Stand: 12.03.2019 08:55 Uhr

Tabellenkeller? Meppen ist dann mal weg

Der SV Meppen gewann acht seiner vergangenen elf Partien und befreite sich aus dem Abstiegskampf.

Vor ein paar Monaten leuchtete noch die Rote Laterne beim Drittligisten SV Meppen. Den Emsländern schien im zweiten Jahr nach der Rückkehr in den Profifußball wieder der Abstieg zu drohen. Doch dann zeigte der SVM Stehaufmännchen-Qualitäten - wieder einmal in seiner Historie.

Am Abend des 25. September des vergangenen Jahres sitzt Christian Neidhart mit versteinerter Miene auf der Pressekonferenz zur vorausgegangenen Auswärtspartie seines SV Meppen bei den Würzburger Kickers. "Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich total emotional bin", sagt der Coach zu Beginn seiner Spielanalyse. Der 50-Jährige beklagt daraufhin, dass sein Team nach der frühen 1:0-Führung durch Deniz Undav das zweite Tor verpasst habe und später eine gute Konterchance zum möglichen 2:1 ausließ. Zudem ärgert sich Neidhart über die zu lange Nachspielzeit: "Der 'Schiri' hatte drei Minuten angezeigt, dann werden es vier." Meppen hatte das Gegentor zur 1:2-Pleite Sekunden vor Ultimo bekommen und bleibt Tabellenletzter. Wer solche Spiele verliert, steigt am Ende ab, heißt es nach derartig unglücklichen Pleiten von Kellerkindern gerne. Nach lediglich einem Sieg aus den ersten neun Begegnungen sieht es damals tatsächlich düster für die Emsländer aus.

Abstiegsplätze weit hinter sich gelassen

Vorzeitig abschreiben aber sollte - das hat die Geschichte gelehrt - diesen Verein niemand. Denn immer schon waren zähe Burschen für ihn am Ball. So etwa von 1987 bis 1998, als sich die Meppener als "gallisches Dorf" in der Zweiten Liga behaupteten. Oder später auch nach Abstiegen und einer Insolvenz (2001). Der SVM rappelte sich stets wieder auf. So auch in dieser Saison. Denn wenn es heute (19 Uhr) zum Rückrunden-Duell mit Würzburg kommt, hat das Abstiegsgespenst im Stadion an der Lathener Straße Hausverbot. Nach acht Siegen aus den vergangenen elf Partien dürfen die Emsländer langsam mit den Planungen für eine weitere Drittliga-Saison beginnen. Ihr Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt satte zehn Zähler. Dementsprechend groß ist der Respekt von Würzburgs Coach Michael Schiele vor dem erfolgreichsten Rückrunden-Team der Liga: "Das ist eine Hammer-Mannschaft, die haben gerade einen super Lauf."

"Zugelaufener" Proschwitz ein Glücksfall

Fraglos richtig, ja. Aber warum ist dem so, Herr Schiele? "Die Offensiv-Abteilung hat es in sich", beginnt Würzburgs Coach geradezu von der "Abteilung Attacke" des kommenden Kickers-Kontrahenten zu schwärmen: "Wenn man sieht, wie viele Tore Proschwitz gemacht hat, den muss man erst mal bändigen." Neun Mal war er bis dato erfolgreich, dieser Proschwitz. Nick heißt er mit Vornamen und stand irgendwann in Meppen auf der Matte, um ein bisschen mitzutrainieren. Denn nach dem Ende seines Engagements beim niederländischen Club Sparta Rotterdam war der Angreifer arbeitslos. Oder wie es in Profi-Fußballerkreisen heißt: vereinslos. Keine schöne Situation für einen Mann, der in seiner bewegten Vita schon in der englischen Premier League kickte und in der Saison 2011/2012 Zweitliga-Torschützenkönig im Trikot des SC Paderborn wurde. Weil es irgendwann nicht mehr so gut für ihn lief, landete Proschwitz schließlich im Emsland und blüht im Herbst seiner Karriere nun im Meppener Trikot noch einmal auf.

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Die Mischung stimmt

Der Schlacks ist nicht der einzige Kicker im SVM-Kader mit einem Bruch in seiner fußballerischen Biografie. Auch andere Leistungsträger wie Thilo Leugers (lief für Twente Enschede in der Champions League auf) oder Marcus Piossek, der zum 1:0-Sieg am Sonnabend in Unterhaching traf, standen schon bei weitaus namhafteren Clubs unter Vertrag. Hinzu kommen ein paar jüngere Akteure wie der Ex-Gladbacher Marco Komenda oder Fabian Senninger (von Hannover 96 ausgeliehen), die einen Schritt rückwärtsgegangen sind, um zwei vorwärtszukommen.

Nicht zu vergessen ist da natürlich noch die Riege der gestandenen Recken um Steffen Puttkammer, Jovan Vidovic und Keeper Erik Domaschke. Sie bringen nicht nur viel Erfahrung ein, sondern auch diese Unaufgeregtheit mit, die den ganzen Verein ausmacht. "Es ist dort immer ruhig geblieben", lobt Würzburgs Trainer Schiele die Meppener Chefetage.

Coach Neidhart: "Wir bleiben bescheiden"

Medial groß in Erscheinung treten Sportvorstand Heiner Beckmann und Co. nur selten. Sie lassen lieber Neidhart erklären, warum es gut läuft - oder eben auch mal schlechter. Und der 50-Jährige verkörpert mit seiner Ruhe und Sachlichkeit in gewisser Weise ja auch diesen Verein, der im Vergleich zu vielen Drittliga-Konkurrenten schlechtere Rahmenbedingungen hat. Negativserien weiß der Trainer deshalb genauso gut einzuordnen wie den jüngsten Höhenflug. Sein Lieblingssatz lautet daher: "Wir bleiben bescheiden."

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