Stand: 17.10.2019 21:32 Uhr

St.-Pauli-Talkrunde: Proteste gegen Grote und Koch

Die Teilnahme von Hamburgs Innensenator Andy Grote (l., hier mit Clubchef Oke Göttlich) an der St.-Pauli-Talkrunde stieß einigen Fans übel auf.

Mehrere hundert Anhänger des Zweitligisten FC St. Pauli haben am Donnerstagabend wie angekündigt vor dem Millerntorstadion gegen Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) und DFB-Vizepräsident Rainer Koch demonstriert. Sie entrollten ein Spruchband mit der Aufschrift "Nein zum Polg-Hh!!!" (Polizeigesetz Hamburg), während in der Arena die Diskussion zum Thema "Unser Fußball - braucht neue Werte" stattfand.

Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen

Wegen der angekündigten Proteste hatten sich die Veranstalter entschlossen, die Öffentlichkeit auszuschließen. Das Ziel, über neue Werte im Fußball zu diskutieren, sehe man in der ursprünglichen Form stark gefährdet, wurde ein Sprecher des veranstaltenden Fanclubs "fairnetzer.1910" auf der St.-Pauli-Website zitiert. "Durch die Intervention und den Protest von verschiedenen Fangruppierungen und nun auch durch politische Gruppen sehen wir einen reibungslosen Ablauf der Podiumsdiskussion nicht mehr gewährleistet und können sie daher aus Sicherheitsgründen nicht wie geplant durchführen", hatte er begründet.

"Das Präsidium bedauert die Entscheidung, denn der FC St. Pauli steht für eine offene und tolerante Diskussionskultur", erklärte Oke Göttlich, Clubchef des Hamburger Fußball-Zweitligisten.

Ultras drohten mit Interventionen

Weitere Informationen

Nach St.-Pauli-Rauswurf: Sahin nun bei Basaksehir

Cenk Sahin trainiert nach seinem Rauswurf beim FC St. Pauli bei Basaksehir Istanbul mit. Er empfinde es als "Ehre", dass der türkische Erstligist ihn in dieser "schwierigen" Zeit unterstütze. mehr

Den Ultras, die bei Heimspielen auf der Südtribüne stehen, hatte die Gästeliste nicht gepasst. Sie drohten dem FC St. Pauli unverhohlen mit Interventionen, sollten Hamburgs Innensenator Grote und DFB-Vizepräsident Koch nicht wieder ausgeladen werden. Aus der Sicht von "Ultrà Sankt Pauli" (USP) sind Grote und Koch "nicht zu akzeptieren". "Wir halten die Teilnahme dieser beiden Personen bei einer Diskussion über ,Werte' in unserem Stadion für völlig deplatziert und nicht akzeptabel", heißt es in einer USP-Mitteilung. Und weiter: "Mit den beiden genannten Personen soll jetzt ausgerechnet zwei Hardlinern, die in ihren Bereichen für eine erschreckende autoritäre Umgestaltung der Gesellschaft stehen, in unserer Südkurve eine Bühne geboten werden." Die Ultras planen, "die Veranstaltung entsprechend zu begleiten".

Auch HSV-Sportchef Boldt dabei

An der Debatte nahm ein Sextett teil. Neben Grote, Koch und Göttlich sind dies auch der ehemalige Sportclub-Moderator Gerhard Delling, HSV-Sportchef Jonas Boldt und Annika Rittmann, die Demonstrationen von "Fridays for Future" in Hamburg mitorganisiert. In der Gesprächsrunde sollte es unter anderem um Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz gehen und wie der Profi-Fußball auf diese Themen reagiert.

Weitere Informationen

Ergebnisse und Tabelle 2. Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.10.2019 | 19:30 Uhr