Stand: 05.12.2018 19:29 Uhr

St. Paulis Fans - Wegbereiter für Montagsspiel-Aus

Klare Aussage der St.-Pauli-Fans: "We don't like Mondays".

Als eine Ehre haben die Fans des FC St. Pauli das nie angesehen: Gastgeber des ersten Montagsspiels in der zweiten Fußball-Bundesliga gewesen zu sein, damals, am 18. Oktober 1993 gegen den VfL Bochum (1:1). Vielmehr war dies der Beginn eines bundesweiten Protests gegen diese Terminansetzung, der nun, nach mehr als 25 Jahren, das erhoffte Ziel erreicht hat. Von der Saison 2021/2022 an wird es nach einem Beschluss der Zweitliga-Vereine keine Partien mehr an dem umstrittenen Termin geben. Die Entscheidung dazu fiel, wie passend, an einem Montag. Für die Fans des FC St. Pauli ist dies ein enormer Erfolg, waren sie doch in dem jahrelangen Protest mit ihren Aktionen über lange Strecken hinweg federführend.

Mal mehr und mal weniger originelle Slogans

Weitere Informationen

Ergebnisse und Tabelle 2. Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

"Montags gehört Vati mir", titelte schon 1997 das St.-Pauli-Fanmagazin "Der Übersteiger". Es war die Abwandlung eines alten Gewerkschaft-Slogans beim Kampf um die Arbeitszeitverkürzung ("Samstags gehört Vati mir"). Zudem wurde durch Sprechchöre und Banner bei Heimspielen im Millerntorstadion oder auswärts eindeutig gegen die Ansetzungen am ersten Wochentag Stellung bezogen. Die Spruchbänder mit der Aufschrift "We don't like Mondays" gehörten da noch zu den moderateren Aussagen. Es gab auch wiederholt verbale und textliche Beschimpfungen des übertragenden Fernsehsenders in Fäkal-Sprache. Den entscheidenden Beitrag zum Aus für den Montagstermin dürften aber wohl eher die Stimmungsboykotts der jüngeren Vergangenheit geleistet haben.

Göttlich: Perspektivisch sind andere Themen wichtiger

"Die Abschaffung der Montagsspiele freut sicherlich unsere Fans, da es ihre Planungen erleichtert, den FC St. Pauli zu dessen Spielen zu begleiten", sagte Oke Göttlich, Präsident des Hamburger Traditionsvereins, im Gespräch mit NDR.de. Ansonsten agierte der 43 Jahre alte Unternehmer im Musikvertrieb in der Bewertung des Entscheids aber recht defensiv. Folgende Aussage tätigte er aber noch: "Wir haben uns schon vor längerer Zeit gegen die Montagsspiele ausgesprochen, aber perspektivisch sind uns der Erhalt von 50+1, die Solidarität zwischen Bundesliga und Zweiter Liga und eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder wichtiger."

Fanladen St. Pauli begrüßt Entscheidung

Videos
00:28

So funktioniert "kalte Pyrotechnik"

Sven Langner vom Fanladen St. Pauli demonstriert im Millerntorstadion, wie "kalte Pyrotechnik" funktioniert. Video (00:28 min)

Im Fanladen St. Pauli sind sie dagegen sehr offen ziemlich einverstanden mit der Entscheidung gegen den Montagabend-Termin. "In der aktiven Fan-Szene wird das sicherlich sehr positiv gesehen. Schließlich mussten jene Fans, die ihr Team zu den Auswärtsspielen an einem Montagabend begleitet haben, dafür einen bis zwei Urlaubstage in Anspruch nehmen", sagte Sven Langner NDR.de. Wirtschaftliche Nachteile für die Vereine wegen des Wegfalls der Montagabendspiele erwartet er nicht: "Ich könnte mir vorstellen, dass es am Samstagabend einen zusätzlichen Termin, also nach dem Bundesligaspiel, geben wird. Das dürfte dann wohl 20.30 Uhr sein. Und ich glaube, dass es in der Fan-Szene weniger Widerstand dagegen geben wird."

Dass es nun mittelfristig zur Abschaffung des Montag-Termins kommen wird, sei das Ergebnis einer konzertierten Aktion, so Langner: "Insgesamt war es eine bundesweite Bewegung - und mit Sicherheit haben die Fans des FC St. Pauli ihren Teil dazu beigetragen."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.12.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Sport

01:31
NDR 2
01:43
NDR 2

Hannover 96 denkt sich den Bayern-Sieg

14.12.2018 12:05 Uhr
NDR 2
01:58
NDR Info