TSV Havelse im Teufelskreis: Keine Punkte und ein Stadionproblem

Stand: 10.09.2021 11:52 Uhr

Für den Aufsteiger TSV Havelse wird das "Abenteuer" Dritte Liga zunehmend ein Albtraum. Sportlich sind die Niedersachsen kaum konkurrenzfähig - und auch wirtschaftlich ist der Ausflug in den bezahlten Fußball nicht gerade lukrativ.

Wegen der DFB-Auflagen mussten die Garbsener nach dem Aufstieg aus ihrem Wilhelm-Langrehr-Stadion in die Heimstätte des Zweitligisten Hannnover 96 umziehen. 49.200 Plätze und Bundesliga-Flair: "Wenn die Jungs in die Arena kommen, haben sie schon das Gefühl, dass sie im großen Fußball angekommen sind", sagte der Sportliche Leiter Matthias Limbach dem NDR.

Hohe Kosten für Heimspiele in WM-Arena

Doch finanziell ist fast jedes Heimspiel für den Aufsteiger ein Verlustgeschäft. Da Havelse Untermieter im 96-Stadion ist, sind die Kosten entsprechend hoch: "Wir bezahlen Eintrittsgeld, dass wir überhaupt dort spielen dürfen. Die Reinigung muss bezahlt werden, die Sicherheit, das Ticketing, die Einlasskontrollen, die verschiedenen Werbebanden, die angefahren werden müssen - und der Presseraum muss jedes Mal umgebaut werden", erklärte Geschäftsführer Harry Wiesner dem NDR. "Wirtschaftlich ist das für uns mehr als ein Abenteuer."

Limbach nannte Zahlen: "Ein Spieltag liegt zwischen 55.000 und 60.000 Euro Kosten. Eine gute Million im Jahr - dafür, dass wir da spielen", sagte der Sportliche Leiter. "Das müsste man theoretisch über Zuschauereinnahmen wieder reinholen, das gelingt uns aber nicht."

Julius Langfeld (r.) vom TSV Havelse im Duell mit Nick Galle vom 1. FC Saarbrücken © IMAGO / osnapix
AUDIO: Problem Kosten: Kleines Havelse im großen Hannover-Stadion (2 Min)

Wiesner: "Schließen mit schwarzer Null ab"

Der aktuelle Zuschauerschnitt des Aufsteigers liegt bei knapp 1.800 Fans. Nur aufgrund der im Vergleich zur Regionalliga deutlich gestiegenen Fernsehgelder und der größeren medialen Aufmerksamkeit lässt sich der Verlust ausgleichen: "Wir haben deutlich mehr Sponsoren als vorher", sagte Wiesner. Der Geschäftsführer prognostizierte: "Wir sind immer noch im Plan. Wir schließen mit einer schwarzen Null ab."

Sportlich fehlt die Qualität

Dies bedeutet aber auch: Es ist kein Geld vorhanden, um die Mannschaft sportlich zu verstärken. Mit sieben Niederlagen aus den ersten sieben Spielen belegt der TSV den letzten Platz in der Dritten Liga. Das Team, das fast ausschließlich aus Halb-Profis besteht, ist der Konkurrenz kaum gewachsen. Inwieweit daran auch die geisterhafte Atmosphäre in der riesigen 96-Arena ihren Anteil hat, bleibt spekulativ. Doch auch Limbach räumt ein: "Ich glaube, wir verlieren Punkte dadurch, dass wir nicht im Wilhelm-Langrehr-Stadion spielen."

Wie lässt sich der sportliche Nachteil für die Niedersachsen ausgleichen? "Die Alternative kann nur ein Stadion-Neubau sein", sagte Wiesner. Doch dieses Modell der Zukunft hilft dem TSV in der Gegenwart nicht weiter.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.09.2021 | 14:00 Uhr

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