Stand: 29.07.2019 22:32 Uhr

St. Pauli kassiert in Bielefeld späten Ausgleich

von Hanno Bode, NDR.de
Youngster Christian Conteh (l.) brachte St. Pauli in Bielefeld in Front.

Der von großem Verletzungspech geplagte FC St. Pauli hat in seiner Zweitliga-Auftaktpartie bei Arminia Bielefeld einen Sieg nur ganz knapp verpasst. Die Hamburger führten am Montagabend bis kurz vor Schluss bei den Ostwestfalen mit 1:0, bevor sie nach einer Standardsituation noch den Ausgleich hinnehmen mussten. Der Kiezclub zeigte nach durchwachsener Vorbereitung und den daraus resultierenden Nebengeräuschen eine überraschend starke Vorstellung. Youngster Christian Conteh brachte die Gäste im ersten Abschnitt bei seinem Profi-Debüt in Führung (32.). Manuel Prietl gelang in der 90. Minute der 1:1-Endstand.

Mit Notelf beim besten Rückrunden-Team 2019

1.Spieltag, 29.07.2019 20:30 Uhr

Arm.Bielefeld

1

FC St. Pauli

1

Tore:

  • 0:1 C. Conteh (32.)
  • 1:1 Prietl (90.)

Arm.Bielefeld: Ortega - Clauss, Behrendt, Salger (86. Consbruch), Hartherz - Prietl, Edmundsson - Staude (59. Soukou), Yabo (69. Seufert), Voglsammer - Klos
FC St. Pauli: Himmelmann - Y.-Y. Park, Avevor, Knoll, Buballa - Miyaichi, Möller Daehli (80. Zehir), Hornschuh (63. N. Hoffmann), Becker, C. Conteh (90.+2 Gyökeres) - Diamantakos
Zuschauer: 23857

Weitere Daten zum Spiel

Da stand er nun auf dem Rasen auf der Bielefelder Alm, hob den Daumen und setzte sein breitestes Lächeln auf. Man konnte ein paar Minuten vor Beginn der Partie St. Paulis bei der Arminia beinahe den Eindruck gewinnen, dass Jos Luhukay ein sehr zufriedener Trainer ist. Dabei hatte sich der Niederländer am Vortag in der Presserunde zum Auftaktspiel der Hamburger doch noch so bitterlich beklagt über die Gegegebenheiten beim Kiezclub. In allen Bereichen müsse mehr Professionalität einziehen, forderte der 56-Jährige. Und auch der ihm derzeit zur Verfügung stehende Kader würde so gar nicht seinen Ansprüchen genügen. "Vier Transferperioden" bräuchte man "normalerweise", um ein leistungsfähiges Aufgebot zusammenzustellen, so der aufgebrachte Luhukay.

Das war ziemlich harter Tobak für einen leitenden Angestellten und erinnerte ein wenig an die legendäre Wutrede von "Maestro" Giovanni Trapattoni aus dem Jahr 1998 ("Schwach wie eine Flasche leer"). Nachdem der gute Mann seinem Team also öffentlich mehr oder minder die Zweitliga-Tauglichkeit abgesprochen hatte: "70 Prozent der Spieler sind nicht in der Lage, mehr als 15 Spiele in einer Saison zu machen", sollte die aus Verletzungsgründen arg dezimierte Equipe - sieben Akteure fielen aus - mal eben bei der besten Rückrunden-Mannschaft der vergangenen Serie bestehen.

Conteh belohnt leidenschaftlichen St.-Pauli-Auftritt

Kann nicht klappen? Doch, sehr wohl! Denn die St.-Pauli-Profis, die gerade nicht mehr Zeit beim Arzt als auf dem Trainingsplatz verbringen, legten ganz viel Leidenschaft in die Waagschale. Zudem agierten die Hamburger im ersten Abschnitt taktisch sehr diszipliniert, ließen den Bielefeldern kaum Raum zum kombinieren. Und dann war da ja noch ein Mann namens Christian Conteh. Der 19-Jährige sammelte im Herrenbereich bis zu diesem Montagabend lediglich Regionalliga-Erfahrung. Nun feierte der Außenangreifer wegen der großen Personalnot sein Profi-Debüt. Und was für eines. In der 32. Minute traf er nach Vorlage von Mats Möller Daehli zum 1:0. Dass Conteh vor seinem Abschluss noch zwei Arminen ziemlich cool ins Leere laufen ließ, zeugte von großer Gelassenheit und viel Talent.

Vielleicht sollte sich Luhukay die Sache mit den von ihm geforderten externen Zugängen noch einmal durch seinen Kopf gehen lassen. Denn in den Nachwuchsmannschaften des Kiezclubs sollen sich noch einige weitere sehr begabte Kicker tummeln... In Finn Ole Becker berief der Trainer übrigens einen weiteren 19-Jährigen in seine Startelf. Er machte aus der Not eine Jugend.

Kiezclub in Hälfte zwei im Glück

Die Mischung zwischen Jung und Alt stimmte bei St. Pauli an diesem Abend. Die Leistung in der ersten 45 Minuten war fußballerisch in Ordnung und kämpferisch sehr gut. Bis zur Pause ließen die Gäste nur einige Halbchancen der Ostwestfalen zu. Bei ihren Kontern waren die Norddeutschen zudem stets gefährlich. Einzig beim finalen Pass agierten sie zu unpräzise. Dennoch durfte Nörgler Luhukay zur Halbzeit zufrieden sein. Nach dem Seitenwechsel geriet seine Elf, in der Routinier Marc Hornschuh nach fast zweijähriger Verletzungspause sein Zweitliga-Comeback feierte, allerdings zunächst mächtig unter Druck. Reinhold Yabo (48./Latte) und Jonathan Clauss (scheiterte an Keeper Robin Himmelmann/51.) hatten den Ausgleich auf dem Fuß. Die Gäste hatten in dieser Phase das häufig zitierte "Glück des Tüchtigen". So auch ein weiteres Mal in der 72. Minute, als Schiedsrichter Bastian Dankert bereits auf Handelfmeter entschieden hatte, den Strafstoß dann aber nach Ansicht der Videobilder zurücknahm. Daniel Buballa war der Ball nach einer Clauss-Flanke an den Oberarm gesprungen.

Prietl gleicht kurz vor Ultimo aus

Bis kurz vor Ultimo verteidigten die Gäste ihren Vorsprung. Dann konnte Prietl nach einer Bielefelder Ecke nicht am Kopfball gehindert werden. Der Österreicher traf in der Schlussminute zum letztlich leistungsgerechten 1:1-Unentschieden. Luhukay fand dennoch lobende Worte für seine Equipe: "Die Mannschaft hat sich an der Leistungsgrenze bewegt und alles gegeben."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.07.2019 | 19:30 Uhr