Osnabrücks Marc Heider schreit die Freude über ein Tor heraus. © IMAGO / Revierfoto

Mit Heider als "Fußballgott": VfL Osnabrück rückt oben heran

Stand: 08.09.2021 11:05 Uhr

Nach dem Abstieg und einem holprigen Start in die Saison ist Fußball-Drittligist VfL Osnabrück nun in der Spur. Den gefeierten Mann bei den Lila-Weißen rufen sie "Heidi" - es ist der 35 Jahre alte Routinier Marc Heider.

von Christian Görtzen

Mit dem Begriff "Fußballgott" ist es so eine Sache. Es ist beileibe nicht so, dass ein Spieler außergewöhnlich brillant mit dem Ball umgehen müsste, damit er irgendwann von den eigenen Fans in diesen Stand erhoben wird. Zwar finden sich in der Riege der Auserwählten auch richtig gute Techniker wie der Buchholzer Alexander Meier (Eintracht Frankfurt) - andererseits haben es aber auch reichlich rustikale Fußball-Malocher wie Yves Eigenrauch (Schalke 04) in diesen erlauchten Kreis geschafft. Wichtig scheint vor allem eins zu sein: eine enorme, gelebte Identifikation mit dem Verein.

Vor diesem Hintergrund durften sich die Fans des VfL Osnabrück glücklich schätzen, dass sich nach dem Weggang des bisherigen "Fußballgottes" Marcos Alvarez (KS Cracovia/Polen) schnell ein würdiger Nachfolger finden ließ: Marc Heider, Spitzname "Heidi". 35 Jahre alt, Angreifer, von 2003 bis 2006 schon beim VfL und von 2016 an erneut. Dass er dazwischen einige Jahre für die zweite Mannschaft von Werder Bremen und Holstein Kiel gekickt hat - geschenkt! Das haben ihm die Fans der Lila-Weißen längst verziehen.

Heider ackert, geht voran - und liefert

Denn der gebürtige Kalifornier liefert seit Jahren beständig, er ackert auf dem Platz für den Gewinn der drei Punkte, er geht voran. Am Montagabend tat Heider dies im Heimspiel gegen Viktoria Köln (3:0) mit zwei Treffern überaus erfolgreich. Vor allem der erste war sehr schön anzusehen. Er beförderte den Ball per Seitfallzieher und mit - nicht ganz gewolltem - Außenrist-Effet in einem Bogen in den Torwinkel.

Glückwünsche am Telefon von Ex-VfL-Profi Alvarez

Dem Sieg folgte die Huldigung durch die Fans. "Heider auf den Zaun, Heider auf den Zaun", skandierten sie. Und feierten ihn als "Fußballgott". Probleme mit seinem Vorgänger erwartet er diesbezüglich offenbar nicht, ließ er nach dem Spiel via "VfL-TV" wissen. "'Alva' war gerade am Telefon. Er hat sich gefreut. Er freut sich immer für mich, wenn ich gute Spiele mache. Und ich glaube nicht, dass ihn dies in irgendeiner Weise stören würde. Ich gönne ihm alles, er gönnt mir alles - von daher alles gut", sagte der Doppeltorschütze, der von einem "geilen Brückenabend" sprach. Trainer Daniel Scherning nannte Heider ein "absolutes Vorbild".

Heider weinte bitterlich nach dem Abstieg

Dass er die Rolle des Mitreißers auch in der aktuellen Saison einnehmen würde, ließ sich am 30. Mai noch nicht absehen. An besagtem Sonntag schien zwar über der Bremer Brücke die Sonne, doch die Gefühlslage bei den Niedersachsen war eine ganze andere. Sie waren soeben in der Relegation am FC Ingolstadt 04 gescheitert. Heider kauerte auf dem Rasen und weinte bitterlich über den Abstieg seines VfL, für den er "jeden Meter gehe", wie er einmal recht pathetisch gesagt hatte.

Osnabrück klettert in der Tabelle auf Rang fünf

Zwölf Tage nach dem Abstieg gab der VfL die Vertragsverlängerung mit Heider bekannt. Das Kalkül: Der Stürmer sollte mit seiner Erfahrung dazu beitragen, dass die veränderte Mannschaft in der Dritten Liga schnell Fuß fasst und im besten Fall den Wiederaufstieg schafft.

Nach holprigem Saisonstart stimmt jetzt die Richtung der Norddeutschen, die nach sieben Spieltagen mit 13 Punkten den fünften Tabellenplatz belegen. Am Sonntag (14 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) steht die Partie bei Mitabsteiger Eintracht Braunschweig an. Die Hoffnungen der VfL-Fans ruhen dann wieder auf dem Mann, den sie "Heidi" nennen - dem neuen "Fußballgott" der Lila-Weißen.

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