Stand: 16.10.2016 11:05 Uhr

Mannehs Fußball-Märchen verzückt Bremen

Ousman Manneh von Werder Bremen jubelt © dpa Foto: Carmen Jaspersen
Daumen hoch nach dem Premieren-Tor: Ousman Manneh von Werder Bremen.

Wie schnell sich doch die Stimmung im Fußball drehen kann: Vor vier Wochen sah Werder Bremen wie ein sicherer Bundesliga-Absteiger aus. Und nun feierten die Werder-Fans geradezu euphorisch den zweiten Heimsieg in Folge gegen einen Champions-League-Aspiranten. Mittendrin ein Stürmer, den vor vier Wochen fast niemand kannte: Ousman Manneh. Der 19 Jahre alte Flüchtling aus Gambia hatte beim 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen mit seinem ersten Bundesliga-Treffer die Partie entschieden. "Einer meiner größten Träume ist heute wahr geworden", freute sich Manneh im NDR Interview. Am Abend dürfte seine Mutter den gewohnten Anruf erhalten haben: "Ich spreche jeden Tag mit meiner Mutter. Sie ist sehr stolz, obwohl sie nichts von Fußball versteht", so Manneh.

Trainer Nouri hat seine Chance genutzt

Dass der Angreifer seine Fähigkeiten überhaupt auf der großen Bühne Bundesliga zeigen kann, hat er Trainer Alexander Nouri zu verdanken. Der neue Bremer Cheftrainer hat eine ausgelaugte und desorientierte Mannschaft wieder in die Spur gebracht und dabei kluge Personalentscheidungen getroffen. Manneh aus der zweiten Mannschaft zu den Profis zu holen war die eine, dem ausgemusterten Izet Hajrovic eine neue Chance zu geben, die andere.

"Geile Zeit beim Blumenthaler SV"

Doch Mannehs Fußball-Märchen ist die Geschichte des siebten Spieltags. 2014 floh er als 17-Jähriger vor der Diktatur in Gambia und fand zunächst beim Blumenthaler SV im Norden Bremens eine Heimat. "Das war eine geile Zeit. Ich habe so viele tolle Geschichten erlebt und Menschen kennengelernt", so Manneh. Verborgen blieb sein Talent nicht. Nach 15 Toren in elf Oberliga-Spielen bemühten sich neben Werder auch der HSV, der FC St. Pauli und Schalke 04 um Manneh. Das Rennen machte aber der Bremer Bundesligist. Einen Tag nach seinem 18. Geburtstag unterschrieb Manneh im März 2015 seinen ersten Vertrag beim SV Werder. Von da an war Nouri fast immer an seiner Seite. Der Coach ist eine wichtige Stütze für den jungen Gambier und kennt auch die Umstände dessen Flucht. Einzelheiten verrät Nouri nicht, sondern sagt nur: "Es ist eine tiefgreifende, berührende Geschichte." Von Mannehs Fähigkeiten ist der Werder-Trainer schon seit langem überzeugt, deshalb gab er ihm sofort eine Chance bei den Profis.

Neuer Schwung für die Werder-Offensive

Der junge Mann hat das Vertrauen gerechtfertigt. Manneh überzeugt mit großer Laufbereitschaft und hat der Werder-Offensive ordentlich Schwung verliehen. Mit Hajrovic und dem starken Neuzugang Serge Gnabry hat er zwei gute Vorbereiter an seiner Seite, die ebenfalls ihren Anteil an der positiven Entwicklung in Bremen haben. Der wohl glücklichste Mensch im Weserstadion war am Samstagabend aber Manneh. "Es ist eine großartige Erfahrung und unglaublich, hier vor 40.000 Fans im Weserstadion zu spielen. Das ist das, was ich immer wollte."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.10.2016 | 22:50 Uhr

Max Kruse von Werder Bremen (2.v.r..) bejubelt seinen Treffer. © imago/Nordphoto

Der Werder-Kader für die Saison 2017/2018

Von Torwart-Zugang Jiri Pavlenka bis Stürmer Max Kruse: Das Aufgebot des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen für die Saison 2017/2018 in Bildern. Bildergalerie

Fußball und Tabelle © picture-alliance/ dpa, NDR.de/Screenshot Foto: Patrick Bernard

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Mehr Fußball-Meldungen

Wolfsburgs Josuha Guilavogui (links) in Aktion gegen Freiburgs Lucas Höler. © picture alliance/Tom Weller/dpa Foto: Tom Weller

VfL Wolfsburg erkämpft Remis in Freiburg

Der VfL Wolfsburg hat auch im zweiten Saisonspiel der Fußball-Bundesliga ein Remis erzielt. Beim 1:1 in Freiburg hatten die Niedersachsen viel Glück, aber auch Verletzungspech. mehr

Die Ränge am Millerntor. © imago images / Eibner Foto: Sudheimer /Eibner-Pressefoto

Millerntor mit Maske - mehr St. Pauli als gedacht

2.226 Zuschauer verfolgten die Saison-Heimpremiere des FC St. Pauli, nicht einmal zehn Prozent eines vollbesetzten Millerntorstadions. NDR Reporter Thomas Luerweg war dabei - und positiv überrascht. mehr

Werder Bremens Stürmer Nicals Füllkrug nimmt nach seinen drei Toren auf Schalke den Spielball mit in die Kabine © imago images / Kirchner-Media

Schalke-Schreck Füllkrug: Ball weg, Trainer weg

Niclas Füllkrug hat Werder Bremen mit seinem Hattrick beinahe im Alleingang zum 3:1-Sieg auf Schalke geschossen. "Königsblau" hatte anschließend einen Spielball weniger. Und nun ist auch der Coach weg. mehr

Hamburgs Khaled Narey (l.) und Paderborns Jamilu Collins © Witters Foto: TayDucLam

HSV in Paderborn mit dem "Montags-Gesicht"?

Der Hamburger SV hat montags in den vergangenen Jahren zuverlässig gepunktet, verlor nur zwei von zwölf Partien. Setzen die Hanseaten auch in Paderborn diesen Positiv-Trend fort? mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr