Ömer Toprak und Ludwig Augustinsson (v.l.) von Werder Bremen © imago images / Poolfoto

Ömer Toprak - Werder Bremens Stehaufmännchen

Stand: 22.11.2020 11:59 Uhr

Fast-Absteiger Werder Bremen hat bei Rekordmeister Bayern München überraschend gepunktet. Beim 1:1 überragte dabei ein Spieler, der eine sehr lange Pechsträhne hinter sich hat.

Ob zu Boden oder in der Luft: Ömer Toprak hatte am Sonnabendnachmittag im Münchner Fußball-Tempel stets das richtige Timing. Mit erstaunlicher Sicherheit verrichtete der Bremer Verteidiger seine Arbeit, war der Fels in der Brandung für die Hanseaten beim Remis an der Isar. Dass der 31-Jährige beinahe die komplette vergangene Saison verletzungsbedingt ausgefallen war und auch in dieser Serie wegen muskulärer Probleme die ersten drei Partien fehlte - es war dem stämmigen Defensivmann in keiner Sekunde der Partie anzumerken.

Nach ewig langer Leidenszeit lieferte Toprak bei seinem zweiten Startelf-Einsatz in dieser Spielzeit das ab, was sich die Werder-Verantwortlichen von ihm versprochen hatten, als sie ihn im Sommer 2019 zunächst auf Leihbasis von Borussia Dortmund holten.

Bayerns Benjamin Pavard kämpft mit Bremens Marco Friedl und Ludwig Augustinsson um den Ball. © picture alliance/Lukas Barth/epa/Pool/dpa Foto: Lukas Barth

AUDIO: Werder Bremen überrascht bei Rekordmeister Bayern München (2 Min)

Werder musste Toprak nach Klassenerhalt kaufen

Dass der frühere türkische Nationalspieler nun eine persönliche Sternstunde im Jersey des viermaligen Meisters erlebte, klingt schon ein wenig wie eine Geschichte aus "Tausendundeine Nacht". Denn wären die Norddeutschen abgestiegen, hätte der Routinier (zehn Einsätze in der Vorsaison) ziemlich sicher zum BVB zurückkehren müssen. Durch die Rettung über die Relegation aber griff die Kaufverpflichtung für ihn. Inklusive der Ausleihgebühr sollen die Bremer rund fünf Millionen Euro für den verletzungsanfälligen Verteidiger an die Borussia überwiesen haben, berichten Medien übereinstimmend.

Wird der Ex-Dortmunder nun zum Abwehrboss?

Das ist ein Batzen Geld für einen Club, der nicht nur in Corona-Zeiten jeden Cent ein paar Mal mehr als die meisten Ligarivalen umdrehen muss. Geld, das für andere Neuverpflichtungen fehlte. Denn eigentlich wäre Werder gerne noch einmal auf dem Transfermarkt tätig geworden. Doch es war finanziell einfach nicht möglich. Umso erfreulicher für Coach Florian Kohfeldt, dass sich Toprak Schritt für Schritt an die Startelf herangekämpft hat und nun doch noch zum erhofften Abwehrboss werden könnte, der er eigentlich schon seit einem Jahr sein sollte.

Toprak nimmt Lewandowski komplett aus dem Spiel

Die Leistung des gebürtigen Ravensburgers gegen München beeindruckte auch deshalb so sehr, weil hinter seinem Einsatz im Vorfeld ein kleines Fragezeichen gestanden hatte. Einen Testkick in der Länderspiel-Pause gegen den FC St. Pauli hatte er wegen Oberschenkel-Problemen vorzeitig beenden müssen. Als Ursache dafür war anschließend eine Blockade im Rücken diagnostiziert worden. Die medizinische Abteilung gab schließlich grünes Licht für den "absoluten Qualitätsspieler" (Kohfeldt).

Schön für Werder, bitter für einen gewissen Robert Lewandowski. Denn der Münchner Kanonier, der mit elf Saisontreffern erfolgreicher als die komplette Bremer Mannschaft (nun zehn Tore) ist, wurde von dem Routinier komplett aus dem Spiel genommen.

"Drei Punkte wären uns lieber gewesen"

Topraks Top-Auftritt und die insgesamt ausgezeichnete Defensivleistung waren der Grundstein für den Teilerfolg der Hanseaten gegen den Branchenprimus nach zuvor 19 Pleiten in Serie. Hätten die Gäste nicht nur hinten, sondern auch vorne einen Ausnahmekönner in ihren Reihen gehabt, wäre fraglos auch ein Sieg möglich gewesen. Tormöglichkeiten besaß Werder genug. Und so war ihr Bester trotz seiner Gala-Vorstellung auch nicht rundum glücklich.

"Natürlich hatte Bayern viel Ballbesitz und hat den Ball gut von links nach rechts gespielt. Aber wenn man die vielen klaren Torchancen sieht, hätte man auch zwei Punkte mitnehmen können. Wir nehmen den Punkt gerne mit, aber drei wären uns natürlich lieber gewesen", sagte der 31-Jährige.

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Sportclub | 22.11.2020 | 22:50 Uhr

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