Stand: 27.04.2020 11:02 Uhr  | Archiv

Profi-Fußball in der Krise: Salary Cap die Lösung?

Der deutsche Profi-Fußball steht in der Corona-Krise am Scheideweg. Eine Reihe von Clubs hat massive wirtschaftliche Probleme. Deshalb wird über Reformen nachgedacht. Könnte beispielsweise eine Gehaltsobergrenze, ein sogenannter Salary Cap, helfen?

Der deutsche Profi-Fußball ist während der Corona-Pandemie in eine Krise gestürzt: Mehrere Vereine in den ersten drei Ligen sind in finanzielle Schwierigkeiten geraten, einigen soll sogar die Insolvenz drohen. Neue Wege müssen beschritten werden, darüber sind sich fast alle einig. Doch wie sollen die Maßnahmen aussehen? Häufig wird die Einführung einer Gehaltsobergrenze (Salary Cap) ins Spiel gebracht, wie sie in den in den großen US-Profiligen seit Jahrzehnten praktiziert wird.

Martin Kind, Hauptgesellschafter von Hannover 96, und St. Paulis Technischer Direktor Ewald Lienen sprachen sich am Sonntag im NDR Sportclub prinzipiell für einen Salary Cap aus.

Gehälter könnten sich am Umsatz bemessen

"Einen Salary Cap halte ich grundsätzlich für sinnvoll - ab einer gewissen Größenordnung", sagte Lienen: "Wir müssen nicht Leuten so viel Geld in den Rachen werfen, dass sie damit gar nichts mehr anfangen können. Das ist lächerlich." Kind favorisiert ein Konzept, in dem sich die Gehaltsausgaben am Gesamtumsatz orientieren. "Damit hätten wir natürlich eine Reduktion des Lohnniveaus", betonte der Unternehmer. Laut DFL-Wirtschaftsreport machte in der vergangenen Saison der Anteil der Spielergehälter am Gesamtumsatz der Bundesligisten knapp 36 Prozent aus - Tendenz in den vergangenen Jahren steigend.

Auch Ablösesumme im Blick

Einig sind sich Lienen und Kind, dass eine Gehaltsobergrenze keineswegs eine Patentlösung sei, sondern vielmehr nur eine von mehreren Maßnahmen in einem komplexen Prozess: "Für mich kann das Ziel nur sein: Wie können wir in der Bundesliga - wie in der gesamten Wirtschaft - solidarischer miteinander sein. Ein Salary Cap ist nur ein kleines Bausteinchen", betonte Lienen, der sich gleichzeitig für die Deckelung von Ablösesummen aussprach. Auch Kind forderte: "Da müssen wir tiefer in die Einzelheiten einsteigen."

US-System nicht auf den Fußball übertragbar

Ohnehin wird der Fußball eigene Lösungen finden müssen. Das amerikanische Modell auf den Fußball in Europa zu übertragen, ist beinahe unmöglich. US-Ligen sind in sich geschlossene Systeme, die sportlich zu keiner anderen Liga in direkter sportlicher Konkurrenz stehen. Bayern München, Real Madrid, der FC Liverpool und andere europäische Topclubs spielen aber eben nicht nur in ihrer nationalen Liga, sondern auch im transnationalen Europacup. Eine Gehaltsobergrenze müsste demnach in mehreren Ligen einheitlich sein, um auch im Europapokal Chancengleichheit zu erreichen. Dies erscheint illusorisch und dürfte wohl auch rechtlich problematisch sein.

Dieser Ansicht ist auch Werder Bremens Sportgeschäftsführer Frank Baumann: "Ich bin sehr skeptisch, wenn man ein Einzelelement aus einem anderen Sport, von einem anderen Kontinent in unser Arbeitsrecht herüberbringt. Auch dort wäre eine Umgehung möglich, indem man Spieler beispielsweise anderweitig entlohnt", sagte Baumann.

Solidarfonds könnte eine Lösung sein

Einig sind sich Lienen, Kind und Baumann, dass die Einführung eines Solidarfonds der richtige Schritt sei, um Vereinen in Not zu helfen. "Ich könnte mir vorstellen, dass so der Solidargedanke noch stärker zum Vorschein kommt", so Baumann. "Wir können nicht erwarten, dass der Steuerzahler unsere Probleme löst", stellte Kind klar: "Deshalb empfehle ich darüber zu diskutieren, ob ein solcher Fonds nicht aufzulegen ist, der über Jahre von den Vereinen zu finanzieren ist." Über welche Größenordnung denkt Kind nach? "300 bis 500 Millionen Euro müssten da schon rein. Das Geld könnten von den Fernsehgeldern abgezogen werden, dann würde bei den Vereinen von Anfang an weniger ankommen und sie müssten mit weniger Mitteln ihren Haushalt planen."

An Ideen mangelt es den Fußball-Verantwortlichen nicht. Ob sie jedoch umgesetzt und tatsächlich zu gravierenden Veränderungen im deutschen Profi-Fußball führen werden, kann derzeit niemand vorhersagen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 26.04.2020 | 22:30 Uhr

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