Bremens Trainer Florian Kohfeldt ist unzufrieden. © IMAGO / Nordphoto

Nur Remis gegen den Letzten: Ohrfeige für Werder und Kohfeldt

Stand: 30.01.2021 18:19 Uhr

Werder Bremen hat im Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 nur 1:1 (0:1) gespielt. Trainer Florian Kohfeldt setzte auch gegen den Letzten voll auf die Defensive - und bekam dafür die Quittung.

von Florian Neuhauss

Nach der Nicht-Leistung gegen Union Berlin (0:2) hatte der Coach seinem Team die neue, auf die Defensive konzentrierte Abwehr verordnet. Gegen qualitativ bessere Clubs ein probates Mittel. Gegen Augsburg und bei der Hertha gab es durch effektive Chancenverwertung sogar zwei Siege. Gegen Schalke ging die Ausrichtung allerdings komplett nach hinten los. Zumal der Grat zwischen clever verteidigen und in Passivität verfallen ein schmaler ist. Nach dem Rückstand taten sich die Bremer schwer, im Kopf voll umzuschalten. Auch die Offensive in der zweiten Hälfte brachte insgesamt zu wenig gute Chancen.

"Die erste Halbzeit hat uns den Sieg gekostet. So wollten wir uns nicht präsentieren. Die Order war auf jeden Fall nicht, passiv zu spielen. Ich hoffe, dass das nicht noch mal vorkommt", erklärte Kevin Möhwald, der den Grün-Weißen mit seinem Joker-Tor zumindest noch einen Punkt gegen das Tabellenschlusslicht gerettet hat.

Kohfeldt selbst hatte "kein taktisches Problem gesehen" und betonte, es sei in den ersten 45 Minuten eigentlich ein "0:0-Spiel" gewesen. "In der zweiten Halbzeit war es schon notwendig, aber auch beeindruckend, Schalke mit einem Powerplay so einzuschnüren", lobte der Fußball-Lehrer, der seine Ansprüche offenbar weit zurück geschraubt hat. Anders als sein Trainer betonte Möhwald: "Aufgrund der ersten Halbzeit hätten wir es wohl nicht verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen."

Gebre Selassie weckt auch den letzten Bremer auf

Die Partie begann schon mit einem Schreckmoment für die Bremer. Die Kopfballrückgabe von Kapitän Theodor Gebre Selassie zu Jiri Pavlenka war viel zu kurz geraten. Matthew Hoppe ging dazwischen und auch am Torhüter vorbei, seinen Schuss verzog der US-Boy jedoch (2.).

Danach war allerdings auch der letzte Spieler in grün-weiß wach. Werder konzentrierte sich wie schon in den vergangenen Wochen zumindest mit Erfolg auf die Defensivarbeit. Auch gegen den Tabellenletzten wich Kohfeldt von dieser unansehnlichen Taktik nicht ab. Offensiv kam praktisch nichts. Ein Schuss von S04-Rechtsverteidiger Timo Becker sauste knapp an Pavlenkas Tor vorbei (19.) - und markierte für längere Zeit den letzten Moment, in dem wirklich Torgefahr aufkam.

Quittung für Werder: Keine Pfiffe, aber Gegentor

Ansonsten war einmal mehr ein Spiel mit Bremer Beteiligung rein gar nichts für Freunde des gepflegten Fußballs. Das einzig Gute in Pandemie-Zeiten: Werder muss sich keine Gedanken darüber machen, dass Fans auf den Tribünen diese Auftritte mit Pfiffen quittieren könnten.

Schalke mühte sich nach - immer wieder erschreckend - bescheidenen Kräften, die Bremer bolzten die Bälle häufig einfach wüst aus der Gefahrenzone. Und doch gerieten sie in Rückstand: Die linke Abwehrseite stand offen wie ein Scheunentor und Omar Mascarell im Strafraum sträflich frei - 1:0 (38.).

Werder-Offensive nimmt langsam Fahrt auf

Von totaler Defensive auf absolute Offensive - Kohfeldt versuchte, mit einem Dreifachwechsel (allerdings positions-getreu) für den dringend nötigen Umschwung zu sorgen. Doch es dauerte, bis sich die Umstellung auch im Ergebnis niederschlug. Ömer Toprak (50.) und Maximilian Eggestein (52.) scheiterten an Ralf Fährmann im Tor der "Knappen", Joshua Sargent schoss nach Tohuwabohu in der Gäste-Abwehr drüber (53.). Und wiederum Fährmann war zur Stelle gegen den 14 Minuten zuvor eingewechselten Yuya Osako (75.), dessen Kopfball er noch an die Latte lenkte.

Joker stechen beim 1:1 - 2:1 zählt nicht

Der Ausgleich kam dennoch nicht mehr überraschend - und war eine Kombination von gleich drei Jokern. Osako schickte Milot Rashica, dessen Hereingabe von der Grundlinie Möhwald aus 16 Metern ins Tor wuchtete (77.). In der Folge liefen die Hausherren aber zu oft kopflos an, alles was doch aufs Tor kam, wehrte Fährmann ab. Das vermeintliche 2:1 in der Nachspielzeit zählte nach Videobeweis wegen klarer Abseitsposition zu Recht nicht (90.+3). Unbegreiflich, dass überhaupt der Kölner Keller eingreifen musste.

Zu allem Überfluss hatte kurz zuvor auch noch Toprak vom Platz gemusst. Die Verletzung des Abwehrchefs passte allerdings zum enttäuschenden Bremer Nachmittag.

19.Spieltag, 30.01.2021 15:30 Uhr

Werder Bremen

1

FC Schalke 04

1

Tore:

  • 0:1 Mascarell (38.)
  • 1:1 Möhwald (77.)

Werder Bremen: Pavlenka - Veljkovic, Toprak (90.+1 Moisander), Friedl - Gebre Selassie, Bittencourt, M. Eggestein, Mbom (46. Möhwald), Agu (46. Augustinsson) - Schmid (46. Rashica), Sargent (61. Osako)
FC Schalke 04: Fährmann - Ti. Becker, Kabak, Nastasic, Kolasinac - Stambouli, Mascarell (80. Thiaw) - Schöpf (46. Boujellab), Uth, Harit (70. William) - Hoppe (80. Huntelaar)
Zuschauer:

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Fußball und Tabelle © picture-alliance/ dpa, NDR.de/Screenshot Foto: Patrick Bernard

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 30.01.2021 | 15:30 Uhr

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