Evans Nyarko (l.) von Eintracht Norderstedt im Duell mit Nico Donner von Teutonia 05 © IMAGO / Claus Bergmann Foto: Claus Bergmann

Norderstedt - Teutonia 05: Showdown um die DFB-Pokalteilnahme

Stand: 26.06.2021 10:15 Uhr

Die Fußball-Regionalligisten Eintracht Norderstedt und Teutonia 05 ermitteln heute in einem Entscheidungsspiel den Hamburger Amateurteilnehmer für den DFB-Pokal. Es ist eine Partie unter merkwürdigen Vorzeichen.

Denn beide Teams dürfen auf den Einzug in die erste Hauptrunde und der damit verbundenen Prämie vom Deutschen Fußball-Bund in Höhe von 137.000 Euro hoffen, ohne in dieser Saison eine einzige Partie im Landespokal gespielt zu haben. Der Hamburger Wettbewerb, in dem die Ober- und Regionalligisten erst in der dritten Runde einsteigen sollten, war Corona-bedingt bereits beendet, bevor er richtig angefangen hatte. Lediglich die erste Runde wurde im vergangenen Jahr ausgetragen, bevor sich der Amateurfußball im Stadtstaat in eine rund achtmonatige Pandemie-Pause verabschieden musste.

Die Spielzeiten von der Fünften Liga abwärts wurden abgebrochen und nicht gewertet. Und auch die Clubs der Regionalliga Nord zogen nach langem Hin und Her nach und entschieden sich für eine Annulierung der Saison. Was blieb, war das Problem mit den Landespokal-Wettbewerben, deren Sieger am DFB-Pokal teilnehmen dürfen.

Der steinige Weg zum Entscheidungsspiel

Während sich beispielsweise der Schleswig-Holsteinische und der Bremer Verband dazu entschieden, die noch ausstehenden Runden auszuspielen und der Niedersächsische Verband seinen Amateur-Wettbewerb ab dem Achtelfinale ausloste, wollte sich der Hamburger Fußball-Verband (HFV) zunächst auf seine Statuten berufen und den zum Zeitpunkt des Saison-Abbruchs höchstplatzierten Club für den DFB-Pokal melden. Das wäre in diesem Fall nach Zugrundelegung der Quotientenregelung Norderstedt gewesen. Weil der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) die Viertliga-Serie aber für nichtig erklärt hatte, waren die Tabellen gegenstandslos. Also wollte der HFV ein Mini-Turnier zwischen der Eintracht, Teutonia und Altona 93 ansetzen. Dies kam aber auch nicht zustande, weil der AFC nach der langen Pause dankend ablehnte.

Dassendorf wollte auch mitspielen, darf aber nicht

Blieben also noch Norderstedt und Teutonia - sowie ein stark verschnupfter Oberligist namens TuS Dassendorf. Denn der Hamburger Serienmeister war mit der HFV-Entscheidung so gar nicht einverstanden, versuchte sogar, sie juristisch anzufechten. Die Begründung des Dorfclubs: durch die Annullierung der Regionalliga-Serie könne kein Viertliga-Verein als höchstplatziertes Team ins Rennen geschickt werden, sondern müsse der zum Zeitpunkt des Saison-Abbruchs beste Oberligist für den DFB-Pokal gemeldet werden. Oder zumindest die Chance auf Entscheidungsspiele erhalten. Doch die TuS - ungeschlagener Spitzenreiter, als die Serie für beendet erklärt wurde - biss mit ihrem Ansinnen auf Granit.

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Zugänge noch nicht spielberechtigt

Und so kommt es nun heute (15.30 Uhr, im Livestenogramm bei NDR.de) im Stadion der Eintracht zum Showdown zwischen Norderstedt und Teutonia um die begehrte Teilnahme am DFB-Pokal. Für die ambitionierten Teutonen, die laut eigener Aussage "in spätestens zwei Jahren" in die Dritte Liga aufsteigen wollen, kommt die Partie ein paar Tage zu früh. Denn ab dem 1. Juli hätte der Stadtteilclub aus Ottensen seine teilweise prominenten Zugänge wie die Drittliga-erfahrenen Mats Facklam und George Kelbel einsetzen können. So aber müssen die 05er auf das Spielermaterial der Vorsaison zurückgreifen. Das ist für Viertliga-Verhältnisse auch fraglos sehr gut.

Allerdings unterlagen die Teutonen mit dieser Mannschaft der Eintracht am neunten Spieltag der Abbruch-Serie mit 1:2. Coach war seinerzeit noch Ex-Bundesliga-Torhüter Achim Hollerieth, von dem sich der Verein inzwischen jedoch getrennt hat. In Dietmar Hirsch übernimmt ein noch prominenterer früherer Profi das Zepter an der Kreuzkirche.

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Bloß nicht den Präsidenten verstimmen...

Die Eintracht setzt derweil auf dem Trainerposten auf Kontinuität. Der 65-jährige Jens Martens genießt das volle Vertrauen seines Präsidenten Reenald Koch, der dafür mit dem kickenden Personal schon einmal an Ort und Stelle hart ins Gericht geht. Als die Norderstedter zuletzt in einem Testspiel gegen den Heider SV (3:3) aus Sicht des Ex-St.-Pauli-Chefs (2000 bis 2002) schlecht gespielt hatten, hielt der 61-Jährige noch auf dem Rasen des Stadions eine Brandrede. Koch, dessen Sohn Philipp im zentralen Mittelfeld der Garstedter kickt, wollte das Team mit Blick auf das Teutonia-Duell aufrütteln.

Schließlich geht es für den Landespokal-Vorjahressieger um viel Geld, Prestige und irgendwie auch darum, einen sehr selbstbewussten (und neureichen) Emporkömmling in die Schranken zu weisen. Vom Selbstverständnis her ist die Eintracht nämlich die Nummer drei in Hamburg - auch wenn sie in Schleswig-Holstein beheimatet ist.

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Das "Land zwischen den Meeren" verlassen und den Sprung über den großen Teich wagen werden in Kürze die Norderstedter Leistungsträger Nick Gutmann und Johann von Knebel sowie Alexandre Rajao da Cunha. Das Trio zieht es aus Studiengründen in die USA. Sie geben am Sonnabend ihre Abschiedsvorstellung. Und das immerhin vor Zuschauern. Allerdings haben Schaulustige beim Besuch des Stadions einiges wie die Maskenpflicht sowie das Abstandsgebot zu beachten. Und die Eintracht darf nur Sitzplätze anbieten. Doch diese Anordnung des Gesundheitsamtes Segeberg hat im kuriosen Gesamtkontext der Partie dann auch niemanden mehr vom Hocker gehauen...

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.06.2021 | 19:30 Uhr

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