Stand: 15.11.2019 18:09 Uhr

Pro & Kontra: Taugt Uli Hoeneß als Fußball-Idol?

Uli Hoeneß vom FC Bayern München © imago/ActionPictures
Der bisherige FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß polarisiert mit seinen Aussagen und Ansichten in Fußball-Deutschland seit Jahrzehnten.

Nach vier Jahrzehnten Verantwortung für den FC Bayern München tritt Uli Hoeneß als Präsident des Fußball-Bundesligisten zurück und wechselt in den Aufsichtsrat des Vereins. Bekommt Hoeneß den Beifall, den ihm die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung zum Abschied spenden werden, zu Recht und uneingeschränkt für seine Verdienste um den Club?

Die NDR Info Sportreporter Rolf Rainer Gecks und Lars Bente haben unterschiedliche Ansichten. Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns - unten auf dieser Seite.

Pro

"Uli Hoeneß hat ein Imperium errichtet", meint Rolf Rainer Gecks.

Jeder Anfang, jedes Alpha kommt einmal an sein Ende, an das Omega. Das gilt auch für Riesen. Doch für den Fußball-Riesen des FC Bayern München, für Uli Hoeneß, gilt es nicht - noch nicht. An seinem Anfang stand das große Talent, gepaart mit großem Glück. Denn der 18-jährige Jungspund bekam einen Trainer namens Udo Lattek - und der verwandelte den schnellen Mittelfeldmann in einen Rechtsaußen, der als Turbo-Sprinter die 100 Meter in 11,0 Sekunden lief. Und der das Schießen und das Treffen lernte.

Mit 20 schon Europameister 1972, mit 22 Weltmeister 1974. In der WM-Nacht von München, als der Siegtorschütze Gerd Müller beim Bankett seinen Rücktritt verkündete, sagte Uli Hoeneß: "Jetzt sind wir gemachte Männer, wir haben ausgesorgt." Doch Hoeneß lehnte sich nicht zurück - es folgten 45 turbulente Jahre. Hoeneß bot Stoff für den NDR Info Sportreport, aber auch für die "Bunte".

Den EM-Final-Fehlschuss von Belgrad 1976 überwand er als Fußnote. Der unbeirrbare Uli Hoeneß verließ den grünen Rasen, setzte sich an den Manager-Schreibtisch - und errichtete von dort aus ein Imperium. Bayern München wurde zu Deutschlands Abonnementsmeister, zu einer Weltmarke. In Afrika, in Südamerika tragen die Kleinen das Bayern-Trikot. Und als der FC St. Pauli in existenziellen Schwierigkeiten steckte, sorgte Hoeneß für das Retterspiel am Millerntor und eine kräftige Geldspritze.

Sympathie, Empathie, Antipathie - alles konnte er. Nur nicht verlieren. Sein FC Bayern München steht für ihn über allem. Diese Vereinstreue belohnen die Mitglieder vollkommen zu Recht mit Ovationen. Denn bei aller Rührung wissen sie: Uli Hoeneß hat sein Omega noch nicht erreicht.

Kontra

"Hoeneß maß schon häufiger mit zweierlei Maß", meint Lars Bente.

Ja, der Abgang von Uli Hoeneß wird von seinem FC Bayern München umjubelt, aber zu einem gewissen Teil auch aus Erleichterung, dass Hoeneß doch noch den Absprung gefunden hat, bevor er sein Denkmal weiter selbst zerstört.

Erinnern wir uns an die vergangene Jahreshauptversammlung des Vereins. Hoeneß bekam heftigen Gegenwind durch die Mitglieder. Der FC Bayern sei nicht sein Verein hieß es da, auf den Rängen war eine Fahne Nordkoreas zu sehen - mit der Aufschrift: "Not My President".

Der Patriarch Hoeneß war in der Vergangenheit zu oft übers Ziel hinausgeschossen. Exemplarisch dafür steht die mittlerweile schon legendäre Pressekonferenz im vergangenen Jahr, als Vorstandschef Rummenigge das Grundgesetz zitierte und von den Medien die Achtung der Menschenwürde für seine Bayern-Profis einforderte und nur Minuten später Hoeneß all das ins Lächerliche zog, indem er einen Ex-Bayern-Profi selber übelst beschimpfte.

Hoeneß maß aber schon häufiger mit zweierlei Maß. Auf der einen Seite sah und sieht er sich gerne als moralische Instanz, spricht von Anstand und Gerechtigkeit. Auf der anderen Seite ist er ein verurteilter Steuerhinterzieher, der immer nur so viel Schuld zugab, wie es gerade eben nötig war. Gerade in der Zeit nach der Haftstrafe wurde Hoeneß zur personifizierten "Abteilung Attacke". Immer wieder ließ er sich zuletzt zu verbalen Rundumschlägen hinreißen, Marke: "RB Leipzig ist ein Feind, den es zu bekämpfen gilt" oder "Der DFB bekomme bald keinen Bayern-Spieler mehr, wenn Manuel Neuer nicht die klare Nummer 1 bleibe".

Aussagen, die für Schlagzeilen und Kopfschütteln sorgten. Für das ramponierte Denkmal Uli Hoeneß bleibt nur zu hoffen, dass er den Ruhestand etwas wörtlicher nimmt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 15.11.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Bremens Manuel Mbom (l.) im Zweikampf mit dem Hoffenheimer Sebastian Rudy. © imago images Foto: Jan Huebner

Remis gegen Hoffenheim: Werder seit vier Partien unbesiegt

Der Fußball-Bundesligist erkämpfte sich am Sonntagabend im Heimspiel gegen den Europa-League-Teilnehmer ein 1:1. mehr

Maximilian Philipp, Admir Mehmedi undd Maximilian Arnold (v.l.) vom VfL Wolfsburg bejubeln Arnolds Treffer zum 2:0 gegen Arminia Bielefeld © Witters Foto: Tim Groothuis

"Magic Maxi": Wolfsburg atmet dank Arnold auf

Der VfL Wolfsburg hat am fünften Bundesliga-Spieltag den ersten Sieg gefeiert. Die "Wölfe" bezwangen Bielefeld 2:1. mehr

Ein Fußball liegt auf dem Rasen. © picture alliance Foto: Joaquim Ferreira

Hamburgs Fußball-Amateure unterbrechen wegen Corona die Saison

Ab kommenden Freitag ist erst einmal Schluss. Zuvor hatte bereits der Bremer Fußball-Verband seinen Spielbetrieb vorerst abgesagt. mehr

Coach Daniel Thioune vom Hamburger SV © Witters Foto: TayDucLam

Der neue HSV: Mehr Moral, mehr Wucht, mehr Variabilität

Der HSV führt die Zweite Liga verlustpunktfrei an. Coach Daniel Thioune ist es gelungen, dem Team ein neues Gesicht zu geben. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr