Stand: 22.02.2020 19:52 Uhr

Nach dem Derby: Jubel bei St. Pauli, Frust beim HSV

von Sebastian Ragoß, NDR.de
Ein Selfie auf den Derbysieg: St. Paulis Leo Östigard feiert vor seinen Teamkollegen.

Die Spieler des FC St. Pauli tanzten vor den eigenen Fans, formierten sich zum Siegerfoto und schienen ihr Glück selbst kaum fassen zu können. Wie bereits in der Hinrunde gewannen die Kiezkicker in der Zweiten Liga das Derby gegen den HSV mit 2:0 (2:0). "Es war ein sensationelles Gefühl, heute auf dem Platz zu stehen und nach dem Abpfiff mit den Fans zu feiern“, sagte Rico Benatelli. Es war der erste Auswärtssieg in dieser Saison, und es hätte aus Sicht der St. Paulianer wohl keinen besseren Zeitpunkt geben können. Bei Präsident Oke Göttlich flossen auf der Tribüne sogar Tränen.

St. Paulis Situation bleibt brisant

"Einfach geil, etwas Schöneres gibt es nicht", freute sich Marvin Knoll, der aber mahnte: "Wir müssen jetzt genau so weitermachen."

Noch reservierter kommentierte sein Trainer Jos Luhukay den überraschenden Erfolg: "Wir können uns heute und morgen freuen. Ab Montag müssen wir uns aber wieder auf den nächsten Spieltag konzentrieren." Denn die Situation bleibt für den Tabellenzwölften St. Pauli weiterhin brisant. Der Kampf um den Klassenerhalt wird in den Duellen gegen die direkten Konkurrenten entschieden - und gegen die hat Luhukays Team bislang wahrlich keine gute Bilanz.

Doppelspitze Veerman und Diamantakos hat Zukunft

Ein Gradmesser wird bereits die kommende Partie gegen den VfL Osnabrück am Millerntor. Im Derby setzte Luhukay etwas überraschend auf die Doppelspitze Henk Veerman/Dimitrios Diamantakos. Ein taktischer Schachzug, der aufging und Zukunft hat. Diamantakos würde es freuen. "Mit Henk verstehe ich mich super", betonte der Grieche.

HSV-Coach Hecking nimmt die Niederlage auf seine Kappe

Während St. Pauli gedämpft euphorisch seinen Sieg feierte, herrschte beim Hamburger SV nach einer weitgehend uninspirierten und emotionslosen Leistung Frust. "Es tut mir alles sehr weh, sowohl für die Fans als auch für unsere Mannschaft", betonte Routinier Martin Harnik. Trainer Dieter Hecking geißelte sich zerknirscht selbst: "Die Niederlage nehme ich auf meine Kappe. Ich muss mich auch hinterfragen, was wir hätten besser machen können", so der Coach: "Ich nehme meine Jungs heute bewusst raus."

Fein ist nicht zu ersetzen

Beim HSV wurden aber nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit grundsätzliche Defizite offensichtlich: Die Innenverteidiger sind zu langsam und unbeweglich, deutlich zu sehen beim 1:0 durch Veerman. Auch ist der Kader offensichtlich doch nicht so ausgeglichen besetzt wie gedacht. Die 90 Minuten im Volksparkstadion zeigten, dass Adrian Fein für Hecking nicht zu ersetzen ist. Die Bayern-Leihgabe fehlte mit einer Jochbeinverletzung und damit als Taktgeber im Mittelfeldzentrum. Auch Jeremy Dudziak (Knieverletzung) wäre in der Form der vergangenen Wochen eine große Verstärkung gewesen. So lag die Verantwortung bei Kapitän Aaron Hunt, dessen mangelnde Athletik schon seit langer Zeit nicht mehr zu übersehen ist.

HSV auf Platz drei abgerutscht

Über allem schwebt aber die Frage: Ist der HSV stabil genug, um nicht nur einige Glanzpunkte zu setzen, sondern harte Kärrnerarbeit in der Zweiten Liga zu leisten? Denn allen Relativierungen zum Trotz: Ein erneuter Nicht-Aufstieg wäre für den ehemaligen Bundesliga-Dino ein sportliches und damit auch finanzielles Desaster. Durch die Derby-Niederlage rutschte der HSV hinter Bielefeld und Stuttgart auf Rang drei ab. Heidenheim liegt nur drei Zähler dahinter. Viele Patzer wie am Sonnabend gegen den FC St. Pauli darf sich der Hamburger SV nicht mehr leisten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 22.02.2020 | 13:00 Uhr