Stand: 10.09.2019 20:59 Uhr

Polizeikosten: Werder sieht Wettbewerbsnachteil

Bei sogenannten "Risikospielen" wie hier bei Werder Bremen gegen den HSV ist mehr Polizei nötig als sonst.

Im jahrelangen Streit um die Beteiligung der Deutschen Fußball Liga (DFL) an den höheren Polizeikosten bei sogenannten "Risiko-Spielen" ist Bewegung gekommen. Die DFL wird vier Gebührenbescheide des Bundeslandes Bremen in Höhe von 1,17 Millonen Euro fristgerecht begleichen und will Werder Bremen anteilig zahlen lassen. Das teilte die DFL am Dienstag mit Blick auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Gebührenerhebung für zusätzliche Polizeikräfte mit.

Werder fühlt sich benachteiligt

Konkret geht es bei den vier Bremer Rechnungen um Bundesliga-Partien aus den Jahren 2015 und 2016. Die Einzelsummen belaufen sich auf 227.000, 246.000, 283.000 und 412.000 Euro. Werder-Gegner waren Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt.

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Die DFL hat die Summe zunächst aufgeteilt: Etwa die Hälfte soll der Bremer Bundesligist zahlen, Werder hatte für diesen Fall schon länger Rücklagen gebildet. Präsident Hubertus Hess-Grunewald sprach von einem "großen finanziellen Schaden" und einem "nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil" für den Verein. Die andere Hälfte wird die DFL GmbH an den DFL Deutsche Fußball Liga e.V. weiterreichen. Mitglied dort sind alle 36 Clubs der Bundesliga und Zweiten Liga. Das DFL-Präsidium soll entscheiden, wie diese 584.000 Euro aufgeteilt werden. Werder sieht die DFL "in der Pflicht, mit uns eine faire und rechtskonforme Lösung zu finden". Man werde in den andauernden Gesprächen mit der DFL sehr deutlich machen, "dass wir eine finanzielle Belastung, die über die 50 Prozent der Mehrkosten für Polizeieinsätze hinausgehen, nur schwer akzeptieren können", so Hess-Grunewald.

DFL erkennt Rechtmäßigkeit nicht an

Die Dachorganisation hat indes klar gemacht, dass sie die Rechtmäßigkeit der Gebührenbescheide nach wie vor nicht anerkennt: "Vielmehr hat die DFL GmbH gegen alle Gebührenbescheide Widerspruch erhoben und behält sich darüber hinaus vor, diese auch jeweils einzeln gerichtlich überprüfen zu lassen", heißt es in einer Erklärung der DFL. Neben den vier genannten Partien steht noch für weitere drei Spiele in Bremen eine Gebührensumme von insgesamt etwa 1,1 Millionen Euro aus. Bei diesen Spielen sind aber entweder noch keine Bescheide versandt worden oder es steht, wie in einem Fall, noch eine Gerichtsentscheidung aus.

Streit begann 2015

Auslöser der juristischen Auseinandersetzung um die höheren Polizeikosten war ein Gebührenbescheid des Landes Bremen für einen umfangreichen Polizeieinsatz im Rahmen des Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem HSV im Jahr 2015. Im März 2019 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass eine Beteiligung der Vereine bei Hochrisikospielen grundsätzlich rechtens ist.

Mit diesem Urteil im Rücken versucht Bremens Innensenator Ulrich Mäurer auch Ressortchefs in anderen Bundesländer für seine Idee eines Fußball-Solidarfonds zu gewinnen. Er werde sich mit "interessierten Kollegen" in Kürze in Mainz treffen, um Modalitäten dafür zu besprechen und dazu eine länderübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, kündigte der SPD-Politiker an.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 04.09.2019 | 17:25 Uhr