Stand: 23.01.2020 08:58 Uhr

Abstiegskampf? Bei Holstein Kiel "rauchen die Köpfe"

von Florian Neuhauss, NDR.de
Hauke Wahl (r.) und Johannes van den Bergh von Holstein Kiel applaudieren ihren Fans. © imago images Foto: imago images / Claus Bergmann
Quo vadis Holstein Kiel? Die "Störche" blicken in eine ungewisse Zukunft.

Hinter Holstein Kiel liegt ein bewegtes halbes Jahr samt Trainer- und Managerwechsel. Es ist eine Phase des Umbruchs, die die "Störche" in Abstiegsgefahr bringen könnte. Es liegt an dem neuen Coach Ole Werner, dass die Schleswig-Holsteiner künftig Offensiv- und Defensivspiel besser miteinander in Einklang bringen. Der Teamcheck.

So lief die Hinrunde

Die Saison begann für Holstein Kiel ganz anders, als sich das die "Störche" vorgestellt hatten. Unter dem neuen Trainer André Schubert gewannen die Schleswig-Holsteiner gerade mal eines ihrer ersten sechs Ligaspiele - und nach dem 0:3 in Heidenheim war für Schubert schon wieder Schluss. Sein Nachfolger Ole Werner, der von der U23 aufstieg und zunächst nur interimsweise übernahm, stabilisierte das Team, doch so richtig in Fahrt kam die KSV auch unter ihm nicht. Mit Werner hieß es hop oder top: Aus den folgenden sechs Spielen gab es zwar drei Siege, aber auch drei Niederlagen. Zudem setzte es bei Regionalligist Verl das Aus im DFB-Pokal. Enttäuschend ging es auch in die Winterpause, der Heimspielniederlage gegen Osnabrück folgten nur noch zwei Unentschieden. Der letzte Sieg datiert vom 30. November in Dresden. Kiel überwinterte auf Rang zehn.

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Fabian Reese (vorne) beim Trainingsstart von Holstein Kiel. © imago images / Holsteinoffice

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Einziger Neuzugang ist Rückkehrer Fabian Reese. Der Stürmer, der sich bei Bundesligist Schalke 04 nicht durchsetzen konnte, erhielt einen Vertrag bis zum Sommer 2023 und soll gleich mehrere Probleme auf einmal lösen. Der gebürtige Kieler soll zunächst den verletzten Mittelstürmer Janni Serra ersetzen, der mit sechs Treffer neben Jae-Sung Lee der erfolgreichste Torschütze ist. Auf der anderen Seite ist der Kieler Kader im Angriff ohnehin recht dünn besetzt. Neben Serra verspricht lediglich Emmanuel Iyoha Tore.

Mit 28 Spielern im Profi-Aufgebot ist Holstein quantitativ gut aufgestellt. Gerüchte um weitere Zugänge gibt es genauso wenig wie um mögliche Abgänge. Alle Beteiligten hoffen auf ein Comeback von Jannik Dehm noch in dieser Saison. Der Rechtsverteidiger hat sich unmittelbar vor Saisonbeginn das Schienbein gebrochen und wird behutsam aufgebaut.

Der Trainer: Werner ist der Hoffnungsträger

Die Verpflichtung Schuberts kam im Sommer sehr überraschend, war er doch einmal mehr in Braunschweig trotz des erfolgreichen Klassenerhalts mit seiner Art angeeckt. Über diese Entscheidung verlor dann auch Manager Fabian Wohlgemuth seinen Job.

Holstein Kiels Coach Ole Werner (r.) und Co-Trainer Fabian Boll © imago images/Holsteinoffice
Holstein Kiels Coach Ole Werner (r.) hat Ex-Profi Fabian Boll an seiner Seite.

Neuling Werner wurde so aber besonders von der Mannschaft mit offenen Armen empfangen. Kapitän Hauke Wahl und Co. warben öffentlichkeitswirksam darum, die Interims- schnell zur Dauerlösung zu machen. Und diesen Wunsch erfüllte dann auch Wohlgemuth-Nachfolger Uwe Stöver dem Team, obwohl Werner nebenbei noch seinen Fußballlehrerschein macht.

Der Trainerneuling zahlte derweil in seinen ersten Monaten ab und an Lehrgeld. Die offensive Ausrichtung barg Defensiv-Probleme, die Taktik war offenbar zu anspruchsvoll für Teile des Teams. Die Bilanz von fünf Siegen, drei Remis und vier Niederlagen ist auf jeden Fall ausbaufähig. Immerhin hat der erst 31-Jährige der Mannschaft wieder eine attraktive Spielweise verordnet und so zumindest die Hoffnung geweckt, dass die KSV im zweiten Halbjahr an die erfolgreichen Zeiten unter Aufstiegstrainer Markus Anfang und Tim Walter anknüpfen kann.

Erwartungen an die Restrunde

Bei lediglich vier Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 müssen die Kieler erst mal nach unten gucken. Zumal mit Nürnberg, Bochum oder Hannover eigentlich deutlich stärker eingeschätzte Teams hinter Holstein stehen. Doch mit Siegen in Stuttgart und dem Unentschieden gegen den HSV hat das Werner-Team gleichzeitig gezeigt, dass es mit jeder Mannschaft der Liga mithalten kann. "Wir wollen am Ende über dem Strich stehen, aber auch guten Fußball spielen", sagte Werner nach dem Trainingslager, in dem der Schwerpunkt auf der Taktik lag. "Ich glaube, die Köpfe rauchen, weil man schon versucht hat, Inhalte mit reinzugeben." Kann die Mannschaft wirklich Offensive und Defensive besser in Einklang bringen, spielen die "Störche" eine sorgenfreie Restrunde.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.01.2020 | 19:30 Uhr

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