Stand: 14.01.2020 09:43 Uhr

Werder Bremen: Alle Kraft für den Klassenerhalt

von Christian Görtzen, NDR.de
Werder Bremen absolvierte sein Trainingslager in Palma de Mallorca.

Europa - dieses Wort klang für viele beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen wie eine große Verheißung. Trainer Florian Kohfeldt wollte die Grün-Weißen zum ersten Mal nach 2011 wieder in den Europapokal führen. Die Realität Anfang 2020 sieht anders aus: Bremen steht vor dem Beginn der Rückrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Teamcheck: Wie sind die Hanseaten im Kampf um den Klassenerhalt aufgestellt?

So lief die Hinrunde:

Es ging schlecht los, und es hörte noch schlechter auf - in etwa so lässt sich die erste Halbserie der Bundesliga-Saison 2019/2020 aus Sicht der Grün-Weißen beschreiben. Das Vorhaben, sich erstmals seit der Serie 2010/2011 wieder für den Europapokal zu qualifizieren, wurde gleich mal zum Auftakt durch ein ernüchterndes 1:3 im heimischen Weser-Stadion gegen Fortuna Düsseldorf ein klein wenig erschüttert. Es folgte ein 2:3 bei der TSG 1899 Hoffenheim. Nach Siegen an den Spieltagen drei und vier, gegen den FC Augsburg (3:2) und beim Aufsteiger 1. FC Union Berlin (2:1), schien sich das Kohfeldt-Team berappelt zu haben. Doch nachhaltig war der Aufschwung keineswegs.

Durch eine Serie von fünf Remis in Folge von Spieltag sechs bis zehn traten die Hanseaten in der Tabelle auf der Stelle. Gegen Ende der Hinrunde wären sie schon froh darüber gewesen, wenn es eine weitere Unentschieden-Serie gegeben hätte. Es folgte aber durch vier - zum Teil heftige - Niederlagen der Absturz in den "Keller". 0:1 zu Hause gegen den Tabellenletzten Paderborn, 1:6 bei Bayern München, ein unterirdisches 0:5 im Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 und dann kurz vor Weihnachten ein 0:1 beim 1. FC Köln - und so steht Werder mit nur 14 Punkten als Vorletzter da.

Wer kommt, wer geht:

An Kandidaten als mögliche Verstärkungen mangelte es während der Winterpause nicht.

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Bislang konnte Werder aber nur eine Verpflichtung bekanntgeben, und bei der handelt es sich kostengünstig um ein Leihgeschäft. Der 28 Jahre alte Verteidiger Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim wird bis zum Ende dieser Saison das Trikot mit dem "W" auf der Brust tragen. Eine Kaufoption haben die Bremer nicht erhalten. Vogt kann 213 Bundesliga-Einsätze für Hoffenheim, Augsburg, Köln und den VfL Bochum vorweisen. Kohfeldt sieht Vogt sowohl als Option für die Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld. Weiterhin sucht Bremen nach einem spielstarken Achter, der robust und zweikampfstark ist. "Wir haben nicht den dominanten Charakter in der Mannschaft, der das auf dem Platz auslebt", sagte Werder-Sportchef Frank Baumann der "Kreiszeitung". Abgänge gibt es bislang nicht zu verzeichnen.

Der Trainer: Kohfeldt sieht nun die Realität

Seit dem 30. Oktober 2017 ist Florian Kohfeldt Trainer des Werder-Profiteams - so diffizil wie jetzt war die Lage für ihn noch nie.

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Der gebürtige Siegener, der in Delmenhorst aufgewachsen ist, agierte in der Hinrunde womöglich zu lange nach dem Motto: Was nicht sein darf, wird auch gar nicht erst durch Worte unterfüttert. Und so blickte der 37-Jährige noch im Herbst, als Werder längst im Mittelmaß versackt war, lieber Richtung Europa als auf die bedrohlich nahe Abstiegszone. Erst nach der 1:6-Klatsche in München ging er auch verbal auf die Gegebenheiten ein: "Ich sage es jetzt auch öffentlich: Es geht für uns darum, die Klasse zu halten. Darauf müssen wir alles ausrichten." Nach dem Spiel in Köln erklärte er: "Das war eine wirklich schlechte Hinrunde. Was ich aber sagen kann: Wir werden kämpfen und nicht absteigen." Und nun nach dem Trainingslager auf Mallorca, in dem - wohl auch vor dem Hintergrund vieler Muskelverletzungen bei Spielern - das Pensum eher gering war, sieht Kohfeldt einen Abstieg "im Bereich des Möglichen. Wichtig ist, sich das zu vergegenwärtigen."

Erwartungen an die Rückrunde:

Von Europa redet in Bremen längst niemand mehr - zu Recht.

Dafür mangelt es auch an Qualität in allen Mannschaftsbereichen, mit Ausnahme der Torwartposition vielleicht, auch wenn sich der in den vergangenen Jahren so starke Tscheche Jiri Pavlenka in der Hinserie einige Patzer erlaubt hat. Die Frage ist, wer dem Team in kritischen Phasen durch Präsenz und Ansprache Halt gibt, es führt. In dieser Hinsicht wurde der Abgang von Max Kruse (Fenerbahce Istanbul) in seiner Wirkung unterschätzt.

Dem ehemaligen Hoffenheimer Kapitän Vogt ist diese Rolle zuzutrauen. Auch vom früheren niederländischen Nationalspieler Davy Klaassen kann hier noch mehr kommen. Ömer Toprak ist für die Abwehr gefühlt ein Zugang aus den eigenen Reihen - angesichts dessen, dass er in der ersten Halbserie aufgrund von Verletzungen kaum gespielt hat. In der Offensive ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem wieselflinken Milot Rashica. Kohfeldt bat bereits um Geduld für den Beginn der Rückrunde am kommenden Sonnabend, 15.30 Uhr (im Livecenter bei NDR.de). "Wir werden in Düsseldorf nicht den besten Werder-Fußball aller Zeiten sehen", sagte er dem NDR.

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