Werder Bremens Stürmer Nicals Füllkrug nimmt nach seinen drei Toren auf Schalke den Spielball mit in die Kabine © imago images / Kirchner-Media

Schalke-Schreck Füllkrug: Ball weg, Trainer weg

Stand: 27.09.2020 12:19 Uhr

Niclas Füllkrug hat Werder Bremen mit seinem Hattrick fast im Alleingang zum 3:1-Sieg auf Schalke geschossen. "Königsblau" hatte anschließend einen Spielball weniger. Und nun ist auch der Coach weg.

von Hanno Bode, NDR.de

Vielleicht ist es Niclas Füllkrug noch nicht zu Ohren gekommen, dass der FC Schalke 04 derzeit jeden Groschen mindestens zweimal umdrehen muss. Die finanzielle Situation beim Gelsenkirchener Fußball-Bundesligisten ist so angespannt, dass er vor einigen Wochen sogar 24 seiner langjährigen Busfahrer entließ. Einem nackten Mann noch in die Tasche zu greifen - es ist eigentlich eine Unverschämtheit. Doch im Rausch der Gefühle konnte Werder Bremens Angreifer nach seinen drei Toren zum 3:1-Erfolg auf Schalke nicht anders: Er stibitzte vereinseigenes Inventar, den Spielball.

Wagner-Aus nach Füllkrug-Hattrick

"Der kommt bei mir in die Vitrine", sagte der 27-Jährige nach seinem zweiten Bundesliga-Hattrick. Im Januar 2018 war ihm dasselbe Kunsstück schon einmal bei einem 3:2-Sieg seines damaligen Clubs Hannover 96 gegen den 1. FSV Mainz 05 gelungen. Dieser Dreierpack hatte nun aber gravierendere Folgen - und zwar für Schalke. Denn neben dem Spielball (Kostenpunkt: ab 82 Euro) ist nun auch der Trainer weg. Am Sonntagmorgen entließen die "Knappen" David Wagner nach saisonübergreifend 18 sieglosen Partien.

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Wegen Kreuzbandriss lange außer Gefecht

So eine Horror-Serie wie Schalke hatte nicht einmal Werder in seiner vergangenen Horror-Saison hingelegt. Dass sich die Hanseaten durch sehr viele irritierende Auftritte dennoch sehr lange um eine Zweitliga-Teilnahme bewarben, gründete nicht nur, aber auch auf ihren Sturmproblemen. Und damit auch auf dem langen Ausfall von Füllkrug, der wegen eines im September erlittenen Kreuzbandrisses erst wieder am 31. Spieltag zur Verfügung stand. Mit "Lücke", wie der gebürtige Hannoveraner gerufen wird, bekamen die Bremer noch einmal einen Mentalitäts- und Qualitätsschub. Der 27-Jährige riss die verunsicherte Mannschaft mit und traf in vier Partien zweimal.

Werder gelang über die Relegation die Rettung. In dieser Serie soll nun alles viel, viel besser werden an der Weser - auch wegen Füllkrug.

Zu Saisonbeginn nur Teilzeitarbeiter

Doch für den Stürmer lief es bis zur Schalke-Begegnung überhaupt nicht nach seinem Gusto. Im Pokal bei Jena - Ersatz. Zum Bundesliga-Auftakt gegen die Hertha - Ersatz. Der Hoffnungsträger als Bankdrücker? Es schien zunächst so. Man konnte, wenn man denn wollte, Füllkrugs Degradierung zum Teilzeitarbeiter auch als Resultat von Unstimmigkeiten mit Coach Florian Kohfeldt sehen. Nach dem Relegationshinspiel gegen Heidenheim (0:0) hatten sich beide ein kurzes Wortgefecht geliefert. Im Österreich-Trainingslager schickte der Trainer seinen Ziehsohn - betreute den Torjäger schon in der Werder-Jugend - dann gar bei einer Übungseinheit vorzeitig vom Platz.

"Er fühlt sich jetzt bereit"

Bahnte sich da das Ende einer Männerfreundschaft an? Mitnichten, wie Kohfeldt stets betonte. Der 37-Jährige wies wiederholt darauf hin, Füllkrug nach dessen langer Verletzungspause behutsam aufbauen zu wollen. So auch vor dem Schalke-Spiel: "Ich sehne den Moment herbei, an dem ich wieder voll auf Niclas zurückgreifen kann." In den Tagen vor der Partie steckten der Coach und der Angreifer häufiger die Köpfe zusammen, sprachen viel. Kohfeldt entschied dann "aus dem Bauch heraus", den 27-Jährigen in die Startelf zu stellen. "Ausschlaggebend war, dass er sagte, dass er sich jetzt bereit fühlt", erklärte der Trainer.

Keine Stammplatz-Garantie von Kohfeldt

Füllkrug zahlte das Vertrauen mit drei Toren zurück. Aber nicht nur seine "Buden" taten dem in der Vorwoche gegen die Hertha so schwerfälligen Bremer Spiel gut, wie der 27-Jährige selbst zufrieden feststellte: "Ich glaube man weiß, was man von mir kriegt, wenn ich auf dem Platz stehe. Das hat nicht immer unbedingt mit Toren zu tun. Ich denke, dass ich eine gewisse Mentalität und Art und Weise auf den Platz bringe, die der Mannschaft heute gut tat." Die Erinnerung an seinen Gala-Auftritt kann Füllkrug niemand mehr nehmen. Seinen Platz in der Anfangsformation aber sehr wohl. "Es gibt keinen Automatismus, dass er nächste Woche wieder Startelf spielt und wieder und wieder und wieder", sagte Kohfeldt.

Der Coach hat im Angriff in Davie Selke und dem derzeit gesetzten Joshua Sargent tolle Alternativen. Und Schalke? "Königsblau" hat nun - auch wegen Füllkrug - nicht mal mehr einen Trainer...

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 27.09.2020 | 22:50 Uhr

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