass es Anfang Mai weitergeht. "Geisterspiele möchte keiner haben, aber das ist ja alternativlos", sagt der 51-Jährige: "Im Männerbereich ist es so, dass die Geisterspiele stattfinden müssen, um die wirtschaftliche Basis für eine Fortführung der Liga zu erhalten. Bei uns ist es so, dass wir über die sportliche Schiene gerne den Meister und den zweiten Champions-League-Teilnehmer ermitteln möchten, und es geht auch noch um den Abstieg." Natürlich würde jede Spielerin gerne vor Zuschauern spielen. "Aber wenn es nicht anders geht, würden wir auch mit Geisterspielen die Saison zu Ende bringen", so Kellermann.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.04.2020 | 22:45 Uhr

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