Stand: 22.05.2020 21:09 Uhr

VfB Lübeck steigt in die Dritte Liga auf

Nach und nach rollten die Spieler auf den Parkplatz an der Lohmühle. Kurzfristig zusammengetrommelt. Einige flugs organisierte Kaltgetränke und Partymucke zum Mitsingen - so feierte der VfB Lübeck am Freitag die Rückkehr in die Dritte Liga nach zwölf Jahren. Das Präsidium des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) hatte kurz zuvor einstimmig entschieden, dass die unterbrochene Saison in der Regionalliga Nord abgebrochen und per Quotientenregelung zum Stichtag 12. März, an dem der Spielbetrieb wegen der Corona-Krise ausgesetzt worden war, gewertet wird.

Damit stand fest, dass der Tabellenführer zum Meister erklärt und ab der kommenden Spielzeit an der Lübecker Lohmühle wieder Profifußball geboten wird. "Der VfB Lübeck ist in allen Konstellationen der Tabelle an der Spitze, daher das klare Votum für den Aufstieg des VfB Lübeck", sagte NFV-Präsident Günter Distelrath.

Die endgültige Entscheidung über den Aufstieg fällt zwar erst Ende Juni, wenn der Außerordentliche NFV-Verbandstag stattfindet. Eine Zustimmung zum Antrag des Präsidiums gilt allerdings als reine Formsache. Der Verband setzt sich somit über das Votum der Vereine hinweg, das erst in der vergangenen Woche eingeholt worden war. Bei diesem "Stimmungsbild" hatte sich die Mehrheit zwar für einen Abbruch, aber für eine Aufstiegsrelegation des VfB gegen den Zweitplatzierten VfL Wolfsburg II ausgesprochen.

Trotzdem hat auch "Wölfe"-Sportchef Pablo Thiam beim "Sportbuzzer" den Lübeckern bereits gratuliert: "Wir gehen davon aus, dass das durchgehen wird. Wir haben alles getan, was wir tun können. Wir gratulieren dem VfB Lübeck zum Aufstieg und werden da auch nicht nachtreten."

Schikorra: "Viele Jahre darauf hingearbeitet"

"Klar stellt man sich so einen Aufstieg anders vor, mit einem vollen Stadion und einer gebührenden Feier, aber die Freude ist dennoch sehr groß", sagte Trainer Rolf Landerl dem NDR Sportclub: "Es ist jetzt ganz eigenartig. Dennoch sind wir verdiente Aufsteiger, keine Corona-Aufsteiger. Die Spieler freuen sich alle unglaublich."

Die Lübecker waren sich sicher gewesen, dass sie den Sprung in die Dritte Liga am grünen Tisch schaffen würden. Dennoch sei die Erleichterung riesengroß, bekannte VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra: "Wir hätten die Saison sehr gerne auf dem Feld entschieden, aber so ist es jetzt. Es war seit Unterbrechung der Saison eine belastende Situation, weil du dich immer fragst, was passiert."

In einer Mitteilung hatte der frühere Zweitligist zuvor darauf hingeweisen, dass es bei Abbruch einen Aufsteiger nur geben könne, wenn die Saison auch gewertet werde. Daraus resultierte die Schlussfolgerung der Schleswig-Holsteiner, dass nur sie der Aufsteiger sein könnten: "Nach allen denkbaren objektiven und rechtlich vertretbaren Wertungskriterien kann der Aufsteiger nur VfB Lübeck heißen." Dieser Meinung schloss sich die Führung des NFV am Freitag an. "Natürlich freuen wir uns. Es ist nicht das Gleiche, als wenn man die Emotionen auf dem grünen Rasen erlebt, aber wir sind unfassbar erleichtert und haben viele Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet", so Schikorra.

"So sehr wir uns freuen: Wir sind gut beraten, jetzt nicht in totales Triumphgeheul auszubrechen. In der ganzen Situation mit Corona haben viele gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten. Es gab viele Todesfälle, viele sind wirtschaftlich in ihrer Existenz bedroht, da sollte man bei Entscheidungen im Sport nicht überziehen und das werden wir auch nicht tun." VfB-Vorstand Thomas Schikorra

Neue Saison mit 22 Mannschaften

Darüber hinaus entschied das Präsidium ebenso einstimmig, dass es keine Absteiger geben soll und zugleich fünf Aufsteiger aus den Oberligen der vier norddeutschen Landesverbände (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein sowie zwei Vereine aus Niedersachsen) zuzulassen. Einzige Voraussetzung ist, dass ein bewilligter Antrag auf Zulassung vorliegt.

Die Saison 2020/2021 findet damit mit 22 Mannschaften statt. Unklar ist aber noch, wie der Liga-Betrieb genau ablaufen kann. Der NFV will dazu den Vereinen verschiedene Modelle - "angelehnt an die Verfügungslagen der Länder/des Bundes und dem damit verbundenen prognostizierten Beginn der Saison" - zur Diskussion vorlegen.

Landerl: In Gedanken mit den Fans zusammen

Der VfB treibt unterdessen mit Hochdruck die Planungen für die Dritte Liga voran. Schikorra rechnet mit Investitionen "von gut 100.000 Euro", um die Lohmühle drittligatauglich zu machen: "Ab Montag geben sich hier die Handwerker die Klinke in die Hand. Aber das macht ja auch Spaß, wenn man weiß, man macht das für ein klares Ziel."

Die Mannschaft soll punktuell verstärkt werden, auslaufende Verträge sollen zeitnah verlängert werden. "Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wolfsburg und wir haben in den letzten beiden Jahren gezeigt, dass beide Mannschaften sportlich das Zeug für die Dritte Liga haben. Wir möchten sehr viele hierbehalten. Unser Ziel ist klar, mit vielen Leistungsträgern zu verlängern", so Schikorra.

Für die Spieler stand aber zunächst die Aufstiegsfeier im Fokus - wenn auch unter außergewöhnlichen Umständen. "Wir werden schauen, dass wir die Regeln alle einhalten, aber doch das eine oder andere Bierchen trinken", kündigte Landerl an, der auch an die Fans dachte: "Wir können das leider heute nicht zusammen feiern, aber in Gedanken sind wir absolut zusammen."

"Wir sind Neulinge in der Liga und freuen uns unglaublich darauf. Ich glaube schon, dass man mit Euphorie und Emotionen einiges mitbringen kann in diese Liga, aber wir wissen auch, dass wir unsere Aufgaben in den nächsten Wochen erledigen müssen, um möglichst gut gewappnet zu starten." VfB-Trainer Rolf Landerl

 

Weitere Informationen

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Regionalliga Nord

Spitzenreiter? Mittelfeld, Gefahrenzone, Abstiegsränge? Wer steht wo? Die Ergebnisse, Tabellenstände und der kommende Spieltag der Fußball-Regionalliga Nord im Überblick. mehr

VfB Lübeck verpflichtet Eintracht-Legende Boland

Regionalliga-Spitzenreiter VfB Lübeck ist ein Transfer-Coup gelungen. Zur neuen Saison wechselt der langjährige Eintracht-Braunschweig-Profi Mirko Boland zu den Schleswig-Holsteinern. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.05.2020 | 19:30 Uhr