Stand: 06.10.2019 23:22 Uhr

Sobotzik: "Dinge, die niemand erleben will"

Thomas Sobotzik hat am Sonntag im NDR Sportclub über die Drohungen von rechtsextremen Fans des Chemnitzer FC gesprochen, die Anfang September zu seinem Rücktritt als Sportchef des Drittligisten geführt hatten. "Blanken Hass" habe er erlebt, schrieb der 44-Jährige damals in seiner Rücktrittserklärung. "Das sind Dinge, die niemand erleben will", sagte Sobotzik im Gespräch mit Moderator Ben Wozny. Hatte er Angst um Leib und Leben? "Zumindest meine Frau ist froh, dass ich jetzt zu Hause bin", betonte Sobotzik, der als aktiver Fußballer unter anderem beim FC St. Pauli in der Bundesliga gespielt hat.

Chemnitzer FC seit Monaten in den Schlagzeilen

Der finanziell schwer angeschlagene Chemnitzer FC schreibt seit Monaten negative Schlagzeilen. Im März dieses Jahres hatte es im Stadion bei der Partie gegen Altglienicke eine Trauerbekundung für einen verstorbenen Neonazi gegeben. Kapitän Daniel Frahn wurde Anfang August vom CFC entlassen, nachdem er beim Auswärtsspiel in Halle zwischen Mitgliedern der rechten Fanszene gesessen hatte.

Weitere Informationen
Link

Chronologie: Der Kampf um den Chemnitzer FC

Der Chemnitzer FC blickt auf 16 stürmische Monate zurück. Der MDR hat eine Chronologie der Ereignisse zusammengestellt. extern

Sobotzik: Möchte in so einem Umfeld nicht arbeiten

Die Trauerfeier im Stadion sei durch extremen Druck von Fans auf den Veranstaltungsleiter zustande gekommen, betonte Sobotzik: "Der Veranstaltungsleiter hat mir gesagt, er habe nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt." Später feierte der insolvente Club den Aufstieg in die Dritte Liga. Doch richtig freuen konnte sich Sobotzik darüber nicht. "Es ging dann nicht mehr um Fußball. Das hat mich letztlich auch ziemlich früh dazu veranlasst, über das Aufhören nachzudenken."

Besonders negativ blieb Sobotzik das entscheidende Spiel zum Aufstieg in Erinnerung. "Wenn Sie in einem Spiel, bei dem sich die Leute eigentlich in den Armen liegen sollten, beschimpft, bedroht und mit Bierbechern beworfen werden, dann fragen Sie sich: Was soll denn passieren, wenn es mal nicht läuft", sagte Sobotzik: "Da habe ich beschlossen, dass ich in so einem Umfeld nicht arbeiten möchte."

"Rechtsradikalismus ist keine Meinungsäußerung"

Gleichzeit betonte der ehemalige Profi, dass die rechten Fans in Chemnitz nicht in der Überzahl seien. "Da nimmt letztlich eine kleine Minderheit alle anderen in Geiselhaft und verursacht maximalen Schaden für den Verein, die Stadt und die Region." Ein reines Ost-Problem sei Rechtsextremismus im Stadion nicht. "Ich finde es nicht fair, das Thema auf die ostdeutschen Vereine zu reduzieren", betonte Sobotzik, der vor allem bei unterklassigen Clubs Probleme sieht.

"Die Vereine tun viel, aber das Thema ist viel komplexer. Die Clubs müssen sich mit einem riesengroßen Problem auseinandersetzen, verfügen aber nur über geringe personelle Ressourcen. Die Kurve ist der Querschnitt der Gesellschaft." Sobotzik unterstrich: "Rechtsradikalismus ist keine Meinungsäußerung. Das widerspricht ganz klar dem Grundgesetz. Wir haben die Pflicht, für die richtigen Werte zu kämpfen."

Zukunft im Fußball wünschenswert

Wie geht es nach Sobotziks Meinung weiter beim Chemnitzer FC? "Das Problem ist nicht in ein, zwei oder drei Jahren zu lösen. Man muss standhaft bleiben. Es gibt Persönlichkeiten aus der Region, denen es leichter fallen wird als einem Fremden wie mir, dauerhaft etwas zu bewirken." Seine eigene Zukunft sieht er weiterhin im Fußball. "Ich tingel' jetzt durch die Stadien der Republik, um auf Stand zu bleiben. Und hoffe, auch in Zukunft wieder als Sportdirektor oder in ähnlicher Funktion zu arbeiten", sagte Sobotzik.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 06.10.2019 | 23:00 Uhr