Popstar, "Mighty Mouse" und HSV-Ikone: Kevin Keegan wird 70

Stand: 14.02.2021 21:40 Uhr

Nachdem Kevin Keegan mit dem FC Liverpool alles gewonnen hatte, wechselte der Engländer zum Hamburger SV. Den Club führte der Stürmer 1979 zur Meisterschaft - und war sogar kurzzeitig als Popstar erfolgreich. Am Sonntag (14.02.2021) feierte er seinen 70. Geburtstag.

Sechs Jahre hatte der Junge aus Armthorpe in Yorkshire für den FC Liverpool gespielt, bevor es ihn nach Hamburg zog. Mit den "Reds" hatte der damals 26-Jährige dreimal die Meisterschaft gewonnen, dazu den FA Cup, den Europapokal der Landesmeister und zweimal den UEFA-Cup. "In Liverpool hatte ich alles erreicht", erzählte Keegan später einmal dem "Guardian" und fügte hinzu: "Ich wollte eine neue Herausforderung, und Deutschland war eine."

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Kevin Keegan am Steuer seines Autos. © Witters

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Für die damalige Rekordsumme von 2,3 Millionen Mark wechselte der Angreifer, der seiner Größe von knapp 170 Zentimetern wegen "Mighty Mouse" genannt wurde, 1977 vom River Mersey an die Elbe. "Nach Deutschland zu gehen, war hart", sagte er. Denn der Erwartungsdruck war hoch für den teuren Superstar. Und mit seinen neuen Teamkollegen musste er erst zusammenfinden. "Am Anfang hat es nicht gepasst", erklärte Ex-HSV-Star Felix Magath. "Kevin war einen ganz anderen Rhythmus gewohnt. Er war erfolgsorientierter. Wir aber hatten unseren Stiefel gespielt."

Als einziger Brite zweimal Europas Bester

Keegans erste Saison drohte zum Fiasko zu werden. Ausgerechnet sein Ex-Club Liverpool überrollte den HSV im europäischen Supercup. Nach einem 1:1 im Hinspiel im Volksparkstadion setzte es an der Anfield Road eine 0:6-Klatsche für die Hamburger. In der Bundesliga landeten die "Rothosen" schließlich nur auf einem enttäuschenden zehnten Platz. Keegan, der lediglich sechs Treffer erzielt hatte, wurde dennoch nach der Saison als "Europas Fußballer des Jahres" geehrt.

"Kevin war ein Wahnsinnsfußballer, der alles mitgebracht hat: Obwohl 'Keegy' nicht der Größte war, war er unglaublich kopfballstark. Dazu schnell, wendig, flink, mit einem guten Ballgefühl und einem Auge für die Mitspieler", lobte Teamkollege Horst Hrubesch. Als einziger Brite - es waren insgesamt nur sechs - holte Keegan den Titel im folgenden Jahr sogar noch ein zweites Mal.

Keegan schießt HSV mit 17 Toren 1979 zum Titel

Die Startprobleme in Hamburg waren bald überwunden. Menschlich, weil "Mighty Mouse" mit seiner sympathischen und zugänglichen Art Kollegen und Fans für sich einnahm. Mit der Hilfe seiner deutschsprachigen Frau Jean lernte er zudem erstaunlich schnell die neue Sprache. Sportlich, weil Joseph Kevin Keegan - wie er mit vollständigem Namen heißt - den Hanseaten unter Kulttrainer Branko Zebec in der Bundesliga-Saison 1978/1979 mit 17 Toren zum großen Triumph verhalf: der ersten deutschen Meisterschaft seit Bundesliga-Gründung. "Speziell seine Einstellung war vorbildlich und nicht zu überbieten", sagte Günter Netzer, damals HSV-Manager.

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Mit "Head over Heels in Love" in den Charts

Im selben Sommer gelang Keegan noch ein ganz anderer, ungewöhnlicher Erfolg. Der Engländer mit der modischen Lockenmähne schaffte es als Popstar in die deutsche Hitparade. Seine Single "Head over Heels in Love" landete auf Platz zehn. Chris Norman und Pete Spencer von der Band Smokie hatten das Lied für ihn geschrieben und produziert.

"Das war eine Zeit, in der alles gelang. Wir wurden deutscher Meister, ich wurde Europas Fußballer des Jahres, und die Single war ein Hit in Deutschland." Kevin Keegan

Fan-Liebling und Namensgeber

Als es Keegan 1980 zurück auf die Insel zog, trauerten HSV-Fans ihrem Idol noch lange nach. Viele deutsche Männer, die heute um die 40 sind, haben ihren Vornamen vielleicht auch ihm zu verdanken. Kevin Keegan war beim Hamburger SV zum absoluten Fan-Liebling geworden - nicht nur bei den Männern.

Trainer Keegan: Keine Meisterschaft und bitteres Ende

Beim FC Southampton und bei Newcastle United jubelten sie fortan über die Tore von "King Kev". Später heuerte er als Coach bei Newcastle an. Er verhalf dem damaligen Zweitligisten zum Aufstieg und war auch in der Premier League erfolgreich. Bitter: In der Saison 1995/1996 verpassten die "Magpies" die Meisterschaft als Tabellenzweiter hinter Manchester United, nachdem Keegans Mannschaft einen Zwölf-Punkte-Vorsprung vom Januar verspielt hatte.

Auch den damaligen Drittligisten FC Fulham und Manchester City in der Zweiten Liga führte Keegan jeweils zum Aufstieg. Doch seine kurze Zeit als Englands Nationaltrainer von Februar 1999 bis Oktober 2000 war nicht von Erfolg gekrönt. Bei der Europameisterschaft scheiterten die "Three Lions" schon in der Vorrunde. In der WM-Qualifikation verlor Keegans Team das letzte Spiel im alten Wembley-Stadion gegen Deutschland mit 0:1 - und der Coach trat kurz nach dem Abpfiff zurück.

Rücktritt als Nationalcoach: "Ich war eben nicht gut genug"

Der stets authentische Keegan, bekannt und berüchtigt für seine direkte Art und manchmal sehr klaren Worte, machte auch bei sich keine Ausnahme. "Ich war wahrscheinlich länger im Amt, als ich erwarten konnte", räumte er nach dem Spiel vor TV-Kameras ein. "Aber ich war eben nicht gut genug. Und das akzeptiere ich."

Nach weiteren Stationen im Clubfußball machte Keegan 2008 Schluss. In Deutschland zeigte sich die "Mighty Mouse" 2011 noch einmal beim Tag der Legenden den Fans. 2018 veröffentlichte Keegan seine Autobiographie "My Life in Football". Ab und zu tritt er noch im Fernsehen auf. Doch das Idol einer ganzen Generation hat sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In einem Herrenhaus unweit von Manchester genießt der passionierte Golfspieler seinen Ruhestand.

Auch ohne die Corona-Pandemie wäre die Party zu seinem großen Ehrentag am 14. Februar wohl kleiner ausgefallen, als man bei so einer Sportler-Karriere erwarten würde: "Ich habe lange genug auf der großen Bühne gestanden."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 14.02.2021 | 22:50 Uhr

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