Rostocks Matchwinner Fröde: Ein Hansa-Debüt wie im Märchen

Stand: 13.09.2021 11:45 Uhr

Beim Karlsruher SC fühlte sich Lukas Fröde nicht mehr gebraucht. Beim Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock gelang dem Defensivspieler gegen Darmstadt 98 eine perfekte Premiere, die die Fans im Ostseestadion in Ekstase versetzte.

von Christian Görtzen

Vor drei Wochen hätte Fröde wohl kaum zu träumen gewagt, dass es so schnell so kommen würde. Dass er völlig losgelöst auf den Knien Richtung Fankurve rutschen würde, mit weit offenem Mund und einem "Jaaaaa!!!"-Schrei auf den Lippen, der viel länger war, als es sich hier maßvoll ausdrücken ließe. Dass er die Hansa-Anhänger auf der Tribüne des Ostseestadions vor lauter Glück schier ausrasten und die noch halbvollen Bierbecher durch die Luft fliegen sehen würde, als handelte es sich bei den Spritzern um die Funken eines Feuerwerks.

"Das ist so eine Geschichte, die kann fast nur der Fußball schreiben. Das ist phänomenal." Lukas Fröde

Und vor allem: Dass er in diesem verrückten Film die Hauptrolle spielen würde, dass die vielen Menschen im Stadion dies alles seinetwegen veranstalteten. Oder vielmehr für das, was er in der 86. Minute des Heimspiels von Hansa Rostock gegen den SV Darmstadt 98 getan hatte.

Hansa-Trainer Härtel: "Er hat seine Leistung gekrönt"

Als der defensive Mittelfeldspieler die Flugkurve des von Nik Omladic scharf hereingebrachten Eckballs sah, war bei Fröde kein Zögern zu erkennen. Es war die pure Entschlossenheit, diese Kugel jetzt so kurz vor Ultimo unbedingt über die Torlinie drücken zu wollen. Und das gelang vortrefflich - mit einem harten, nicht zu parierenden Kopfball. Er, der Debütant beim FC Hansa, war zum Matchwinner geworden. "Dass er heute auch noch direkt das Tor macht, dass er damit seine gute Leistung krönt, ist für uns alle überragend", sagte Hansa-Trainer Jens Härtel dem NDR.

VIDEO: Hansa-Profi Fröde: "Solche Momente erlebt man nicht so oft im Leben" (1 Min)

Schon mit KSC zu Gast im Ostseestadion

Frödes erstes Saisonspiel im Ostseestadion war es indes nicht. Er war schon einmal da gewesen, am ersten Spieltag, mit dem Team des Karlsruher SC. Die Badener siegten mit 3:1. Fröde wurde noch in der 88. Minute eingewechselt, aber da war die Partie längst entschieden. Es war nur eine Randnotiz, die Hansa-Fans nahmen ihn kaum wahr. Schlimmer war, dass ihn eben dieses Gefühl auch beim KSC-Trainer Christian Eichner beschlich. In den kommenden drei Spielen stand der 26-Jährige nicht im Kader, gegen Nürnberg kam er in die 90. Minute in die Partie. Er wusste, er musste weg. Und der FC Hansa lieh ihn aus.

Fröde: "Diese Momente erlebt man nicht so oft"

Der Einstand bei der "Kogge" war sogar vorne und hinten perfekt. In der dritten Minute hatte der 1,92-Meter-Hüne einen Kopfball des Darmstädters Lasse Sobiech auf der Torlinie geklärt, kurz vor Schluss netzte er dann zum Siegtor ein. "Das ist so eine Geschichte, die kann fast nur der Fußball schreiben. Das ist phänomenal", sagte der Matchwinner dem NDR. "Das sind Momente, die erlebt man nicht so oft. Die muss man dann, glaube ich, auch genießen."

Und das tat der gebürtige Fuldaer, der bei Werder Bremen ausgebildet wurde, dann auch. Nach dem Schlusspfiff saugte er die Atmosphäre förmlich in sich auf, blickte immer wieder hinauf zu den jubelnden Anhängern. Der zweite Saisonsieg war geschafft. Und er, der noch vor drei Wochen das unschöne Gefühl hatte, sich in einer Sackgasse seiner Karriere zu befinden, hatte eine ganze Menge dazu beigetragen.

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