Trainer Ole Werner vom Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel © IMAGO / Zink

Kommentar: Werner in Bremen - (K)ein neuer Anfang

Stand: 29.11.2021 17:10 Uhr

Werder Bremen hat in Ole Werner seinen Wunschtrainer verpflichtet. Der 33-Jährige könnte nach der Impfpass-Affäre um Markus Anfang und dem sportlichen Niedergang an der Weser ein Glücksgriff sein.

Ein Kommentar von Andreas Bellinger

Werder Bremen hat nach turbulenten Tagen in Ole Werner einen neuen Trainer verpflichtet. Eine naheliegende und gute Wahl, auch wenn es erst seine zweite Station im Profifußball ist. Das wie aus heiterem Himmel über die Grün-Weißen hereingebrochene Chaos scheint mit dem Engagement des einstigen Kieler Erfolgscoaches zumindest in sportlicher Hinsicht überstanden zu sein. Wenngleich auch Werner in den nächsten Wochen damit rechnen muss, dass die Impfpass-Affäre um Markus Anfang immer wieder auf Werder - und damit auf seine Arbeit - zurückfallen wird. Werners Besonnenheit und die Tatsache, dass er mit all dem nichts zu tun hat, werden ihm dabei helfen.

Anspruch Bundesliga wird Werner begleiten

Aber: Auch der Anspruch, die Rückkehr in die Bundesliga noch in dieser Saison zu schaffen, wird Werner vom ersten Tag an begleiten. Und diese Last wiegt sicher schwerer als die unangenehme Erinnerung an die Affäre um den Ex-Trainer. Zumal Werner mit Holstein Kiel gezeigt hat, wie der Weg in Richtung Fußball-Oberhaus beschritten werden kann - auch wenn die "Störche" knapp in der Relegation gescheitert sind.

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Die Bremer Verantwortlichen mit Sport-Geschäftsführer Frank Baumann an der Spitze haben ihren Wunschkandidaten bekommen, der schon zu Saisonbeginn ganz oben auf ihrer Liste gestanden hatte. Im Sommer aber war Werner noch Trainer in Kiel und sagte ab. Was für ihn spricht, wie auch der freiwillige Rücktritt bei der KSV im September, der ohne mediales Getöse und Nachwehen ablief.

Werner passt perfekt ins Anforderungsprofil

Ole Werner aus Preetz in Schleswig-Holstein ist kein Lautsprecher, erinnert in seiner stoischen Art eher an die Bremer Trainerlegende Thomas Schaaf. Wie der Double-Sieger von 2004 passt er perfekt in das von Baumann formulierte Anforderungsprofil, wonach der Trainer eine Handschrift haben, für offensiven Fußball stehen und junge Spieler entwickeln soll.

Bei Werder übernimmt Werner eine intakte Mannschaft, die sich vom Skandal um Anfang beinahe unbeeindruckt gezeigt hat. Ein Team aber auch, das, statt Ansprüche auf den Aufstieg anzumelden, momentan nur Zweitliga-Mittelmaß ist, den Umbruch noch nicht bewältigt hat und als suboptimal zusammengestellt gilt.

Wenn Werner es schafft, in einer bislang beispiellosen Krise an der Weser die Zeichen auf Aufbruch zu stellen, könnte sich der erzwungene Trainerwechsel am Ende als Glücksfall erweisen. Ein neuer Anfang vielleicht - ausdrücklich nicht im doppelten Wortsinn.

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