Stand: 14.07.2020 10:03 Uhr

Möhlmann: Neuaufbau? HSV-Ziel muss Aufstieg sein

Benno Möhlmann saß in 520 Zweitligapartien auf der Trainerbank.

Kaum jemand kennt die Zweite Liga besser als Benno Möhlmann. Der 65-Jährige ist mit 520 Partien auf der Bank Rekordtrainer der Liga. Als Spieler und Coach hat er zudem eine Vergangenheit beim Hamburger SV und bei Eintracht Braunschweig - die Niedersachsen trainierte er sogar zweimal. Die Aussichten der sechs Nord-Zweitligisten - neben HSV und Braunschweig sind dies Hannover 96, Holstein Kiel, der VfL Osnabrück und der FC St. Pauli - analysiert er im Interview.

Herr Möhlmann, täuscht der Eindruck oder wird es für große Vereine wie den HSV immer schwerer, aus der zweiten Bundesliga herauszukommen? Und falls das so ist: Wäre das dann im Abstiegsfall auch für Werder schwer geworden?

Benno Möhlmann: Die Zweite Liga hat sich in den letzten Jahren stark verbessert.

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Als Spieler "ewiger Zweiter", als Trainer "ewig" in der der Zweiten Liga. Bildergalerie

Die Spieler sind körperlich fit, gut ausgebildet, taktisch geschult und haben gegenüber den meisten Bundesliga-Profis nur noch Nachteile in der individuellen Qualität. Wenn nun ein großer Verein wie zum Beispiel der HSV absteigt und meint, sich in dieser Liga nur auf seine individuelle Klasse verlassen zu können, dann wird er schnell merken: Das ist ein Irrtum. Das hätte auch Werder passieren können. Denn in der Zweiten Liga gibt es auch Vereine wie Heidenheim, in denen kontinuierlich etwas aufgebaut worden ist.

Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für den HSV?

Möhlmann: Der HSV hat nach wie vor gute Spieler. Er hat auch nach wie vor gute wirtschaftliche Voraussetzungen für die Zweite Liga. Wenn der HSV mit diesen Mitteln sagen würde: Wir wollen uns jetzt stabilisieren, etwas neu aufbauen und einen Dreijahresplan entwickeln - das geht nicht. Der HSV muss das Ziel haben, wieder aufzusteigen.

Halten Sie Daniel Thioune für eine gute Trainer-Lösung?

Möhlmann: Daniel Thioune bietet auf jeden Fall die Möglichkeit, nach dieser Enttäuschung wieder frischen Wind hineinzubringen. Er ist ein etwas anderer Typ und hat sicher auch etwas andere Vorstellungen. Aber das Entscheidende ist die Mannschaft. In diesem Kader stecken einige Spieler, die eine gute Entwicklung versprechen. Wenn der Trainer es schafft, dieser Mannschaft eine gesunde Hierarchie und ein Bewusstsein für diese Liga zu geben, dann hat der HSV gute Chancen.

Reden wir über die anderen Nordclubs. Wenn Sie die Kontinuität in Heidenheim oder bei ihrem langjährigen Verein Greuther Fürth sehen: Warum kriegt der FC St. Pauli so etwas offenbar nicht hin?

Möhlmann: Da bin ich zu weit weg, um die Situation endgültig beurteilen zu können. Ich kannte nur Jos Luhukay. Aber wer dort welche Entscheidungen getroffen hat und wie sehr bei St. Pauli alle miteinander harmoniert haben oder auch nicht - das kann ich nicht einschätzen.

Bei Holstein Kiel kennen Sie zumindest den Sportchef Uwe Stöver sehr gut.

Möhlmann: Das stimmt. Ihn kenne ich aus meiner Zeit beim FSV Frankfurt. Das ist ein absoluter Fachmann. Ich glaube auch, dass die Konstellation mit einem erfahrenen Manager und einem jüngeren Trainer sehr gut ist. Von daher kann ich mir vorstellen, dass Holstein Kiel im nächsten Jahr eine noch bessere Saison spielen kann als diesmal. Der Club hat eine Philosophie und Uwe Stöver ist bundesweit sehr gut vernetzt. Er holt immer wieder auch interessante Spieler aus den zweiten Mannschaften der Bundesliga-Clubs dazu. Das ist seine Stärke.

Und was trauen Sie Hannover 96 zu?

Möhlmann: Ich sehe bei Hannover die Chance, dass sie in der nächsten Saison ganz oben angreifen. Sie haben schon eine sehr gute Rückrunde gespielt. Die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern ist okay. Kenan Kocak habe ich mal kennengelernt, als er noch Trainer in Mannheim war. Damals hat er uns beim FSV Frankfurt besucht. Er ist sehr ehrgeizig und der Verein ist es auch.

Eintracht Braunschweig haben Sie gleich zweimal trainiert, ab 1995 und ab 2007. Bedeutet Ihnen der Club noch etwas?

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Eintracht Braunschweig trainierte Benno Möhlmann zuletzt 2007/2008 in der Regionalliga.

Möhlmann: Braunschweig verfolge ich immer noch. Ich freue mich sehr, dass sie wieder hochkommen. Ich sehe da aber auch ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite ist Braunschweig ein Gründungsmitglied der Bundesliga und ein Verein, der eigentlich immer das Minimalziel Zweite Liga haben muss. Alles was schlechter ist, war für die Eintracht immer zu wenig. Es ist aber auch nicht einfach, schnell wieder eine gute Rolle in dieser Zweiten Liga zu spielen. Das ist eine Herausforderung. Ich glaube, dass der sportliche Abstand zwischen der dritten und der zweiten Liga größer ist als der zwischen der zweiten und der ersten. Von daher muss der Verein erst einmal zufrieden sein, wenn er die Klasse hält. Das traue ich ihm aber zu.

Der Abstand zwischen der zweiten und dritten Liga ist allein deshalb so groß, weil in der Zweiten Liga deutlich mehr Fernsehgelder ausgezahlt werden. Sollte man diese Verteilung ändern?

Möhlmann: Ganz ehrlich? Dritte Liga ist Dritte Liga. Und ich finde, dass sich ein Qualitätsunterschied im Sport auch finanziell auszahlen sollte.

Können Sie es denn als langjähriger Trainer verstehen, wenn sich ein Verein wie Eintracht Braunschweig von seinem Aufstiegstrainer trennt?

Möhlmann: Ich halte es zumindest für sehr wichtig, dass sie einen Trainer haben, der mit der Führungsspitze auf einen Nenner kommt. Ich glaube, dass das in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, dass es auf der Ebene Aufsichtsrat, Vorstand, sportliche Leitung und Trainer ein Miteinander gibt. Das hat man am Beispiel Bayern München und Hansi Flick zuletzt sehr gut gesehen. Denn wenn dieses Miteinander nicht da ist, merken das die Spieler. Und dann tritt ein Problem auf: Die Position des Trainers wird geschwächt.

Der VfL Osnabrück hat jetzt ein ganz anderes Problem: Er muss seinen Erfolgstrainer Daniel Thioune ersetzen. Wie schwer wird das?

Möhlmann: Der VfL hatte mit Daniel Thioune und Benjamin Schmedes ein sehr gutes und eingespieltes Gespann. Die Lücke zu schließen, ist nicht leicht. Sie müssen wieder einen Trainer finden, der zu diesem Verein passt. Ob das gelingt, wird man erst später sagen können.

Wäre das noch etwas für Sie? Oder ist Ihre Trainerkarriere endgültig vorbei?

Möhlmann: Ich wollte eigentlich schon 2016 nach meiner Zeit bei 1860 München aufhören. Doch dann bekam ich einen Anruf von Preußen Münster, wurde ein wenig romantisch und dachte mir: Es wäre doch schön, meine Karriere dort zu beenden, wo sie als Spieler auch angefangen hat. Doch seitdem ist endgültig Schluss. Ich werde bald 66 Jahre alt und es gibt genug sehr gute junge Trainer.

Das Interview führte dpa

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Benno Möhlmann: Spieler, Trainer, Funktionär

Seit 1972 ist Benno Möhlmann im Fußball-Geschäft aktiv. Mehr als 1.000 Einsätze im Profifußball hat er als Spieler und Trainer absolviert. Ein Porträt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.07.2020 | 10:25 Uhr

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