Stand: 11.09.2020 10:52 Uhr

Todesfelde und Corona: Testen, bis der Arzt kommt

Testen, bis der Arzt kommt. Und beim SV Todesfelde ist der Arzt in den vergangenen Wochen oft gekommen. Für das größte Spiel der Vereinsgeschichte am Sonnabend im DFB-Pokal gegen den VfL Osnabrück mussten sich die Spieler und Verantwortlichen beim Fußball-Oberligisten immer wieder auf das Coronavirus testen lassen. "Momentan kommen wir uns fast vor wie im Klinikum", sagte Teammanager Timo Gothmann dem NDR. Insgesamt sechsmal standen beim Fünftligisten aus dem 1.000-Einwohner-Dorf bei Bad Segeberg Tests an, der letzte keine 48 Stunden vor dem Spiel.

Für die Kosten der Testungen kommt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf. Das Ziel ist eine großtmögliche Sicherheit. "Es ist notwendig, dass wir keine ungetesteten gegen getestete Spieler spielen lassen", sagte die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich.

"So dämlich kann keiner sein"

Und doch ist das Risiko deutlich größer als bei den Bundesliga- und Drittliga-Spielen seit dem Re-Start. Während die Profis isoliert werden können, gehen die Amateure arbeiten und haben auch einen ganz normalen Alltag. Doch SVT-Präsident Holger Böhm ist davon überzeugt, dass seine Spieler vorsichtig waren: "Das ist ja nicht irgendein Spiel. Die Jungs sind heiß drauf, jeder will spielen. Da will keiner in Quarantäne zu Hause sein - das ist doch logisch. Es kann keiner so dämlich sein, dass er nicht alles dafür tut."

Konzentration "aufs Sportliche" bei Osnabrück

Aber auch Böhm weiß, dass "trotzdem etwas passieren" kann. Nicht auszudenken, wenn sich ein Akteur beim Spiel anstecken würde - vor allem für Gegner Osnabrück. Womöglich müsste die ganze Mannschaft in Quarantäne. So geschehen kurz vor dem Re-Start Ende Mai bei Liga-Konkurrent Dynamo Dresden. Die Sachsen beklagten zwar die Wettbewerbsverzerrung, weil der DFB auf ihre veränderte Situation nicht reagierte. Dynamo hatte nach der Quarantäne wenig Vorbereitungszeit und im ohnehin dichten Terminkalender auf einmal noch ein paar Nachholspiele stehen. Die Dresdner waren schon vor der Pause Tabellenletzter (ein Punkt Rückstand zu Rang 16) - die Quarantäne sorgte dafür, dass sie im Saisonendspurt keine Luft mehr hatten.

Doch auch wenn dieses Damoklesschwert eine Woche vor dem Liga-Start in den Bundesligen und der Dritten Liga nun wieder über den Mannschaften im Pokal hängt, versuchen die Osnabrücker, das Thema entspannt anzugehen. "Wir fokussieren uns da maßgeblich auf das Sportliche", sagte VfL-Manager Benjamin Schmedes. "Wir hoffen, dass alles so ablaufen kann, dass es auch Corona-konform funktioniert."

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 11.09.2020 | 15:30 Uhr

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