Stand: 03.12.2019 14:35 Uhr

Polizeikosten: Clubs lehnen Bremer Vorschlag ab

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Erheblicher Kostenfaktor: Polizeieinsätze bei Spielen mit erhöhtem Risiko.

Werder Bremen muss die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen alleine tragen. Ein vom Fußball-Bundesligisten beantragter Solidarfonds wurde auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) abgelehnt. Die Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten votierte bei dem Treffen am Dienstag in Neu-Isenburg gegen eine Umlage der zusätzlichen Kosten auf alle Vereine. Wie die DFL mitteilte, sollen künftig fällig werdende Gebührenbescheide in gleicher Weise behandelt werden wie bisher. Ein wie auch immer geartetes Fonds-Modell stehe für die DFL weiterhin nicht zur Debatte.

32 Clubs votieren gegen den Antrag

Werder Bremen hatte im Vorfeld den Antrag gestellt, in Zukunft nicht allein auf den Kosten für den zusätzlichen Einsatz von Sicherheitskräften bei sogenannten Hochrisikospielen sitzen zu bleiben. Der Verein appelliert stattdessen an das Solidaritätsprinzip und wollte erreichen, dass es zu einer "angemessenen Teilung" dieser Kosten unter den Erst- und Zweitliga-Clubs kommt. Dagegen sprachen sich nach DFL-Angaben 32 der 34 anwesenden Clubs in geheimer Abstimmung, bei einer Enthaltung und einer Ja-Stimme, aus.

"Der faire Wettbewerb bekommt einige Kratzer"

"Wir haben heute gegenüber Werder Bremen von dem Solidarprinzip, das viele Klubs in den letzten Monaten immer wieder gepredigt haben, nicht viel gesehen", sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald nach der Abstimmung und beklagte: "Der faire Wettbewerb bekommt hier einige Kratzer, außerdem wird die Entscheidung negative Auswirkungen auf das Binnenverhältnis der Klubs in der Bundesliga haben."

"Wir konnten nicht solidarisch sein, weil es das völlig falsche Zeichen wäre. Wenn wir einen Fonds gründen würden, wäre das eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten. Der Druck auf die Vereine ist dennoch da. Wir müssen dafür sorgen, die Risikospiele auf ein Minimum zu reduzieren." Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge

Teilbetrag von 50 Prozent wird gestundet

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Risikospielen grundsätzlich der Deutschen Fußball Liga in Rechnung stellen dürfen. Die DFL hatte im September die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Werder-Partien in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen. Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder gleich in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, war bisher noch ungeklärt. Wie die DFL mitteilte, gehen die aktuellen Gebührenbescheide nun in voller Höhe von rund 1,17 Millionen Euro zu Lasten von Werder Bremen.

Trotz der Entscheidung zu Ungunsten des Bundesligisten aus der Hansestadt muss der Club nicht sofort die zweite Hälfte zahlen. Die Begleichung der Rechnung wurde bis zur endgültigen rechtlichen Klarheit gestundet. Die DFL wird vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Drei Bescheide in Arbeit

Werder hatte das Scheitern seines Antrags erwartet, "dennoch war es uns wichtig, unsere Standpunkte und unsere Sorgen hinsichtlich der Auswirkungen einer so einseitigen Belastung eines Klubs nochmal deutlich zu machen", so Hess-Grunewald. Auf den Club kommen dennoch weitere Kosten zu. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hat bereits angekündigt, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit - ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

Werder droht mit juristischen Konsequenzen

Der SV Werder droht der DFL mit juristischen Konsequenzen. "Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt", erklärte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, in einer Vereinsmitteilung. Auch Hess-Grunewald betonte: "Wir können und werden eine hundertprozentige Weitergabe der Kosten nicht akzeptieren." Laut dem Internetportal "Deichstube" denkt der Club sogar daran, bei Hochrisikospielen die Fanblöcke teilweise zu sperren, keine Gästefans mehr zuzulassen.

Bremen ist bislang das einzige Bundesland, das der DFL die Kosten für zusätzliche Polizeimaßnahmen bei Hochsicherheitsspielen in Rechnung stellt, doch andere Bundesländer denken darüber nach, dem Beispiel zu folgen.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 03.12.2019 | 15:25 Uhr