Trainer Thomas Schaaf (l.) erklärt den Werder-Profis etwas an der Tafel. © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Rettet Schaaf Werder? Die Farbe der Hoffnung in Bremen ist Grün

Stand: 22.05.2021 07:55 Uhr

Für Werder Bremen geht es heute um alles. Mit einem Sieg gegen Gladbach wären die Hanseaten gerettet, wenn zeitgleich Bielefeld nicht gewinnt. Schon bei einem Remis hingegen droht der direkte Abstieg aus der Bundesliga.

Wenn das scheinbar Unmögliche möglich werden soll, müssen psychologische Kniffs herhalten oder einfach nur kleine Änderungen im alltäglichen Ablauf. So veränderte 1999 der damals frisch inthronisierte Werder-Trainer Thomas Schaaf für die Mission Klassenerhalt den Speiseplan der Bremer Profis: "Bei Felix Magath haben wir immer Salat und Nudeln gegessen, nach jedem Spiel. Als Thomas Schaaf kam, gab es Currywurst und Pommes", berichtete Dieter Burdenski im NDR 2-Bundesligashow-Podcast, damals Torwarttrainer bei den Grün-Weißen.

Bei seiner zweiten Retter-Mission 22 Jahre später setzt Schaaf nun vor dem entscheidenden Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) gegen Mönchengladbach auf den Faktor Bremen und aufs Weserstadion. Einen Tag früher als noch unter Vorgänger Florian Kohfeldt geplant, kehrte der Werder-Tross aus dem Quarantäne-Trainingslager in Barsinghausen zurück. Bereits am Donnerstag-Nachmittag gab es die erste Trainingseinheit im Stadion - eben dort, wo die Profis den Abstieg verhindern sollen. Übernachtet wird wie gewohnt im Parkhotel am Bremer Bürgerpark.

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"Sie" statt" Du"

Auf dem Trainingsplatz herrscht beim Tabellen-16. zudem ein neuer Umgangston. Neben Trillerpfeife und Stoppuhr gilt jetzt das "Sie" und nicht mehr das "Du", wie Verteidiger Ömer Toprak in einer Medienrunde berichtete. "Herr Schaaf ist doch eine Trainer-Legende", erklärte der 31-Jährige: "Er hat so viel erreicht, der ist bekannt im deutschen Fußball. Er ist auch eine andere Generation, deswegen ist das anders." Deswegen eben "Herr Schaaf" - und nicht mehr "Flo", so wie zuvor unter dem 38 Jahre alten Kohfeldt.

Schaaf: "Zuletzt haben wir zuviel über uns ergehen lassen"

Toprak wird nach auskurierter Verletzung zur Verfügung stehen. "Ich gehe davon aus, dass er 90 Minuten marschieren kann", erklärte Schaaf am Freitag. Auch Niclas Füllkrug werde spielen können, so der Werder-Coach und zeigte sich deshalb zuversichtlich: "Ich glaube fest an die Mannschaft und glaube daran, dass wir unser Ziel erreichen." Der 60-Jährige fordert einen couragierten Auftritt: "Keiner bei uns unterschätzt die Situation, aber wir müssen an unsere Qualitäten glauben. Zuletzt haben wir zuviel über uns ergehen lassen", sagte der 60-Jährige.

Rathaus zeigt Flagge

Auch im Bremer Rathaus wird mit Werder mitgefiebert. Wie im vergangenen Sommer vor der Relegation gegen Heidenheim und 2016 vor dem Abstiegs-"Endspiel" gegen Eintracht Frankfurt hängt wieder die grüne Fahne mit der weißen Raute und dem weißen "W" an der Fassade des Rathauses.

"Einfacher ist es, in guten Zeiten zu seinem Verein zu stehen. Wichtiger ist es, es auch in schlechten Zeiten zu tun." Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte

Die Fahne solle ein deutliches Zeichen dafür sein, "dass die ganze Stadt und die ganze Region hinter unserem ruhmreichen SV Werder steht", sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Der SPD-Politiker rief zudem die Bremer auf, "gemeinsam Farbe zu bekennen" und Fenster, Türen und Gartenzäune in den Werder-Farben zu schmücken.

Keine Fans, aber Zuschauer im Stadion

Trotz der verbesserten Corona-Lage trägt Werder das Spiel gegen Mönchengladbach ohne Fans im Stadion aus. Etwas lauter dürfte es aber dennoch zugehen. Denn immerhin 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Clubs sollen im Stadion dabei sein. "Wir freuen uns darüber, dass die Lockerung der Corona-Verordnung das zulässt und wir die Unterstützung durch die Menschen ermöglichen können, die hier seit Monaten jeden Tag die Herausforderungen der Pandemie auf sich nehmen und mithelfen, Werder Bremen bestmöglich durch diese Phase zu bringen", sagte Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry.

Mögliche Aufstellungen:

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Toprak, Friedl, Augstinsson - Möhwald - Eggestein, Bittencourt - Sargent - Selke, Rashica
Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Kramer, Neuhaus - Hofmann, Stindl, Thuram - Plea

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 22.05.2021 | 15:00 Uhr

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