Stand: 20.07.2019 10:49 Uhr

Leidenschaft Fußballtrainer: Der Trapattoni von Fehmarn

von Phillip Kamke

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Willi Weidenstraß ist bei seinen Schützlingen beliebt. "Es macht richtig Spaß", schwärmt ein Verteidiger.

Es ist eine Stunde vor Trainingsbeginn. Willi Weidenstraß ist immer der Erste auf dem Sportplatz. Dann stellt er die Hütchen auf und bereitet die Übungen vor. Jede einzelne Einheit hat er akribisch vorbereitet. "Zu Hause habe ich unzählige Trainingspläne, die ich alle selber geschrieben und gemalt habe", erzählt der Trainer. Heute hat er das erste Mal Training mit seiner neuen Mannschaft - der B-Jugend der JSG Fehmarn. Die Jungs, die neu dazu kommen, kennt Weidenstraß alle schon aus jüngeren Mannschaften. Zwölf Spieler sind heute dabei. Nach den Ferien werden es 20 sein, schätzt er.

Taktik auf dem Pappkarton

Nach dem Aufwärmen zückt er sein Trainingstablet, wie er es nennt. Hier ist die Übung aufgezeichnet: Passspiel und Laufwege sollen einstudiert werden. Das Besondere: Die Zeichnungen sind per Hand gemalt, auf einem alten Pappkarton. "So habe ich das schon immer gemacht. Früher habe ich in der Kabine sogar Strichmännchen an die Tafel gemalt und jeder Spieler musste darauf gucken, bevor das Spiel begann", erzählt der bekennende Schalke-Fan. Die Spieler verstehen, was Willi von ihnen will. "Letztes Jahr in der C-Jugend haben wir eher einfache Übungen gemacht. Das Training mit Willi ist schon speziell, aber es macht richtig Spaß. Er gibt sich immer sehr viel Mühe bei den Übungen", schwärmt Verteidiger Matthias Brumm.

Trainer zu sein ist mehr als ein Job - es ist eine Leidenschaft

Die Jugendlichen schätzen den Mann, der vor 20 Jahren auf die Insel zog. Eigentlich kommt Weidenstraß aus dem Rheinland. Nachdem er in Rente gegangen war, kauften er und seine Frau ein Haus auf Fehmarn und Weidenstraß heuerte bei der JSG an. Dort hat er über die Jahre schon viele verschiedene Mannschaften trainiert. Weidenstraß ist wohl einer der ältesten Trainer Deutschlands. Der DFB konnte das allerdings nicht zweifelsfrei bestätigen. "Ich bin der Trapattoni von Fehmarn. Mit dem Unterschied, dass ich einen Job habe", scherzt der 80-Jährige, der eine klare Philosophie hat: "Ich kann keinem Spieler sagen, dass er etwas schlecht gemacht hat. Auch Brüllen ist für mich keine Lösung. Ich hebe immer das Positive der Spieler heraus", sagt Weidenstraß.

Nach 55 Jahren als Trainer soll noch lange nicht Schluss sein

In fünf Wochen beginnt für seine B-Jugend die neue Saison in der Kreisliga. Bis dahin will Weidenstraß seine Jungs fit haben. Ans Aufhören denkt der 80-Jährige noch lange nicht und sagt: "Wenn ich irgendwann mal im Rollstuhl sitzen sollte, will ich kein Trainer mehr sein. Aber solange ich auf meinen Beinen stehen kann, möchte ich Trainer bleiben. Denn man hört nicht auf mit Fußball, weil man alt wird. Sondern man wird alt, wenn man mit Fußball aufhört."

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.07.2019 | 19:30 Uhr