Stand: 06.06.2020 10:00 Uhr

Mirko Boland: "Die Dritte Liga ist total verrückt"

Mit Adelaide United gewann Mirko Boland zweimal den australischen Pokal.

Mit Eintracht Braunschweig ging Mirko Boland neun Jahre lang durch dick und dünn, von der Dritten Liga bis in die Bundesliga und zurück. Nach dem Zweitliga-Abstieg und seinem bitteren Aus bei den "Löwen" wechselte der Mittelfeldspieler 2018 nach Australien, wo er prompt mit Adelaide United das Halbfinale der Play-offs erreichte. Zweimal gewann er mit den "Reds" zudem den Pokal. Doch die Corona-Krise beendete das Abenteuer in diesem Frühjahr jäh - und den nunmehr 33-Jährigen zog es zurück nach Norddeutschland. Beim VfB Lübeck sagte der Bundesliga-erfahrene Linksfuß schon vor dem feststehenden Drittliga-Aufstieg zu. Im Interview mit NDR.de spricht Boland über "geile Vereine", sein altes Wohnzimmer und den Lifestyle Down Under.

Herr Boland, lassen Sie uns über "einen geilen Verein mit viel Potenzial" reden.

Mirko Boland: Sehr gerne! (lacht) Dann weiß ich auch schon, worauf Sie hinauswollen.

So beschrieben Sie den VfB nach Ihrer Vertragsunterschrift. Mancher wird bei solchen Worten aus Ihrem Mund aber noch immer denken, Sie meinen die Eintracht.

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Boland: Das ist nach neun Jahren in Braunschweig auch klar. Die Eintracht wird für mich immer ein besonderer Verein bleiben. Aber das Interesse aus Lübeck kam zum genau richtigen Zeitpunkt. Und das Konzept des VfB hat mich überzeugt. Deshalb hatte ich auch für die Regionalliga zugesagt. Allerdings mache ich keinen Hehl daraus, dass ich lieber in der Dritten Liga spiele. Der VfB ist ein Traditionsverein, den wir wieder im Profifußball etablieren wollen.

Wie haben Sie im fernen Australien verfolgt, was in Braunschweig und dann auch in Lübeck passiert?

Boland: Wenn ich am nächsten Morgen nicht zu früh raus musste, war ich regelmäßig um 0 oder 1 Uhr live am Bildschirm dabei, um mir die Braunschweiger Spiele anzuschauen. Nachdem es den ersten Kontakt zum VfB gegeben hat, hatte ich auch da ein Auge drauf. Ich wollte wissen, wie die Truppe so spielt.

Was halten Sie von den Diskussionen vor dem Neustart in der Dritten Liga, die Saison abzubrechen?

Boland: Das ist ein heikles Thema. Die Gesundheit steht über allem, und es ist natürlich legitim, dass jeder Verein versucht, das Beste für sich rauszuholen. Aber bei einigen Clubs hatte ich den Eindruck, dass sie einfach versucht haben, sich am grünen Tisch den Klassenerhalt zu sichern. Die Abbruchforderungen hatten zumindest einen Beigeschmack. Ich finde es am besten, dass jetzt die Möglichkeiten geschaffen wurden, dass gespielt werden kann.

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Natürlich hatte bei Ihrem Ex-Club aus sportlicher Sicht niemand Interesse am vorzeitigen Saisonende. Und nach zuletzt zwei Siegen sind die "Löwen" nun mittendrin im Aufstiegsrennen. Gelingt gegen Bayern II heute der dritte Dreier in Folge?

Boland: Ich hoffe es zumindest und drücke die Daumen. Nach der langen Pause war es jetzt so etwas wie ein Neustart - das ist sicher nicht einfach. Ich habe mir die beiden letzten Spiele angesehen, da hat es die Eintracht gut gemacht, besonders mit Blick darauf, dass der Trainer viel durchgewechselt hat. Die Erfolge zeigen, dass der Kader Tiefe hat. Das ist wichtig, weil das Programm mit den vielen englischen Wochen hart ist. Aber Bayern hat eine talentierte und unbekümmerte Truppe, die auch vorn mit dabei ist. Das wird ein ganz harter Brocken.

Glauben Sie daran, dass Sie nächstes Jahr mit Lübeck gegen Braunschweig spielen werden?

Boland (lacht): Für die Eintracht würde es mich natürlich freuen, wenn es mit dem Aufstieg klappt. Besonders für die Fans, die mir viel gegeben haben. Auf der anderen Seite wäre es sicher auch eine tolle Geschichte, wenn ich noch mal in mein altes Wohnzimmer zurückkehren könnte. Es ist wirklich alles möglich, die Dritte Liga ist total verrückt.

Bis die neue Saison losgeht, dauert es noch ein bisschen. Testen Sie schon die Surfspots an der Ostsee?

Boland: Nicht wirklich. Wir haben uns ein SUP-Board angeschafft. Wellenreiten ist hier nicht so gut möglich, würde ich sagen. Ich bin seit Mitte April wieder in Deutschland, und bisher war viel Bürokratisches zu erledigen: neue Wohnung, mein Haus in Braunschweig und so weiter.

Im Film "Tom meets Zizou" über Australien-Legionär Thomas Broich konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass das Surfen zum australischen Lifestyle dazugehört. Stimmt das gar nicht?

Boland: Der Fußball wird in Australien sehr professionell ausgeübt, da ist niemand zum Urlaub machen. Aber der Stellenwert in der Gesellschaft ist ein anderer, das stimmt. Da ist es kein Problem, wenn man am Strand liegt, obwohl man am Vortag verloren hat. Zumal die Fans wirklich das Privatleben der Spieler respektieren. Und ich war auch einige Male surfen. Das war total cool und hat einen Riesenspaß gemacht.

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Mirko Boland: Stand Up Paddling auf der Ostsee statt Surfen auf dem Ozean.

Der VfB hat über Ihren Kumpel Dennis Kruppke, mit dem Sie lange in Braunschweig gespielt haben und der früher selbst Lübecker war, den Kontakt zu Ihnen hergestellt.

Boland (unterbricht): Ach, wirklich? Davon weiß ich gar nichts. Dabei habe ich gerade erst mit "Krupper" telefoniert.

Und welchen Anteil am Wechsel hat Ihre Frau? Da war zu lesen, sie ziehe es zurück in die alte Heimat. Und die Autovervollständigung von Google bietet mittlerweile als einen der ersten Suchbegriffe "Mirko Boland Frau" an, wenn man nach Ihnen sucht.

Boland: Es ist auf jeden Fall toll, wenn man Familie in der Nähe hat. Aber es ging zuerst einmal um den Job, um die sportliche Perspektive in Lübeck. Dass das alles so gut passt für uns, ist doch eher eine glückliche Fügung.

Sie freuen sich auf "einen geilen Verein mit viel Potenzial". Worauf können sich denn der VfB Lübeck und seine Fans freuen?

Boland: Ich habe in Adelaide die Hinrunde verletzt verpasst. Und als ich mich gerade wieder in die Startelf gekämpft hatte, kam das Coronavirus. Aber ich stehe voll im Saft, bin fit und mein Ehrgeiz ist nach wie vor groß. Ich soll in Lübeck eine wichtige Rolle einnehmen und der will ich auf und neben dem Platz gerecht werden. In der neuen Saison erwarten uns viele coole Duelle gegen andere Traditionsvereine, da habe ich richtig Bock drauf.

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR Sport

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Sportclub | 06.06.2020 | 14:00 Uhr