Stand: 10.02.2019 12:30 Uhr

Müllers Mumm ist Hannovers große Hoffnung

von Hanno Bode, NDR.de
Sorgen für neue Hoffnung bei Hannover 96: Coach Thomas Doll (l.) und Nicolai Müller.

Hannovers Hoffnung auf den Bundesliga-Klassenerhalt hat durch das 2:0 gegen Nürnberg neue Nahrung erhalten. Dabei war ein Mann Matchwinner, der getrost als Abstiegskampf-Experte bezeichnet werden darf: Nicolai Müller.

Abstiegskampf - immer nur Abstiegskampf. Vier lange Berufsjahre hat Nicolai Müller diese nervenaufreibende Tortur im Trikot des Hamburger SV mitgemacht. Dreimal ging es für ihn und die Hanseaten gut, bevor im vergangenen Sommer das Glück dann aufgebraucht war. Vielleicht auch, weil der frühere Nationalspieler wegen eines Kreuzbandrisses lediglich zweimal auf dem Feld stand. Der Wechsel zum DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt sollte für den Außenangreifer eine unbeschwertere Fußballzeit einläuten. Eine Zeit mit mehr Siegen als Niederlagen. So kam es zwar auch. Doch der 31-Jährige hatte daran kaum Anteil. Er war in der Bundesliga-Hinrunde überwiegend nur Ersatz. Teilzeitarbeit zu hohen Bezügen war jedoch nicht nach Müllers Gusto. Also ließ er sich im Winter ausleihen und ist nun wieder dort, wo er schon mit dem Hamburgern Stammgast war: im Keller.

Winterzugang Held des Tages

Nun trägt der Offensivmann zwar nicht mehr die Raute auf dem Trikot. Ansonsten aber ist bei seinem jetzigen Club Hannover 96 doch sehr viel so wie früher beim HSV. Die Niedersachsen sind ebenfalls gerade dabei, die Zeche für eine missratene Personalpolitik zu zahlen. Wobei das mit den Zahlen bei den Hannoveranern gar nicht so einfach ist. Sie sind - wie die Hamburger - nicht sonderlich liquide, sodass Vereinspatron Martin Kind die Winter-Ausleihen von Müller und Kevin Akpoguma aus der eigenen Schatulle bezahlen musste. Ohne den Zuschuss des Clubbosses - das hat Manager Horst Heldt unlängst erklärt - wäre kein neuer Spieler gekommen. Und somit vielleicht auch gar nicht der sportlich überlebenswichtige 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg möglich gewesen. Schließlich hieß der Mann des Tages: Müller.

Erster Sieg seit dem elften Spieltag

"Es fühlt sich gut an - jeder Sieg fühlt sich gut an", sagte der sichtlich erleichterte Matchwinner im Interview mit dem NDR Hörfunk, bevor er nicht forsch, aber durchaus selbstbewusst nachschob: "Das war erst der Anfang." Nun, ob der Sieg gegen bereits ab der elften Minute wegen einer Roten Karte in Unterzahl spielende Franken wirklich eine Trendwende einläuten wird, bleibt abzuwarten. So richtig dolle war es nicht, was 96 in der zweiten Partie unter Coach Thomas Doll anbot. Es sei kein "Zuckerspiel" gewesen, kein "Champagner-Fußball", gab der Nachfolger von André Breitenreiter zu. Am Ende aber zählten für den 52-Jährigen lediglich die drei Punkte: "Es ist ein richtig gutes Gefühl für alle zusammen, ein Fußballspiel gewonnen zu haben."

Für Hannover war es der erste Erfolg seit dem elften Spieltag und erst der dritte in dieser Serie. Also kein Grund, jetzt schon mit den Planungen für eine feucht-fröhliche Klassenerhaltsparty zu beginnen. "Ich habe gerade mit einigen Spielern gesprochen. Das erste, was sie gesagt haben war: 'Wir haben noch viel Arbeit vor uns'", sagte Doll.

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Clubboss Kind angetan von Doll

Der neue Trainer hat bei seinem Vorgesetzten schon mächtig Eindruck hinterlassen. "Wenn wir den Klassenerhalt schaffen sollten, ist das einzig das Verdienst von Thomas Doll. Er hat die richtige Ansprache, strahlt Stärke und Kraft aus", sagte Kind dem "Sportbuzzer". Jener Kind, der vor einigen Wochen noch geradezu gebetsmühlenartig erklärte, dass er felsenfest von Breitenreiter und dessen Arbeit überzeugt sei - und ihn dann rausschmiss. Ob dessen Nachfolger tatsächlich an den richtigen Stellschrauben gedreht hat, werden vielleicht schon die kommenden beiden Partien zeigen. Hoffenheim (auswärts) und Frankfurt (daheim) sind da die Gegner.

Müller: "Man sollte nie aufgeben"

Für Müller gibt es also rasch ein Wiedersehen mit der Eintracht, bei der er noch bis 2020 unter Vertrag steht. Stand jetzt soll der 31-Jährige im kommenden Sommer wieder bei den Hessen auf dem Trainingsplatz stehen. Als Absteiger möchte er ganz gewiss nicht an den Main zurückkehren. Und die Nürnberg-Partie hat ihm Mut gemacht, dass es nicht so kommen wird: "Das Gefühl ist jetzt wieder da, auch gewinnen zu können in der Bundesliga. Und das müssen wir jetzt einfach mitnehmen und Woche für Woche daran arbeiten, um noch besser zu werden." Er selbst ist gegen den "Club" mit gutem Beispiel vorangegangen, wie man im Abstiegskampf bestehen kann: mutig, furchtlos und leidenschaftlich.

Gelernt ist eben gelernt, könnte man zynisch sagen. Denn nach vier Jahren Abstiegskampf mit dem HSV inklusive all der Nebengeräusche beim aktuellen Zweitligisten dürfte Müller der Blick auf die Tabelle - Hannover ist Vorletzter - keine schlaflosen Nächte mehr bereiten. "Was ich aus meiner Zeit beim HSV mitgenommen habe, ist, dass es nie zu spät ist. Man sollte nie aufgeben", hatte der Rechtsaußen nach seinem Wechsel zu 96 erklärt.

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Sportclub | 10.02.2019 | 22:50 Uhr